Montag, 29. Juni 2015

Hl. Johannes von Nepomuk - Vom Bach in die Kirche

Walten: Festlich geschmückte Häuser und wehende Tiroler Fahnen kündigten schon von Weitem einen festlichen Tag an und die Pfarrgemeinde konnte bei herrlichem Sommerwetter das Patrozinium in Wans, eines ihrer traditionellsten Kirchenfeste, feiern.

Der Weg führt von der Kirche in Walten bis nach Wans.
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Der Weg führt von der Kirche in Walten bis nach Wans.

Begleitet von den Klängen der Musikkapelle Walten, zog die Kirchengemeinde des 400 Seelendorfes Walten oberhalb St. Leonhard in Passeier, in einer feierlichen Prozession durch die duftenden Bergwiesen und entlang des Waltner Baches zum Kirchlein von Wans, welches dem hl. Johannes von Nepomuk geweiht ist. Der Hohen Geistlichkeit mit dem Allerheiligsten und den Ministranten/innen, folgten die Schützenkompanie Mj. Georg Klotz zusammen Kameraden der Schützenkompanien von St. Leonhard und St. Martin, die Statuenträger/innen, die Abordnung der Feuerwehr und vielen Gläubigen aus der Umgebung.

Vier Evangelien wurden auf dem gut 3 km langen Fußweg gehalten. Höhepunkt neben dem 4. Evangelium bei der Grueberbrücke waren die Ehrensalve der Schützen, der Bachsegen und das Bergen des hl. Johannes aus dem Bachbett.

Pfarrer P. Christian Stuefer OT feierte zu Ehren des Brückenheiligen beim Wanser Kirchlein einen festlichen Feldgottesdienst.Im Anschluss daran wurden die neuen Blumenhörner und die mit Alpenrosen geschmückte Böllerkanone der Schützenkompanie Mj. Georg Klotz gesegnet, mit der bereits während der Prozession der Ehrensalut abgefeuert wurde.

Bei Tanzmusik, Unterhaltung und guter Bewirtung wurde bis in den Abend hinein gefeiert. Nicht fehlen durften die Goaßlschnöller. Sie gaben mehrere Einlagen zum Besten.

In den Aufzeichnungen des Südtiroler Volkskundlers Karl Felix Wolff kann man über die Johanni-Prozession folgendes lesen:

"Das Dorf war festlich geschmückt, denn zum "Johannifest" kamen die Leute aus dem ganzen Tale zusammen. Dieses Fest wird kaum in der Welt so originell gefeiert, wie in diesem abgelegenem Dörflein".

"Etwas spät hatten wir uns in die Schlafkammern zurückgezogen, nachdem wir eine erkleckliche Anzahl von Litern roten Etschtalers getrunken hatten. Nebenher hielten die Sänger Probe für die morgige Prozession und ganz unmerklich waren die Leute von den kirchlichen Gesängen in sehr weltliche Lieder und Vierzeiler hinübergeraten."

Weiteres steht geschrieben: "Erschrocken fuhr ich in meinem Bett in die Höhe, als der Morgen dämmerte, kaum unter den Fensterluken meiner Kammer die Pöller krachten, daß das ganze Haus erzitterte."

"Zwanzig Minuten entfernt vom Dörfchen steht eine Kapelle, einsam und verlassen gewöhnlich, heute aber festlich geschmückt mit Tannen- und Fichtenzweigen. Auf den mächtigen Felsblöcken oberhalb krachten die Pöller, die kleinen Glöckchen im Turme bimmelten und schon hörte man den Gesang des bäuerlichen Kirchenchores. Fahnen in heiteren fröhlichen Farben flatterten im Winde und der Wirt, mit gezogenen Säbel und grimmigen Gesicht, führte eine Schützenkompanie von 18 Mann. Der Hauptmann kommandierte indessen: Halt Mander! Jetz stellt's enk den Zaun entlang auf, und du, Schneider-Jörg, daß d'mir dein Schnatter (Gewehr) nit laden tuest, wenn's Kummandi kummt zon der Generaldescharsch ,ladet'! Du verschandelst die ganz' Kumpanie, weil d'allwegs an Vaterunser lang zu spat abdrucken tuast."

Seitdem im Jahre 1822 das Wanser Kirchleins dem hl. Johannes von Nepomuk geweiht wurde, ist es Brauch den Brückenheiligen auf diese Art und Weise zu Ehren.

Text / Fotos: Bernadette Pfeifer

 

Ortschronistin, St. Leonhard

stol