Freitag, 11. März 2016

Hunderte Flüchtlinge verlassen Idomeni – aber Tausende harren noch aus

Langsam, nahezu unmerklich nimmt die Population im griechischen Elendscamp ab. Die meisten Menschen klammern sich weiter an die Hoffnung, dass sich das Grenztor nach Europa urplötzlich wieder öffnen könnte. Dass es eine Illusion ist, wollen sie – noch – nicht wahrhaben.

In Idomeni wird um jede Ration Verpflegung gekämpft.
In Idomeni wird um jede Ration Verpflegung gekämpft. - Foto: © APA/AFP

Hunderte Flüchtlinge haben am Freitag das improvisierte griechische Lager Idomeni an der Grenze zu Mazedonien verlassen. Die Asylsuchenden stiegen in Busse, die sie für 25 Euro pro Person nach Athen brachten. Tausende harrten aber immer noch unter widrigen Bedingungen aus, zumeist in Campingzelten unter freiem Himmel.

Babar Baloch, der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Idomeni, bezifferte ihre Zahl am Freitagmorgen mit 12.000. Zu Wochenbeginn hatten dort noch mehr als 14.000 gelagert. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Frauen und Kinder.

Nach dreitägigen Regenfällen schien am Freitag erstmals wieder die Sonne. Die Menschen nutzten das bessere Wetter, um ihre durchnässten Decken und Kleidungsstücke zu trocknen.

Die Menschen sitzen in Idomeni fest, weil die Staaten der Balkanroute nördlich von Griechenland ihre Grenzen für Flüchtlinge zur Wochenmitte auch offiziell geschlossen hatten. Bis zu Wochenbeginn hatte Mazedonien Flüchtlinge in kleiner Zahl – bis zu 250 am Tag – über die Grenze gelassen. Das war ein Fünftel bis ein Zehntel der Anzahl Migranten, die täglich über die Ägäis aus der Türkei nach Griechenland gekommen waren.

Viele Flüchtlinge in Idomeni wissen aber nicht – oder wollen es nicht wahrhaben -, dass ihnen nun der Weg nach Mazedonien und damit in die Mitte Europas versperrt ist. „Wir können nicht zurück“, sagte der 26-jährige Imam aus der umkämpften syrischen Stadt Kobane am Freitag einem dpa-Reporter. Er und seine Freunde würden nun Ausschau nach Schmuggelpfaden über Albanien und über das Meer nach Italien halten. Von einem derartigen etablierten Schleichweg ist derzeit allerdings nichts bekannt.

Die in Idomeni festsitzenden Flüchtlinge stammen zum Großteil aus Syrien, etliche auch aus dem Irak. Unter ihnen sind auch viele Kurden, wie die Gruppe aus Kobane. Die Menschen haben häufig traumatische Kriegserfahrungen mit grausamen Belagerungen und entsprechenden Entbehrungen hinter sich. Außerdem kennen sie aus ihren Heimatländern Grenzbalken, die für unbestimmte Zeiten geschlossen sind. Oft bleibt nichts anderes übrig, als lange zu warten.

dpa

stol