Dienstag, 19. Juli 2016

Hat Misses Trump von Misses Obama abgekupfert?

Auffallend zurückgehalten hat sich Melania Trump lange Zeit im Kampf ihres Mannes Donald um die US-Präsidentschaftskandidatur. Nun aber trat die 46-Jährige beim Nominierungsparteitag der Republikaner ins Rampenlicht. Und sie sorgte wie von den Wahlkampfstrategen erhofft für unzählige Schlagzeilen – ob die allerdings ihrem Mann gefallen, darf bezweifelt werden: Melania Trump soll ganze Sätze aus ihrer Rede von Präsidentengattin Michelle Obama abgekupfert haben.

Melania Trump und Michelle Obama: Hat Trump von der aktuellen First Lady abgekupfert?
Melania Trump und Michelle Obama: Hat Trump von der aktuellen First Lady abgekupfert? - Foto: © APA/AFP

Als Frau eines schillernden Immobilienmilliardärs und als früheres Karrieremodel ist Melania Trump das Rampenlicht eigentlich gewöhnt. Sicher ist, dass sie eine First Lady wäre, an die sich viele Rechtskonservative erst gewöhnen müssten. Denn nicht nur erotische Fotos aus der Vergangenheit widersprechen dem in diesen Kreisen geltenden Rollenbild einer Präsidentengattin. Auch die Tatsache, dass Melania Trump die bereits dritte Frau ihres ein Vierteljahrhundert älteren Mannes ist, passt nicht ins Werteschema.

Melania Trump wäre noch in vielerlei anderer Hinsicht eine höchst ungewöhnliche First Lady. So wäre sie die erst zweite Präsidentengattin der US-Geschichte, die im Ausland geboren wurde – nach Louisa Adams, die 1825 in das Weiße Haus einzog.
Noch heute spricht Melania Trump Englisch mit deutlichem Akzent, der auch auch bei ihrer Parteitagsrede zu hören war. Im hochgeschlossenen weißen Kleid mit Puffärmeln zeigte sie den Delegierten dabei ihr lieblichstes Lächeln und pries ihren Ehemann, mit dem sie sich auch auf offener Bühne küsste.

Doch nicht damit sorgt Melania Trump nun für Furore, sondern mit der Aussage, dass ihre Eltern ihr vermittelt hätten, „dass du hart dafür arbeiten musst für das, was du im Leben willst. Dass dein Wort gilt und du tust, was du sagst und deine Versprechen hältst.“

Damit wiederholte die 46-Jährige fast wörtlich, was Michelle Obama 2008 in ihrer Parteitagsrede gesagt hatte: „Und Barack und ich wurden mit so vielen gleichen Werten erzogen: dass du hart dafür arbeiten musst für das, was du im Leben willst. Dass dein Wort gilt und dass du das tust, was du angekündigt hast.“

Auch andere Passagen der Rede erinnern stark an den Auftritt von Michelle Obama vor acht Jahren, was für riesige Wellen in Medien und in sozialen Netzwerken sorgt. Melania Trump reagiert wie gewohnt: Sie schweigt.

Wahlkampfmanager weist Plagiatsvorwürfe zurück

Das Wahlkampfteam von Donald Trump hat die Plagiatsvorwürfe gegen die Ehefrau des US-Präsidentschaftsbewerbers zurückgewiesen. Melania Trump habe ihre Parteitagsrede am Montagabend vor 35 Millionen Menschen gehalten, sagte Trumps Kampagnenleiter Paul Manafort am Dienstag dem Fernsehsender CNN. „Sie wusste das“, fügte er hinzu.

Sich vorzustellen, dass sie ihre Rede ausgerechnet bei Präsidentengattin Michelle Obama abgekupfert habe, sei „verrückt“.

Trumps Wahlkampfteam hatte sich zuächst nicht zu den Vorwürfen geäußert. Trump selbst lobte im Kurznachrichtendienst Twitter den Auftritt seiner Frau: „Ihre Rede und ihr Auftreten waren unglaublich. Sehr stolz!“
Auch Trumps Kommunikationsberater Jason Miller ging nicht direkt auf die Plagiatsvorwürfe ein.

Er erklärte, Melania Trumps Redenschreiber hätten sich von den Lebenserfahrungen des aus Slowenien stammenden Ex-Models inspirieren lassen. Es seien Fragmente eingeflossen, die die „eigenen Gedanken“ der 46-Jährigen reflektierten.

apa/dpa

stol