Dienstag, 01. September 2015

„Hilfe zur Selbsthilfe“

„Tschikerillem - kein Problem“, dieses Wort wird in Äthiopien häufig verwendet. Die Menschen sagen es meist lachend, ihre gute Laune steckt an. Und das, obwohl sie von nichts zu viel haben, im Gegenteil: Eigentlich haben sie von allem zu wenig.

Ohne fremde Hilfe ginge es ihnen noch schlechter. Doch auch Helfen muss gelernt sein, wenn es den Menschen zum Nutzen und nicht zum Schaden gereichen soll.

Äthiopien ist ein wunderschönes Land. Besonders in der Regenzeit zeigt es sich von seiner besten Seite: Die unendlich weiten Felder sind von sattem Grün durchzogen, Tiere weiden in freier Wildbahn und die Kinder baden fröhlich in den Pfützen. Die Idylle ist aber leider von kurzer Dauer. „Bald kommt die Trockenzeit: Mehr als neun Monate lang fällt kein Tropfen Wasser“, erklärt Abba Temesgen, Direktor der Caritas Meki, mit der die Südtiroler Caritas eng zusammenarbeitet. Das ist die schwierigste Zeit des Jahres: Die Wasserstellen verdunsten, der Meki-River trocknet aus, die Felder werden braun und unfruchtbar. Mensch und Tier vegetieren nur noch vor sich hin. Wer nicht vorsorgt, dem stehen harte Zeiten ins Haus.

Doch wie vorsorgen, wenn man nichts zum Vorsorgen hat? Die Familien in den Dörfern sind extrem arm. Davon zeugen ihre kleinen, spartanischen Hütten aus Lehm, in denen sich außer einer Feuerstelle nichts befindet. Ihre Kleider sind schmutzig und zerschlissen, die Füße zerschunden, die Gesichter der Frauen und Männer durchfurcht. Und überall gibt es Kinder, unglaublich viele Kinder. Die Sterblichkeitsrate unter ihnen ist hoch. „In Afrika stirbt jedes vierte Kind an den Folgen von Hunger und Wasserknappheit“, sagt Judith Hafner von der Caritas-Auslandsarbeit.

Die Südtiroler Caritas arbeitet nun schon seit drei Jahrzehnten in Äthiopien sowie in anderen Teilen Afrikas, eines ihrer Schwerpunktländer in der Hungerhilfe. „Anfänglich haben wir uns auf die Katastrophen- und Notfallhilfe beschränkt. Nach und nach wurde immer deutlicher, dass es mehr braucht als reine Versorgungsmaßnahmen. Den Menschen muss geholfen werden, sich selbst zu helfen. Heute investieren wir deshalb hauptsächlich in die Wasserversorgung, Bildung, Landwirtschaftsprojekte und Mikrokredite“, erklärt Caritas-Direktor Franz Kripp. Die Hilfe muss sanft und behutsam erfolgen und auch immer wieder hinterfragt werden. „Ziel ist es nicht, den Menschen zu Wohlstand zu verhelfen, sondern ihre Existenz zu sichern. Das macht einen großen Unterschied“, sagt Kripp.

Die Caritas führt derzeit 23 Hilfsprojekte in zehn verschiedenen Ländern in Afrika durch. Ziel ist dabei die Hilfe zur Selbsthilfe. Über die derzeitige Kampagne „Hunger macht keine Ferien“ ruft sie die Südtiroler Bevölkerung zur Mithilfe auf: über einmalige Spenden oder sog. Hungerpatenschaften. Sieben Euro im Monat reichen aus, um bis zur nächsten Ernte ein Menschenleben zu retten, mit 14 Euro sind es zwei. Wer den Einsatz der Caritas unterstützen will, kann dies unter dem Kennwort „Hunger in Afrika“ bei seiner Bank tun.

Spendenkonten der Caritas Diözese Bozen-Brixen:

Intesa Sanpaolo, IBAN: IT18 B0306911619000006000065
Raiffeisen Landesbank, IBAN: IT42 F0349311600000300200018;
Südtiroler Sparkasse, IBAN: IT17 X0604511601000000110801;
Südtiroler Volksbank, IBAN: IT12 R0585611601050571000032.

stol