Alles begann mit der Faszination des Villacher Tischlermeisters Peter Gaubatz für Affen. Also informierte er sich zunächst bei Experten in Japan, ob ein solches Projekt in Österreich überhaupt verwirklichbar oder sinnvoll wäre. <BR /><BR />Vorbilder waren die Berberaffen-Berge wie der in den 1970er-Jahren errichtete Affenberg Salem am Bodensee. Dort leben (heute) in einem 20 Hektar großen Wald knapp 200 aufgeweckte Berberaffen wie in freier Wildbahn. Gründer und Eigentümer dieses Parks – nunmehr Deutschlands größtes Affenfreigehege – war der elsässische Baron Gilbert de Turckheim. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1053069_image" /></div> <BR />Zurück nach Österreich. Auch Kärnten erhielt aus Japan grünes Licht zum Ansiedeln von Primaten. Dem ORF Kärnten erzählte Peter Gaubatz später: „Das Problem war, dass es keine Gruppe von Affen gab, die für einen Zoo dieser Art gepasst hätte.“ Der Kärntner versuchte nämlich, frei lebende Tiere zu bekommen. Doch dann, Mitte der 1990er-Jahre, erhielt er einen Anruf aus Japan: Eine geeignete, frei lebende Gruppe von Makaken sei gefunden worden. <BR /><BR /><b>Was sind Japanmakaken?</b> Die etwa 55 Zentimeter großen Japanmakaken (Macaca fuscata) mit braun-grauem Fell sind auch unter dem Namen Rotgesichtsmakaken oder Schneeaffen bekannt. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet sind die Wälder auf 3 der insgesamt 4 japanischen Hauptinseln – Honshu, Shikoku und Kyushu. Die in Gruppen lebenden Pflanzenfresser sind dort vom subtropischen Süden bis in gebirgige Bereiche über 3000 Metern Seehöhe beheimatet. In der kalten Jahreszeit sind sie einem angenehmen Bad in einer heißen Vulkanquelle nicht abgeneigt. Dieses Verhalten haben sie den Menschen abgeschaut. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1053072_image" /></div> <h3> Die Welt lacht über Villacher „Affentheater“</h3>Für seinen Traum klapperte Gaubatz sämtliche Kärntner Gemeinden ab, und er wählte als „letzte Option“ das Areal zwischen Villach und dem Ossiacher See als Standort für den besonderen Tierpark. Hier, am Fuße der Ruine Landskron, sind die klimatischen Bedingungen ähnlich wie in der fernöstlichen Heimat der Makaken. Außerdem musste die Finanzierung auf die Beine gestellt werden. Die Gruppe von 40 Affen kostete nämlich samt Transport eine Million Schilling, heute wären das mehr als 110.000 Euro. Der Tischlermeister fand tatsächlich „Sponsoren“.<BR /><BR />Der Affenberg von Landskron stand anfangs aber unter keinem guten Stern. Einige Tiere überlebten den Transport von Japan nach Österreich nicht. Dann kam es gleich zu der Panne, die für internationale Schlagzeilen und Gelächter sorgte. Der elektrische Draht am Zaun rund um das bewaldete Grundstück war nicht eingeschaltet. Gaubatz zu ORF Kärnten: „Der erste Makake hat auf den Draht gegriffen und ihn ausgehängt, dann gab es einen Kurzschluss und die Notstromversorgung half nicht mehr. Alle Makaken sind (aus der Quarantäne, Anm. d. Red.) hinaus gestürmt.“ Die putzigen Makaken wurden in der Folge überall gesichtet: auf der Autobahn im Bereich Villach, am Ossiacher See, selbst auf einem Sessel des Dobratsch-Liftes. Nur einfangen ließen sie sich zunächst nicht.<BR /><BR />Das „Affentheater“ beschäftigte Kärnten ganze 6 Wochen lang. Erst als das Alpha-Weibchen gefangen werden konnte, folgte ihr die restliche „Mannschaft“. Ein Weibchen trennte sich damals aus unbekanntem Grund von der Gruppe und geriet auf die Autobahn. Es wurde überfahren. <h3> Die Affenbande gedeiht prächtig</h3>Gaubatz hat aus den Fehlern gelernt. Die Chancen, dass sich die Makaken noch einmal davonmachen können, sind gering. Der Zaun, der den Affenberg jetzt umgibt, ist doppelt gesichert – mechanisch und elektrisch. Auch, wenn einmal der Strom ausfällt, können die Tiere nicht ins Freie klettern, weil eine Plastikverkleidung selbst den gelenkigsten Affen abrutschen lässt.<BR /><BR />In den vergangenen Jahren hat sich die Makaken-Population am Affenberg prächtig vermehrt, die Anzahl der Tiere ist auf 181 angestiegen – ein Beweis, dass sich die Primaten wohl fühlen. Die Affen können sich im Park frei bewegen, und es gibt auch etliche Bereiche, die nicht für Besucher zugänglich sind. 2-mal am Tag werden sie von den Tierpflegern gefüttert, allerdings müssen sie ihr Futter wie in freier Natur vom Boden auflesen, auch wenn es im Gehege weniger gut versteckt ist als in freier Wildbahn.<BR /><BR />Jahr für Jahr wird für die Namen der Makaken-Babys ein Motto ausgegeben – beispielsweise „Künstler“. Und so toben die „echten“ Kärntner Affen „Pablo Picasso“, „Frida Kahlo“ und „Kiki Kogelnik“ durch die Wälder. Die Lebenserwartung von Makaken liegt bei rund 15 bis 20 Jahren, in menschlicher Obhut können sie über 30 Jahre alt werden.<BR /><BR />„Natürlich machen wir Geburtenkontrolle, damit die Population nicht zu groß wird. Theoretisch könnte die Population auch größer werden, denn es gibt Möglichkeiten, das Gehege zu vergrößern“, so Gaubatz im ORF-Interview. <BR /><BR />Der Affenberg Landskron gehört zu den beliebtesten Tourismusattraktionen in Kärnten. 150.000 Besucherinnen und Besucher kommen pro Jahr, um das Leben der Makaken näher kennenzulernen. Dabei können die Affen beobachtet werden, ein direkter Kontakt wird aber vermieden. Um den Tierpark kümmern sich 23 Mitarbeiter. <BR /><BR />„Affenvater“ Peter Gaubatz hat sich vor einigen Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seine Frau Svenja, die er bei der Arbeit kennengelernt hatte, managt den Betrieb. <h3> Ein Paradies für Verhaltensforscher</h3>Das Paradies für Affen zog nicht nur Touristen an, sondern auch jede Menge Wissenschaftler. So gilt der Affenberg beispielsweise als europaweit einzigartiges Forschungszentrum für Primatologie und ist seit einigen Jahren sogar eine Außenstelle der Universität Wien. Und diese hat einiges mit den Tieren vor. Am Affenberg gibt es ein modern ausgestattetes Labor, vielfältige Forschungsprojekte und Lehrveranstaltungen. <BR /><BR />Beispielsweise werden die Japanmakaken künftig mit Drohnen und Gesichtserkennung durch künstliche Intelligenz beforscht. Vor kurzem haben Wissenschaftler der FH Kärnten und der Universität Wien das Projekt „Smart Monkey Lab“ vorgestellt. Damit soll eine Brücke von der klassischen Verhaltensforschung hin zu digitalen Technologien geschlagen werden.<BR /><BR />Lena Pflüger, die seit 9 Jahren an den Japanmakaken in Landskron forscht, verwies in dieser Präsentation auf das komplexe soziale Netzwerk der Primaten, das mit dem des Menschen vergleichbar sei. Die neuen Technologien seien ein Meilenstein auf dem Weg, die sozialen Dynamiken zu verstehen. „Japanmakaken leben in großen Gruppen und haben ein unglaublich komplexes Sozialsystem. Sie agieren fast schon politisch“, erklärte die Wissenschafterin.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1053075_image" /></div> <BR /> Die Gruppe ist aus mehreren Großfamilien zusammengesetzt, bei denen die Weibchen das Sagen haben. Die weiblichen Tiere bleiben in der Gruppe und werden ein Leben lang von ihrer Familie unterstützt, während die Männchen in ihrer Jugend die Gruppe verlassen müssen. Während der Paarungszeit im Winter haben die Primaten meist mehrere und schnell wechselnde Partnerschaften, in denen auch Seitensprünge nicht selten sind. Zu dieser Zeit sind die Hormonspiegel der Paarungs- und Stresshormone auch am höchsten. Im Sommer hingegen ist das Zusammenleben meist friedlich.<BR /><BR />Am Affenberg, wo die Männchen nicht auswandern können, bildet sich meistens eine Gang der jugendlichen Männchen, die dann nach und nach wieder in die Gruppe zurückkommen.