Mittwoch, 21. März 2018

Immer weniger Rettungsschiffe vor libyscher Küste

Nach der Beschlagnahmung eines spanischen Flüchtlings-Rettungsschiffes in Italien fürchten Hilfsorganisationen um die lebensrettenden Einsätze im Mittelmeer. Das Schiff „Aquarius” von Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee sei derzeit das einzige verfügbare zivile Rettungsschiff vor der libyschen Küste, teilte SOS Mediterranee am Mittwoch mit.

Justiz beschlagnahmte u.a. das Schiff von "Proactiva Open Arms" Foto: APA (AFP)
Justiz beschlagnahmte u.a. das Schiff von "Proactiva Open Arms" Foto: APA (AFP)

Das spanische Boot von Proactiva Open Arms war am Sonntag in Sizilien beschlagnahmt worden. Drei Besatzungsmitgliedern wird Begünstigung illegaler Einwanderung vorgeworfen. „Die jüngsten Ereignisse um die Open Arms sind extrem besorgniserregend und werden nur zu noch mehr Toten im zentralen Mittelmeer führen”, erklärte SOS Mediterranee. Die Migranten würden zudem immer häufiger in jene „libysche Hölle” zurückgebracht, der sie versuchen zu entfliehen.

Die Schiffe der beiden deutschen privaten Seenotretter von Mission Lifeline und Sea Watch liegen derzeit in der Werft. Der Sprecher der deutschen Organisation Sea-Eye sagte, man wolle am Wochenende wieder mit den Einsätzen beginnen.

Auch das Schiff „Iuventa” der Berliner Rettungsorganisation Jugend Rettet liegt seit vergangenem Sommer beschlagnahmt in Sizilien. „Wir beobachten (...) eine in der Öffentlichkeit ausgetragene Kriminalisierungskampagne gegen die auf dem zentralen Mittelmeer tätigen Seenotrettungsorganisationen”, sagte Sprecher Philipp Külker. Am 23. April muss das oberste Gericht in Italien entscheiden, ob die „Iuventa” freigegeben wird oder nicht.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) verurteilte in einem Appell an die europäischen Regierungen Initiativen, die die Rettungsaktion von NGOs im Mittelmeer verhindern. Die Organisation kritisierte in einer Pressemitteilung die Rückführung von im Mittelmeer geretteten Migranten nach Libyen und die „Kriminalisierung” der bei der Flüchtlingsrettung aktiven NGOs.

Die Beschlagnahmung des Schiffes der spanischen NGO „Proactiva Open Arms” durch die italienische Justiz sei die letzte einer Reihe von Initiativen, mit denen man im Mittelmeer engagierten Hilfsorganisationen Steine in den Weg lege, kritisierte Annemarie Loof, Einsatzleiterin von MSF in einer am Mittwoch veröffentlichten Presseaussendung. Sie kritisierte die enge Kooperation zwischen europäischen Regierungen und der libyschen Küstenwache, die die Mitglieder von „Proactiva Open Arms” bei der Rettung von 218 Migranten im Mittelmeer bedroht hatte.

Seit Italien einen Flüchtlingspakt mit dem Bürgerkriegsland Libyen geschlossen hat, kommen deutlich weniger Migranten an den Küsten an und werden in Libyen gehalten. Dort drohen ihnen jedoch Folter und menschenunwürdige Lager.

apa

stol