Sonntag, 18. Oktober 2015

Im Schatten der Messerattacke: Köln wählt neuen Oberbürgermeister

Überschattet vom Attentat auf die parteilose Kandidatin Henriette Reker ist die Oberbürgermeisterwahl in Köln am Sonntagvormittag schleppend angelaufen. Drei Stunden nach Öffnung der Wahllokale (11.00 Uhr) hatten nach Angaben der Stadt etwa 7,8 Prozent der wahlberechtigten Kölner ihre Stimme abgegeben. Wahlfavoritin Reker ist nach ihrer Operation außer Lebensgefahr.

Genesungswünsche für Anschlagopfer Henriette Reker auf einer Infotafel in Köln.
Genesungswünsche für Anschlagopfer Henriette Reker auf einer Infotafel in Köln. - Foto: © APA/DPA

Gut 800.000 Menschen sind in der viertgrößten Stadt Deutschlands zur Wahl aufgerufen. Rund 100.000 weitere haben sich bereits per Briefwahl entschieden.

Die von CDU, Grünen und FDP unterstützte Reker war am Samstag im Wahlkampf von einem 44-Jährigen mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden. Der Mann sollte nach Polizeiangaben im Laufe des Sonntags dem Haftrichter vorgeführt werden. Reker war noch am Samstag operiert worden. Nach Angaben der Universitätsklinik ist ihr Zustand stabil, sie ist außer Lebensgefahr.

Der Angreifer nannte für seine Tat fremdenfeindliche Motive – Reker ist als Kölner Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen in der Domstadt zuständig. Sie hatte sich im Wahlkampf wiederholt für die Integration von Asylbewerbern ausgesprochen. Neben der 58-Jährigen wurden auch eine Kölner CDU-Politikerin, eine FDP-Ratsfrau und zwei Bürger verletzt.

Nach einem unbestätigten Bericht von „Spiegel online“ soll der Angreifer in den 1990er Jahren bei einer später verbotenen Neonazi-Gruppe, der Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP), mitgemacht haben. Zuletzt sei der Mann mit ausländerfeindlichen Kommentaren im Internet aufgefallen.

Reker hat einer Umfrage zufolge gute Chancen auf einen Wahlsieg. Sie könnte damit die erste parteilose Oberbürgermeisterin und die erste Frau an der Spitze der Domstadt werden. Neben ihr hat einer Umfrage zufolge noch der SPD-Landtagsabgeordnete Jochen Ott Chancen auf den Wahlsieg. Sollte keiner der beiden eine absolute Mehrheit erringen, entscheidet am 8. November eine Stichwahl.

dpa

stol