Dienstag, 12. September 2017

Heiner Geißler, ein Freund Südtirols, ist tot

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist gestorben. Sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden ließ ihn in den 1960er-Jahren aktiv für die Südtiroler Sache Partei ergreifen.

Heiner Geißler ist tot.
Heiner Geißler ist tot.

Geißler starb im Alter von 87 Jahren, wie die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag unter Berufung auf seinen Sohn Dominik Geißler berichtete. Geißler war von 1977 bis 1989 Generalsekretär, außerdem mehrere Jahre lang deutscher Familienminister.

Unter den Ministerpräsidenten Peter Altmeier und Helmut Kohl (beide CDU) war Geißler von 1967 bis 1977 Sozialminister in Rheinland-Pfalz, anschließend wurde er CDU-Generalsekretär. Kohl berief den promovierten Juristen 1982 zum Familienminister.

Der Sozialexperte arbeitete an einem neuen Image der CDU als moderne Programmpartei und führte unter anderem ein Erziehungsgeld ein.
Seine letzte ganz große Mission hatte Geißler, als er im Alter von 80 Jahren 2010 den Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 schlichtete.

Bis zuletzt äußerte er sich zur aktuellen Politik

Geißler kam am 3. März 1930 in Oberndorf am Neckar als Sohn eines Oberregierungsrates zur Welt. Vor seiner politischen Karriere war der Vater von drei Söhnen vorübergehend Mitglied des Jesuitenordens, dann Amtsrichter.

Bis zuletzt äußerte er sich zu aktuellen politischen Themen. So kritisierte er etwa noch im März die rheinland-pfälzische CDU-Chefin und Bundes-Vize Julia Klöckner, weil diese Reformen an den Hartz-Gesetzen abgelehnt hatte.

Reaktionen aus Südtirol

„Wir trauern um ein Freund Südtirols und um einen Freund der Südtiroler Volkspartei“, sagt SVP-Obmann Philipp Achammer zum Tod von Heiner Geißler. Vielen SVP-Mitgliedern ist der langjährige CDU-Generalsekretär und ehemalige Bundesminister noch von der 57. Landesversammlung 2011 in Erinnerung.

Damals würdigte er den früheren Landeshauptmann und SVP-Obmann Silvius Magnago als „herausragende europäische Persönlichkeit“.

„Ich besuche kein Land lieber als Südtirol“

Gleich zu Beginn seiner Rede im Meraner Kursaal – in der er eine Wertediskussion forderte – betonte er, dass er kein Land lieber besuche als Südtirol.

Gastredner Heiner Geißler appellierte bei der SVP-Landesversammlung, vor dem Hintergrund zahlreicher internationaler Krisen, für mehr ethische Werte in der Politik: Diese seien Voraussetzung für Glaubwürdigkeit. Außerdem brauche es „Mutbürger“ – und nicht „Wutbürger“. Hart ins Gericht ging er mit der Finanzwelt: Das Kapital habe dem Menschen zu dienen, es dürfe ihn aber keinesfalls beherrschen.

Geißler lobte Eigenschaften Magnagos

Südtirol-Freund Heiner Geißler, ein begeisterter Bergsteiger und Gleitschirmflieger, lobte die Eigenschaften von Silvius Magnago – seine Unabhängigkeit und seinen Mut. Außerdem habe er ein Konzept gehabt. Dies alles solle man von ihm mit in die Zukunft nehmen.

„Wir drücken der Trauerfamilie unser Beileid aus – wir werden unseren Freund Heiner Geißler ehrend in Erinnerung behalten“, sagt Obmann Philipp Achammer im Namen der SVP-Mandatare und -Funktionäre.

Einer der klügsten politischen Köpfe

"Heiner Geißler war einer der klügsten politischen Köpfe der alten Bundesrepublik", so der Obmann des Südtiroler Heimatbundes, Roland Lang. Er habe er als junger Student aktiv den Südtiroler Befreiungskampf unterstützt, indem er Kurierdienste für die Freiheitskämpfer übernahm.

"Stets bezeichnete er den Südtiroler Freiheitskampf als eine gerechte Sache", so Lang und weiter: "In seiner politischen Tätigkeit wusste er oft, anzuecken und scheute niemals den offenen Widerstreit der Ideen. Er schreckte auch nicht davor zurück, Positionen einzunehmen, die nicht der Parteilinie bzw. der Linie des CDU-Übervaters Helmut Kohl entsprachen."

Der Südtiroler Heimatbund wird Heiner Geißler ein ehrendes Andenken bewahren

stol/dpa

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