Dienstag, 3. Mai 2022

Gustav Thöni: Der Bub aus Trafoi, der auszog die Welt zu erobern

Gustav Thöni ist ein Skiheld, der den Skisport geprägt hat wie kein anderer. Zum 50. Jahrestages des olympischen Triumphes in Sapporo hat Skisportfachmann Beppe Conti die wichtigsten Etappen aus dem Leben Thönis akribisch zusammengetragen.

Ein begnadeter Stilist, den zudem eine große Nervenstärke auszeichnete: Gustav Thöni als überragender Skirennfahrer der 1970-er-Jahre. - Foto: © ukn

Aus dem Bergdorf Trafoi zog er einst aus und eroberte die Skiwelt: Gustav Thöni. Zum Ende seines abenteuerlichen Lebens meinte der heute 71-jährige ehemalige Topathlet: „Die Wirklichkeit übertraf meine kühnsten Kindheitsträume bei weitem.

Seit einigen Tagen liegt für „Dolomiten“-Leserinnen und -leser im Zeitungshandel eine absolut lesenswerte Biographie über einen der erfolgreichsten Skisportler aller Zeiten auf. Das Buch handelt von geschichtsträchtigen Triumphen, glanzvollen Rennen aber auch von schwierigen Zeiten, vom leidvollen Abschied von seinem viel zu früh verstorbenen Cousin Roland,von den Duellen mit Piero Gros, vom Aufstieg als Trainer des exzentrischen Alberto Tomba und vom unglaublichen Glück als mittlerweilen 12-facher Großvater.

„Dem Skisport verdanke ich wirklich alles. Nie hätte ich ohne den Skisport, meinen Skisport, vom kleinen Bergdorf Trafoi aus die Sportwelt erobert und wirklich großartige Abenteuer quer durch alle Kontinente erleben können“, sagt Gustav Thöni heute dankbar. Zum Anlass des 50. Jahrestages des olympischen Triumphes im fernen Jahr 1972 in Sapporo hat Skisportfachmann Beppe Conti die wichtigsten Etappen aus dem Leben Thönis akribisch zusammengetragen.

Nach der italienischen Fassung der Biographie wollte Marco Rossi, gebürtig aus Signat am Ritten, der heute am Gardasee lebt und im Verlagswesen tätig ist, auch eine deutsche Fassung. Übrigens: Marco Rossi war in seiner Jugend ein erfolgreicher Zehnkämpfer. Er gewann bei den Mittelmeerspielen 1987 Gold und insgesamt 7 Zehnkampf-Italienmeistertitel. Jetzt liegt also auch die deutsche Thöni-Biographie vor. In Zusammenarbeit mit den „Dolomiten“, dem Tagblatt der Südtiroler, ist diese „Jubiläumsfestschrift“ auf Gustav Thöni, dem erfolgreichsten Skisportler seiner Zeiten, zu haben.

4 Gesamt-Skiweltpokale, 5 Disziplinen-Weltpokale, je ein Weltmeistertitel im Riesentorlauf und Spezialtorlauf, 2 Weltmeistertitel in der Kombination, ein Mal Olympia-Gold und 2 Mal Olympiasilber…die Aufzählung der sportlichen Erfolge des schweigsamen Vinschgers läßt sich beliebig lang fortsetzen. Tatsache ist, dass der Gustl mit unbändiger Leidenschaft und begnadetem Können mit seinem Einsatz über viele Jahre den Skisport prägte wie kein anderer. Die Geschichte seines Lebens ist eine Erfolgsstory ohnegleichen.

Auf Toni Sailers Pfaden

Die ersten Kapitel den Höhenfluges des Einzelkindes Gustav (geboren am 28. Februar 1951) schrieben natürlich dessen Eltern Jörgl und Anna. Zum Skisport fand der spätere Superstar, der dem ganzen Trubel auch in den Jahren seiner spektakulärsten Erfolge zum Trotz bescheiden geblieben ist, über eine Illustrierte.

Ein gewohntes Bild: Fünf Weltmeistertitel und zweimal WM-Silber holte sich Gustav Thöni. - Foto: © Dolomiten



Toni Sailer, der Triumphator der Winterspiele 1956 in Cortina d'Ampezzo, zeichnete in eben dieser Zeitung seinen Weg zum dreifachen Olympiagold nach. „So etwas wollte ich auch zustande bringen“, dachte sich Gustav Thöni. Und er arbeitete hart, dieses Ziel zu erreichen. Über den legendären Rolly Marchi und seine Topolino-Rennen am Bondone schnupperte der Trafoier am Trientner Hausberg erstmals richtig Wettkampfluft.

Seinen kometenhaften Aufstieg und, 1968, die Berufung in die Skiauswahl, begleitete Walter Schwienbacher, sein zweiter Trainer. Die Nr. 1 war aber immer Zeit seines Lebens sein Vater Georg, der ja viele Jahre lang am Stilfser Joch als Skilehrer gearbeitet hatte.

Eine einmalige Karriere

Für Gustav ging es Schlag auf Schlag, mit 18 kommt der erste Sieg in einem Weltcuprennen. Insgesamt sollten es in seiner beispiellosen Karriere weitere 23 werden, dazu 25 zweite Plätze und 2 Dutzend Mal dritte Plätze. Mit der von ihm vollendet umgesetzten Umsteigetechnik, mit der er die Tore besonders hoch anfuhr, revolutionierte Gustav Thöni den Fahrstil jener Zeit und setzte sich gleich an die Weltspitze.

Auf den ersten Weltpokalgesamtsieg 1970/71 folgte 1972 das Olympiagold in Sapporo. Vergessen war das Pech, das ihn 1970 bei der Ski-WM in Gröden verfolgt hatte. Thöni setzte in der Saison 1972/73 seine Erfolgsserie fort. 4 Jahre nach Gröden wurde Thöni sowohl im Riesenslalom als auch im Slalom Weltmeister. Es würde zu weit führen, auf Gustls Seriensiege einzugehen, die ja jetzt in Buchform gebündelt vorliegen.

Die Trafoier Ski-Legende Gustav Thöni bei der WM 1970 in Gröden.<?ZS?><?Uni SchriftStil="0" SchriftArt="QuadraatSans" SchriftGroesse="7pt" Vorschub="10,2pt" SchriftWeite="100ru" SatzArt="0"?><?TrVer?><?Uni Kapitaelchen="100ru"?><?_Uni?><?FW "2pt"?><?PH PHFormat="$($IptcQue$/)"_?><?PH PHFormat="$($IptcAN)"_?><?_Uni?>



Nicht unerwähnt bleiben dürfen allerdings 2 Glanzlichter: Einmal sein zweiter Platz in der Abfahrt auf der Streif, nur einer Hundertstelsekunde hinter dem Sieger Franz Klammer und sein Husarenritt 1975 in Gröden, beim entscheidenden Paralleltorlauf gegen das aufstrebende Talent Ingemar Stenmark. Geschichte sind auch die legendären Zweikämpfe Thönis mit der Aostaner Mimose Piero Gros, der ihm das Leben oft genug schwer machte.

Gustav Thöni auf Skiern im Jahre 1974. - Foto: © Foto Olympia Milano



Sein letztes Weltcuprennen fuhr Gustav Thöni am 15. März 1980. Danach war er einige Jahre lang unerschöpfliche Fundgrube für den italienischen Skinachwuchs, gleichzeitig baute er mit seiner Frau Ingrid Pfaundler (die er am 24. Mai 1975 zum Altar geführt hatte) und seinen Töchtern Petra, Susanne und Anna das familieneigene Hotel „Zur schönen Aussicht“ zu einem wunderbaren Haus aus.

Zwischen 1989 und1996 führte er schließlich den keineswegs pflegeleichten Alberto Tomba zu absolut bemerkenswerten Ergebnisse. Der schillernde Lebemann Tomba wurde Gesamtweltcupsieger, holte 2 Weltmeistertitel und wurde auch Olympiasieger. Von der großen Bühne verabschiedete sich Gustav Thöni im Anschluss an die olympischen Winterspiele 2006 in Turin.

Das Leben nach dem Sport

Auch für Gustav Thöni gibt es ein Leben nach dem Sport. Heute genießt er in Trafoi, in 1500 Metern Höhe, in Dankbarkeit die Schönheit einer majestätischen Bergwelt. Bescheidenheit und Zufriedenheit hat er sich bewahrt. Starallüren sind ihm seit jeher fremd.

Gustav Thöni begeistert sich auch nach seiner Karriere immer noch für den Skisport. - Foto: © Enno Kapitza



Er liebt den Skisport immer noch - seine 12 Enkel aber abgöttisch. Das von den unvergessenen Eltern Anna und Georg übernommene Hotel führt inzwischen Tochter Petra. Als freundlicher Seniorchef hinter der Theke bedient Gustav oft und Gäste und erinnert sich mit ihnen auch gerne an vergangene Zeiten. Wer Glück und etwas Zeit hat, für den öffnet Gustl auch sein übervolles Trophäenzimmer.

Neugierig geworden?
Auf über 150 Seiten ist jetzt die fesselnde Lebensgeschichte des unvergleichlichen Trafoier Skiheros Gustav Thöni, der einer ganzen Generation von Südtirolerinnen und Südtirolern viele spannende Augenblicke beschert hat, zu haben.

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