Donnerstag, 05. Oktober 2017

„Großeltern sein ist ein noch schöneres Geschenk“

Nicht nur in der Adventszeit, aber besonders, wenn Bräuche und Rituale anstehen, sind Großeltern einmal mehr gefragt. Diese Erfahrung macht Rosmarie Karbon. Sie ist die Mutter von Denise Karbon und Großmutter von 7 Enkeln. Mit STOL spricht sie über den Stellenwert von Oma und Opa heute – und den Schattenseiten, wenn die Großeltern zu sehr eingebunden werden.

Ein vertrautes Verhältnis zur Oma ist viel Wert für die Kinder. - Foto: Haslacher Kindergarten Casa del bosco
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Ein vertrautes Verhältnis zur Oma ist viel Wert für die Kinder. - Foto: Haslacher Kindergarten Casa del bosco

Südtirol Online: Wie wichtig sind Oma und Opa heute noch?

Rosmarie Karbon, Referentin bei „Mit Oma und Opa in Lichternstern“ im Haus der Familie am Ritten: Ich spüre, dass es wichtig ist in dem Sinne, dass sie den Kindern eine Gelassenheit vermitteln. Kinder erziehen und sein lassen ist ein Unterschied. Es wird weniger gewertet. Eltern haben mehr die Aufgabe der Erziehung. Großeltern sind wichtig, damit die Enkel Feines haben können.

STOL: Oma und Opa als Erzieher sind also nicht sinnvoll?

Karbon: Es ist ein Unterschied, ob man die Enkel miterziehen muss oder ob man sie nur zu Besuch hat. Es ist fein, wenn Großeltern Großeltern bleiben dürfen. Wenn die Oma in der Betreuung eingebunden wird, dann ist es oft schwierig.

STOL: Die Großfamilie – mit Großeltern als Babysitter – wird eh immer weniger. Ein Problem?

Karbon: Nein, denn ich merke, dass Großeltern mit der Betreuung der Kinder oft überfordert werden; wenn sie zu viel in die Erziehung der Kinder involviert werden. Auch haben alle unterschiedliche Kinderregeln, andere Werte…

STOL: Was hat sich zwischen Großeltern-Sein früher und heute noch verändert?

Karbon: Großeltern sind heute länger in den Beruf integriert, in der Freizeit vermehrt unterwegs. Das ist nicht negativ, aber früher war die Oma einfach da. Da konnte man einfach zur Oma gehen und sie war da.

STOL: Wofür ist der Kontakt zu Oma und Opa konkret gut?

Karbon: Ich stelle fest, dass es wichtig ist, um gewisse Traditionen und Bäuche zu vermitteln. Adventskranz basteln, zur Erntedankprozession gehen, zu Ostern Eier färben, die Traditionen im kirchlichen Leben ohne Druck leben. Eltern sind oft überfordert und haben keine Zeit mehr dafür. Das ist immer mit Aufwand verbunden – und ich glaube schon, dass die Zeit oft fehlt. Wenn man berufstätig ist, trägt man es mit - aber nicht in der Ruhe wie die Großeltern.

Drei Mütter, zwei Großmütter, eine Uroma: Denise Karbon, ihre Mutter Rosmarie und Großmutter Jula (Juliane) Plunger Rassler.

STOL: Immer mehr Großeltern leben nicht zuhause, sondern man besucht sie im Altersheim…

Karbon: Nun, ich bin mit 44 Jahren Oma geworden. Andere sind älter. Für sie ist die Oma wirklich die Oma. Aber egal wie alt und wo: Man kann andere Sachen mit den Enkeln machen, auch wenn die Oma im Rollstuhl sitzt oder die Enkel auf dem Schoß sitzen lässt und ihnen Geschichten vorliest. Da tun sich Kinder leichter. Es geht schließlich darum Zeit zu schenken, egal ob im Altersheim oder zuhause. Es geht darum, das gegenseitige Wohlwollen zu spüren.

STOL: Enkel können ihre Großeltern auch fit halten …

Karbon: Sie tun einem gut, da sie einen fordern. Ob es Gespräche sind oder auch nur Spiele. Man erlebt eine Gemeinschaft und man ist nicht so viel allein. Wenn es auch nur einige Stunden sind, es ist eine wichtige Zeit. Wenn sie gerne kommen, erzählen sie oft auch etwas, das sie zuhause nicht ansprechen. Sie tragen Sorgen und Freuden mit. Das tut gut. Man fühlt sich als Großeltern wichtig. Und: Man lernt mit ihnen andere Leute kennen.

STOL: Welche Schwierigkeiten ergeben sich, wenn Großeltern nicht präsent sind?

Karbon: Wie es bei allem im Leben ist, kann man sich vieles nicht aussuchen. Wenn Eltern nicht Großeltern werden können, ist das sehr schade. Eltern sein ist ein schönes Geschenk, aber Großeltern werden ist ein fast noch schöneres Geschenk.
Wenn man weiter weg ist, können Medien, Handy und dergleichen heute den Kontakt erleichtern.

STOL: Andersherum - welche Probleme ergeben sich, wenn sich die Großeltern zu sehr einmischen?

Karbon: Das gibt es auch. Das ist aber überhaupt nicht angebracht. Wenn die Kinder bei mir sind, ist das Tischgebet logisch. Wenn in einer Familie nicht gebetet wird, dann habe ich nicht das Recht, mich in das spirituelle Leben einzumischen. Es ist ungut, wenn kommt: Warum betet ihr nicht, warum geht ihr sonntags nicht zur Kirche?
Den anderen zu vermitteln geht nur mit Beispielgeben. Sonst distanziert man sich, wenn man Vorschriften machen will.

STOL: Ihr Fazit zum Großeltern-Sein?

Karbon: Es ist ein großes Glück, wenn man Großeltern sein darf und die Enkel begleiten kann, dass man die Eltern unterstützen kann und einen guten Bezug hat. Wenn man keinen Kontakt hat, nicht erwünscht ist, wäre das für mich schlimm. 

Interview: Petra Kerschbaumer

 

stol