Samstag, 16. Mai 2015

Immer mehr Patchworkfamilien

Die ASTAT hat anlässlich ihrer Aussendung zum internationalen Tag der Familie darauf hingewiesen, dass in Südtirol die Anzahl der Alleinerziehenden, der Patchworkfamilie, der Getrennten und Geschiedenen im Steigen ist.

Referent_innen + Publikum
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Referent_innen + Publikum

Die Plattform für Alleinerziehende und der Verein „väter aktiv“ bieten bei den Vortragsabenden „Patchworkfamilie“ für diese Zielgruppen psychologische und rechtliche Informationen.

Eine Patchworkfamilie zu gründen ist eine Herausforderung aber auch ein Chance. Vieles ist komplexer und komplizierter aber diese Konstellation bietet auch Lernfelder und zusätzliche Ressourcen. Kinder haben ein größeres soziales Netz, mehr Erwachsene als Vorbilder und Ansprechpersonen.

Grundlage für ein Gelingen ist eine ehrliche Reflexion und Auseinandersetzung mit dem Scheitern der vorangegangenen Beziehung, aber auch mit der eigenen (Herkunfts)Familiengeschichte. Auch sollen Kinder nach einer Trennung nicht zum Vertrauten und Tröster, zum Partnerersatz jenes Elternteiles werden, bei dem sie (überwiegend) wohnen. „Dieser Wechsel auf die Erwachsenenebene beeinträchtigt die Beziehungen der Kinder zum anderen Elternteil, zu etwaigen neuen Partnern und kann schwerwiegende Folgen für ihre eigene Beziehungsfähigkeit haben“ betonte Psychologin Dr. Edith Schmuck. Wenn zwei Familienkulturen aufeinander treffen ist es wichtig der daraus entstehenden Patchworkfamilie Zeit zum „Zusammenzuwachsen“ zu geben. Patchworkfamilien bieten die Chance Rollenklischees zu hinterfragen und sich individuelle passende Formen auszuhandeln und auszuprobieren.

Neben der persönlichen Ebene liegen auch auf der rechtlichen Ebene einige Hindernisse, denn, so Rechtsanwalt Dr. Christoph Vescoli „De-facto Familien bzw. Lebensgemeinschaften sind in Italien rechtlich nicht verankert, es gibt erst seit einigen Jahren in gewissen Bereichen (Mietrecht, Hinterbliebenenrente, …) Ansätze in der Rechtssprechung diese gelebten Realitäten zu berücksichtigen“. Eine soziale Elternschaft hat keinen rechtlichen Status und somit sind viele Selbstverständlichkeiten in einer traditionellen Familie tlw. durch „Hilfskonstruktionen“ zu kompensieren. Zur Sicherstellung des Informationsrechtes (z.B. in der Schule oder im Krankenhaus) ist es z.B. hilfreich eine Vollmacht bzw. Ermächtigung des Lebenspartners bzw. des leiblichen Elternteils vorweisen zu können.

Das Publikum hatte viele Fragen und Anregungen, daraus ergaben sich interessante Diskussionen und ein Erfahrungsaustausch, der auch durch die Lektüre von Broschüren und Büchern am Infotisch vertieft wurde.

Der nächste Vortragsabend findet am 12.6. um 19:30 im Raiffeisensaal Forum 1, in der Europastrasse 19 in Bruneck statt.

väter aktiv, Meran

stol