Kaum haben Sie den letzten Satz beendet, folgt bereits die Antwort – oder besser gesagt: die Lösung. Dabei haben Sie sich eigentlich nur gewünscht, dass Ihnen jemand zuhört.<BR /><BR /><b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />So paradox es klingt: Obwohl wir tagtäglich unzählige Gespräche führen, hören wir erstaunlich selten wirklich zu. Während jemand anderes zu uns spricht, beschäftigen wir uns oft viel eher mit anderen Dingen. Wir überlegen, was wir als Nächstes sagen könnten, vergleichen das Gehörte mit unseren eigenen Erfahrungen oder bilden uns schon nach wenigen Sekunden eine Meinung. Das Gespräch läuft weiter, doch innerlich haben wir längst begonnen, unsere Antwort zu formulieren.<BR /><BR />Im Grunde genommen ist dies keineswegs ungewöhnlich. Unser Gehirn arbeitet ausgesprochen effizient – und das rund um die Uhr. Es versucht, Informationen möglichst schnell einzuordnen, Muster zu erkennen und Zusammenhänge herzustellen. <BR /><BR />Im Alltag hilft uns diese Fähigkeit vor allem dabei, rasch Entscheidungen zu treffen. In Gesprächen kann sie dann und wann allerdings zum Stolperstein werden. Denn je schneller wir zu wissen glauben, worauf unser Gegenüber hinauswill, desto größer ist die Gefahr, dass wir nur noch das hören, was in unser eigenes Bild passt.<BR /><BR />Hinzu kommt die Tatsache, dass wir alle die Welt durch unsere ganz persönliche Brille betrachten. Was für den einen eine nicht nennenswerte Kleinigkeit ist, kann für den anderen eine enorme Herausforderung darstellen. Je nachdem, welche Erfahrungen ein Mensch gemacht hat und welche inneren Überzeugungen ihn antreiben, werden Situationen und Ereignisse manchmal vollkommen unterschiedlich bewertet. <BR /><BR />Wer vorschnell urteilt oder ungefragt mit Ratschlägen um sich wirft, übersieht deshalb oft das Entscheidende: In den meisten Fällen geht es viel weniger um den Inhalt einer Aussage als um die Bedeutung, die dieser für den Menschen hat, der davon berichtet. <BR /><BR />Echtes Zuhören ist daher weit mehr, als den anderen ausreden zu lassen. Es bedeutet, die eigene Sichtweise für einen Moment hintenanzustellen und sich ehrlich dafür zu interessieren, aus welcher Perspektive und durch welchen Filter das Gegenüber die Welt betrachtet. <BR /><BR />Jegliche Vorurteile und Wertungen sollten dabei von vornherein über Bord geworfen werden. Stattdessen sind Geduld, Offenheit und manchmal sogar die Bereitschaft gefragt, die eigenen Annahmen und Überzeugungen infrage zu stellen. Denn am Ende ist die größte Stärke guter Kommunikation nicht die Fähigkeit, besonders kluge Worte zu finden oder andere von der eigenen Meinung zu überzeugen, sondern die Bereitschaft, einem Menschen für einen Augenblick die volle Aufmerksamkeit zu schenken.<BR /><BR />Wer sich wirklich verstanden fühlt, erinnert sich meist nicht an jedes einzelne Wort eines Gesprächs, wohl aber an das Gefühl, ernst genommen worden zu sein. <h3> Zur Person</h3><div class="img-embed"><embed id="1172901_image" /></div> <BR />Doris Ebner ist diplomierte Neuromentaltrainerin. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie ihre Faszination für die Gehirnforschung und die Kraft der Gedanken entdeckt und erfahren, welche Möglichkeiten darin verborgen liegen. Ihre besondere Begeisterung gilt dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb sie mit Leidenschaft ihr Wissen an andere Menschen weitergibt und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Zudem hat Doris Ebner Germanistik und Musik studiert und arbeitet als Redakteurin.