Dienstag, 10. April 2018

Grammatik-Lernen leicht gemacht

In den ersten Lebensjahren erlernen Kinder ihre Muttersprache: Doch erlernen sie automatisch auch die richtige Grammatik der Sprache? Die klinische Linguistin und Logopädin Dr. Silke Kruse verneint. Das Grammatik-Lernen sollte am besten spielerisch unterstützt werden. In einem Gespräch mit Monika Obrist vom Südtiroler Kulturinstitut erklärt sie, wie das funktioniert.

Kinder können beim Erlernen der Grammatik spielerisch unterstützt werden.
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Kinder können beim Erlernen der Grammatik spielerisch unterstützt werden. - Foto: © shutterstock

Monika Obrsit: Wie funktioniert dieses Grammatiklernen beim Spielen?

Silke Kruse: Kinder verändern ihre ersten, sich sehr oft wiederholenden Spiele im Alter von etwa 2 Jahren dahingehend, dass sie beginnen, Handlungsresultate zu beachten: Dass das Stapeln der Bausteine beispielsweise zu einem Turm geführt hat, kommentieren sie dann mit der ersten morphologischen Form „Turm gebaut“. Im Rollenspiel geht es darum, Personen festzulegen, wofür es die Personenflexion braucht: „Ich bin die Mama, willst du das Baby sein?“ Auch lernen sie, sich auseinanderzusetzen und zu diskutieren, wozu Kinder Nebensatzstrukturen benötigen: „Weil ich jetzt ein Haus bauen will, brauche ich viele Kissen.“ Um 5 Jahre herum realisieren Kinder über das Rollenspiel, dass man sprachlich ausdrücken kann, dass man sich etwas vorstellt: „Ich würde jetzt zur Arbeit gehen, okay?“ Eine gesunde Spielentwicklung hilft also dabei, den Kindern zu verdeutlichen, dass sie bestimmte grammatische Strukturen benötigen und bietet gleichzeitig einen Übungsrahmen für diese Strukturen.

Dr. Silke Kruse. - Foto: Südtiroler Kulturinstitut 

Monika Obrist: In welchem Alter sollten Kinder welche grammatikalischen Strukturen beherrschen?

Silke Kruse: Die wichtigsten Strukturen sind im Deutschen mit 4 Jahren erworben. Die unterschiedlichen Satzmuster, die nötigen Wortflexionen sind dann bereits vorhanden. Allerdings müssen diese Strukturen dann auch noch zu Texten, zu Erzählungen verbunden werden, wofür die Kinder ein weiteres Jahr Zeit benötigen. Und noch länger, nämlich bis ins Grundschulalter hinein, kann es dauern, bis die Kinder wirklich alle Perfekt-Formen, alle Dativformen, alle Pluralformen korrekt äußern.

Monika Obrist: Was können Eltern zu Hause tun, um Kinder in ihrem Grammatikerwerb zu unterstützen?

Silke Kruse: Im Prinzip braucht man nichts zu tun, als mit dem Kind zu kommunizieren. Das Kind mit seinen Interessen als interessanten Gesprächs- und Spielpartner wahrzunehmen und auf es einzugehen beziehungsweise Grenzen zu setzen, wenn es nötig ist. Grammatik bringt Struktur und Klarheit in die Sprache – wenn man den Kindern dazu einen klaren, strukturierten Alltag bietet und ihnen Zeit zum gemeinsamen Spielen und Streiten gibt, ist schon viel Gutes getan.

Dr. Silke Kruse referiert am Freitag, 20. April um 20 Uhr in der Landesbibliothek Dr. F. Teßmann in Bozen zum Thema „Kinderleichter Grammatikerwerb?! Entwicklungsphasen, Förderung und mögliche Störungen“. Der Eintritt ist frei.

stol

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