Man schreibt das Jahr 1976: Die argentinische Hauptstadt Buenos Aires wird von gewalttätigen Unruhen erschüttert, es droht eine Militärdiktatur, als der Englischlehrer Tom (dargestellt von Steve Coogan) seine neue Stelle an einem Internat für die Söhne gutbetuchter Argentinier antritt. Der Start in seinen neuen Job verläuft äußerst rumpelig. Die verwöhnten Upperclass-Rotzlöffel interessieren sich nämlich weder für englische Literatur noch für die coolen Sprüche ihres Lehrers. <BR /><BR />Als die Schule wegen der Unruhen geschlossen wird, gönnt sich Tom einen kleinen Erholungsurlaub am Strande von Uruguay. Dort stolpert er am Strand über einen ölverschmierten Pinguin, der sich nicht mehr abschütteln lässt. Juan Salvador – so der Name des Pinguins – wird nach seiner Rückkehr erst zur Sensation im Unterricht, dann zum Maskottchen der ganzen Schule und schließlich zum Freund. Nicht nur Lehrer Tom muss feststellen, dass Pinguine verdammt gute Zuhörer sind. Doch nicht nur das: Der Zyniker entwickelt sich ganz nebenbei zum mitfühlenden Menschen, der schließlich auch das Unrecht und die Gewalt, die in Argentinien Einzug gehalten haben, auf seine Weise bekämpft.<BR /><BR />Neben dem menschlichen Protagonisten Steve Coogan spielt – wie es der Filmname richtig vermuten lässt – in „Der Pinguin meines Lebens“ ein Pinguin die Hauptrolle. Genauer gesagt sind es sechs Tiere. Was alles im Vorfeld dafür nötig war und wie die Vögel trainiert wurden, verrieten die Produzenten exklusiv auf „Petbook – Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber“. <h3> An den felsigen Küsten Südamerikas zu Hause</h3>Im Kinofilm, der beim Toronto International Film Festival ausgezeichnet worden ist, sowie in der wahren Geschichte handelt es sich um einen Magellan-Pinguin (Spheniscus magellanicus). Sie gehören zur Gruppe der Brillenpinguine und leben an den felsigen Küsten der Falklandinseln, in Chile, Argentinien, Uruguay und teilweise auch im Süden Brasiliens. Die Gesamtpopulation wird von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) auf etwa 1,3 Millionen Brutpaare geschätzt. <BR /><BR /> Sie sind an ihrem schwarzen Rücken und weißen Hinterleib zu erkennen, außerdem haben sie zwei markante schwarze Bänder auf der Brust. Diese Pinguine gelten als gesellige Vögel und sind bekannt für ihre lauten Schreie. Magellan-Pinguine zeichnen sich durch die Bauweise ihrer Höhlen aus. Sie graben Löcher in sandigen oder grasbewachsenen Küstengebieten, die ihnen Schutz vor Raubtieren und Witterungseinflüssen bieten. <BR /><BR />Diese Höhlen dienen ihnen auch dazu, ihre Eier und Küken während der Brutzeit zu schützen. Jedes Jahr unternehmen Magellan-Pinguine lange Wanderungen und legen dabei Tausende von Kilometern zwischen ihren Nahrungs- und Brutgebieten zurück. Dabei orientieren sie sich an den Meeresströmungen und verbringen während dieser Wanderungen Monate auf See.<BR /><BR />Für „Der Pinguin meines Lebens“ wurden insgesamt zwölf Tiere vom Filmtieranbieter „Set Animals“ aus Madrid zur Verfügung gestellt, heißt es bei „Petbook“. Allerdings standen nur sechs Pinguine als Juan Salvador vor der Kamera. Bei den anderen sechs handelte es sich um die jeweiligen Partner der Tiere. Denn Magellan-Pinguine leben monogam in festen Partnerschaften. Damit die jeweils andere Hälfte nicht unter der Abwesenheit des anderen leidet, durften alle mit ans Set.<h3> Die „Chemie“ zwischen den Darstellern stimmte</h3>Auch sonst wurde am Drehort Wert auf das Tierwohl gelegt. Die Pinguine hatten eine komfortable Behausung in einem speziell angepassten Haus mit Pool. Und bevor die Tiere mit ihren menschlichen „Kollegen“ vor der Kamera standen, wurden sie während einer Art „Probezeit“ mit diesen vertraut gemacht. <BR /><BR />Im Film selbst wurden die echten Pinguine nur in Szenen eingesetzt, in denen sie natürliche Verhaltensweisen zeigten und mit den Schauspielern interagierten. Zum Beispiel wurde die Szene, in der der Pinguin ins Meer geworfen wird, mit Pinguinattrappen gemacht. Auch bei den Tieren, die am Strand mit Öl bedeckt sind, handelt es sich um Modelle mit animatronischen beweglichen Teilen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1230273_image" /></div> <BR />In einer Szene allerdings befreit Tom die Federn eines echten Pinguins von Öl in der Badewanne. Hierfür kam eine sichere, neutrale Mischung aus natürlichen Inhaltsstoffen zum Einsatz. Die Formel dafür wurde im Voraus von der amerikanischen Tierschutzorganisation American Humane Society und vom Tierarzt vor Ort genehmigt, betonten die Produzenten auf „Petbook“. <BR /><BR />Und der echte Juan Salvador? Der Pinguin lebte sechs Jahre lang in der argentinischen Schule und war tatsächlich Maskottchen und Vertrauter der Schüler und Mitarbeiter. Das Tier verstarb plötzlich, während Michell auf Reisen war. Tom war untröstlich über diesen Verlust und schrieb später ein Buch über seine Erfahrungen mit Juan Salvador mit dem Titel „The Penguin Lessons“ („Der Pinguin meines Lebens“, Tom Michell und Lisa Kögeböhn, S. Fischer Verlage, Taschenbuch, April 2025). Heute lebt Tom Michell, mittlerweile 73 Jahre alt, mit seiner Frau, vier Kindern und den Enkelkindern im südenglischen Cornwall. <BR /><BR />Am Rande der Kinopremiere von „Der Pinguin meines Lebens“ sagte er im Interview mit der Zeitung „Cornish Times“, er hoffe, der Film schärfe das Bewusstsein für die Notlage der Pinguine und anderer Meereslebewesen, die durch die Überfischung im Südatlantik entstehe. „Man muss kein Raketenwissenschaftler sein, um zu verstehen, was das für die Tiere bedeutet, die sich von ihnen ernähren“, sagte er. Und dann sei da noch die Umweltverschmutzung. Nach wie vor würden mit Öl verschmutzte Pinguine und in Fischernetzen verfangene Seelöwen gerettet.<BR /><BR />Michell: „Ich hoffe, der Film bringt die Menschen dazu, darüber nachzudenken, die Zentralheizung herunterzudrehen und einen Pullover anzuziehen und vorsichtiger mit fossilen Brennstoffen umzugehen. Wenn sie daraus Lehren ziehen und es sinnvoll finden, ist das wunderbar. Aber“, fügt er hinzu, „wenn sie nach dem Film denken: ‚Das war ein unterhaltsamer Film‘, ist das für mich genauso in Ordnung.“