Die diplomierte Hundetrainerin Lisa Holzner gibt Antworten.<BR /><BR /><b>Von Petra Schwienbacher</b><BR /><BR />Impulskontrolle beschreibt die Fähigkeit des Hundes, einem spontanen Reiz nicht sofort nachzugeben. Ein Reh huscht durchs Feld – der Hund bleibt bei seinem Menschen. Der Napf wird gefüllt – der Hund wartet, bis er ein Signal bekommt. Ein Artgenosse läuft vorbei – der Hund bleibt locker an der Leine. Solches Verhalten ist nicht selbstverständlich, sondern muss Schritt für Schritt aufgebaut werden. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1227600_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie baut man Impulskontrolle sinnvoll auf?</b><BR />Lisa Holzner: Entscheidend ist, dass der Hund lernt, in einer Situation ruhig und entspannt zu bleiben. Das bedeutet: ihn nicht nur warten lassen, sondern das ruhige Warten aktiv belohnen. Bleibt der Hund gelassen liegen, bekommt er Lob und eventuell eine Belohnung – so versteht er, dass nicht der hektische Fehlstart, sondern die Ruhe zum Erfolg führt. Es ist sehr wichtig, den Alltag und vor allem Spaziergänge mit dem Hund mit vielen Ruhe- und Entspannungsübungen zu verbinden. Viele Hunde erleben unterwegs viel zu viel Action und gehen schon mit einer riesigen Erwartungshaltung zum Spazieren, weil es immer mit viel Aufregung verknüpft ist. <BR /><BR /><b>Was sind die typischen Fehler beim Impulskontrolltraining?</b><BR />Holzner: Eine der bekanntesten Übungen ist das Warten vor dem Futternapf. In vielen Haushalten sieht es so aus: Der Hund springt immer wieder auf, wird zurück in die Position geschickt, legt zig Fehlstarts hin und ist dabei hochgradig angespannt. Wenn er endlich aufgelöst wird, stürmt er wild los. So wird aber keine Impulskontrolle aufgebaut – im Gegenteil: Der Hund verbraucht sein „Kontingent“ an Selbstbeherrschung und steigert sich immer weiter in seine Aufregung hinein. <BR /><BR />Ähnlich verhält es sich mit Übungen wie „Der Hund darf erst durch die Tür, wenn der Mensch durch ist“. Nicht in jedem Alltag spielt diese Übung eine große Rolle. Gibt es jedoch vor der Haustür besondere Gefahrenquellen wie eine viel befahrene Straße oder die neugierige Nachbarskatze, kann sie enorm wertvoll sein – sofern sie von Anfang an sinnvoll und ruhig aufgebaut wird. Kleine Schritte sind gefragt: Die Hand des Menschen greift zur Türklinke, der Hund bekommt eine Belohnung fürs Warten. Die Türklinke wird heruntergedrückt, es gibt ein Leckerli für den Hund. Die Tür wird zwei Zentimeter geöffnet, es gibt ein Leckerli für den wartenden Hund und so weiter und so fort.<BR /><BR />Wichtig: Impulskontrolle ist begrenzt! Jeder Hund hat täglich nur eine bestimmte Menge an Impulskontrolle zur Verfügung. Sie ist wie ein Akku, der sich entlädt. Leinenführigkeit, nicht zu jedem Hund laufen dürfen, Abwarten im Café, Begegnungen mit Wild – all das kostet bereits sehr viel Selbstbeherrschung. Wenn dann noch falsch aufgebaute Übungen dazukommen, ist der Akku schnell leer. Ein Hund, der „aufgebraucht“ ist, kann nicht mehr ruhig warten oder entspannt an anderen Hunden vorbeigehen – egal, wie sehr er sich bemüht. <BR /><BR /><b>Welche Übungen sollte man hinterfragen?</b><BR />Holzner: Hundehalter sollten sich folgende Frage stellen: Bringt einem diese Übung im Alltag wirklich weiter? Wenn man sie mit Nein beantwortet, darf man sie streichen oder neu aufbauen. Es ist wichtiger, dass der Hund lernt, im Alltag gelassen zu bleiben, als dass er „künstlich“ warten muss.<BR /><BR />Fazit: Impulskontrolle ist ein zentraler Baustein im Training, aber sie muss mit Köpfchen aufgebaut werden. Übungen, die den Hund in Hektik versetzen oder nur sein Kontingent an Selbstbeherrschung aufbrauchen, helfen niemandem.