Die Eventmanagerin und Veranstaltungsfachfrau Barbara Brugnara spricht im Interview mit s+ über Trends, bemerkenswerte Entwicklungen und wie sehr Männer mittlerweile auf ihr Erscheinungsbild achten. <BR /><BR /><b>15 Jahre sind eigentlich ein gar nicht so langer Zeitraum. Bei Hochzeiten hingegen scheint sich seit der ersten Ausgabe der „Marry Me“ doch so einiges geändert zu haben, oder?</b><BR />Barbara Brugnara: Das stimmt, die erste Ausgabe fand ja bereits vor 16 Jahren statt, eine Ausgabe musste leider covid-bedingt ausfallen. Damals wurden Hochzeiten fast ausnahmslos in Restaurants gefeiert, erst nach und nach wurden immer stärker Caterings nachgefragt, heutzutage sind freie Flächen der Renner.<BR /><BR /><b>Freie Flächen?</b><BR />Brugnara: Freie Flächen im Sinne, dass beispielsweise schöne Wiesen, Weingüter, Strände und sogar Waldstücke als Ort für freie Trauungen oder für das feierliche Beisammensein nach dem formellen Akt im Standesamt gewählt werden. Immer mehr Paare möchten sich dort das Ja-Wort dort geben, wo sie sich zum ersten Mal geküsst haben oder wo der Heiratsantrag erfolgte. Das kann durchaus auch an einem See oder auf irgendeinem Felsen sein. Man sucht das Echte und Ungezwungene. Letzthin kamen auch verstärkt Höfe auf die Idee, ihre Scheune als Räumlichkeit zur Verfügung zu stellen, sogar Produktionshallen kommen mittlerweile als Location in Frage.<BR /><BR /><b>Die Corona-Krise hat in punkto Eheschließungen also so einiges verändert?</b><BR />Brugnara: Die logische Folge der vielen Verschiebungen ist, dass nun auch Hochzeiten an Wochentagen gefeiert werden. Das war vor Corona noch kaum Usus, vor 15 Jahren wäre es undenkbar gewesen. Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass es unter der Woche oftmals günstigere Preise gibt. Außerdem gibt es kaum noch richtig große Hochzeitsgesellschaften mit mehr als 100 Geladenen: Die Trauung vollziehen viele Paare in einem sehr persönlichen Rahmen, die Anzahl der Hochzeitsgäste hat sich drastisch verringert. Das hat sicherlich auch mit den Kosten zu tun.<BR /><BR /><embed id="dtext86-56123148_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Zeigt sich der Trend zum Zwanglosen und Authentischen auch bei der Wahl des Outfits?</b><BR />Brugnara: Durchaus, wobei das immer stark von den Vorstellungen des jeweiligen Brautpaares abhängt. Vor 15 Jahren waren die Outfits sehr klassisch, heute kann man sagen: Alles ist erlaubt. Manche Brautleute kommen sogar barfuß, wenn sie sich auf einer Wiese das Ja-Wort geben. Aus modetechnischer Sicht hat der Bräutigam eine starke Entwicklung hingelegt. Früher gehörten die Ahs und Wows nur der Braut, mittlerweile ist auch der Bräutigam zum Hingucker geworden. <BR /><BR /><b>Wie stark wird Kinderanimation nachgefragt?</b><BR />Brugnara: Ein weiterer interessanter Punkt. Vor 15 Jahren hatten viele Brautpaare noch keine Kinder, jetzt gibt es so gut wie keine Feier ohne Kinderanimation und -betreuung. An den Messetagen bringen die künftigen Brautleute meistens ihre Kinder mit. Kirchliche Trauungen haben im selben Maße abgenommen wie freie Trauungen mit einem Hochzeitsredner – meistens ein bester Freund – zugenommen haben. Persönlich finde ich schade, dass junge Paare immer seltener Rituale wie etwa das Werfen des Brautstraußes pflegen. Umso mehr wird nach Unterhaltung für die Feier gesucht, etwa in Form von Spielen, Fotoboxen oder interaktiven Spiegeln. Interessant finde ich auch die veränderte Rolle der Juweliere. <BR /><BR /><b>Die Rolle der Juweliere?</b><BR />Brugnara: Heutzutage schenken die allermeisten Männer Schmuck nur mehr zu sehr besonderen Anlässen. Oder welcher Mann kommt noch mit Ringen daher, außer zur Verlobung und zur Hochzeit? Umso wichtiger ist eine Hochzeitsmesse als Branchentreff für Juweliere. <BR /><BR /><b>Andererseits: Welchen Sinn macht denn eine Hochzeitsmesse im digitalen Zeitalter?</b><BR />Brugnara: Wir bemühen uns immer, mehr als nur Aussteller zu finden, möchten Menschen zusammenbringen und vernetzen, neue Trends aufspüren und Interaktives präsentieren. Somit bekommt man mit einem Mal die komplette Palette der Möglichkeiten aufgezeigt, kann sofort Kontakte anbahnen. Zudem gibt es einige Besonderheiten: So wird die Haubenköchin Tina Marcelli über die Zusammensetzung des Hochzeitsmenüs sprechen, die „Zett“-Miss Südtirol Julia Kaserbacher wird Brautmode präsentieren, außerdem verschenken wir eine romantische Fahrt mit dem Heißluftballon.