„Manchmal muss Gewohntes hinterfragt und neu gedacht werden“, ist Klaus Marsoner überzeugt. Vor allem, wenn es um die Revitalisierung von historischen Gebäuden geht. <BR /><BR />So ein Balance-Akt zwischen dem Erhalt denkmalgeschützter Bausubstanz und modernen Wohnansprüchen war auch der Kartheinhof in Latsch.<BR />Damit das architektonische Juwel wieder bewohnbar gemacht werden konnte, waren umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten nötig. „Das Gebäude wurde Anfang des 16. Jahrhunderts und dann im frühen 17. Jahrhunderts umgebaut und erweitert. Damals wurden auch die Stuben neu ausgestattet“, weiß der Architekt. Aber auch in den nachfolgenden Jahrhunderten kam es wieder zu kleineren baulichen Erweiterungen. <h3> Alte Elemente und klarlinige Neu-Entwürfe</h3>Statische Strukturen mussten natürlich gesichert und verstärkt werden, die Außenmauern erhielten – wo möglich – einen speziellen Innendämmputz, die historische Ausstattung (z. B. Türen, Fußböden und die 3 Stuben) wurde fachgerecht restauriert. <BR /><BR />Bei Raumeinteilung und Einrichtung legte Marsoner darauf Wert, die historische Bausubstanz größtmöglich zu erhalten, aber natürlich auch die Bedürfnisse der Bauherren zu befriedigen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948484_image" /></div> <BR /><BR />Bereits im Eingangsbereich empfängt den Besucher der überzeugende Mix aus Alt und Neu: Zur historischen Eingangstür, alten Balken und Wänden wurde der helle Terrazzo mit lokalem Zuschlag kombiniert. Auch die Innentreppe wurde in Stahl neu errichtet – leicht, luftig und lichtdurchlässig. <BR /><BR />Für die Bauherren war klar, dass „die neuen Möbel und Einbauten eine zeitgenössische Formensprache haben sollten und keine historisierende“. So konnte der Architekt „eine klar ablesbare Unterscheidung zur historischen Bausubstanz schaffen“. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948487_image" /></div> <BR /><BR />Entsprechend schnörkellos präsentiert sich die neue Garderobe seitlich vom Eingang: Die Eichenfronten verbergen praktischen Stauraum, aber auch 2 Türen: Eine führt in den historischen Keller, der jetzt als beeindruckender Party- und Wein-Raum funktioniert. Die andere geht in ein modernes Bad mit Waschtisch und Dusche. „Die Gestaltung war recht aufwändig“, erinnert sich Marsoner. „Wegen der schiefen Wände musste das eigentlich einfache Eichenmöbel mit Schablonen angepasst werden.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948490_image" /></div> <BR />Auch die neue Küche ist schlicht und puristisch ausgestattet. Die Küchenfronten sind in Hochglanz ausgeführt, „ganz in Weiß, als Kontrast zur schwarzen Selchküche, die sich hier befand“, schmunzelt die Hausherrin. „Baulich neu ist hier nur der Zugang zur Terrasse, das Fenster durfte heruntergezogen werden.“ Ergänzt werden die grifflosen Schrankfronten von einer linearen Sitzbank mit Eichentisch. <BR />So wie hier ist die Material- und Farbwahl im ganzen Haus bewusst reduziert: weiße Lackfronten, Schwarzstahl und schwarze Akzente durch Polsterungen und Leuchten sowie helles Eichenholz.<BR /><BR />Daneben liegt die erste Stube, die komplett restauriert wurde– abgebaut, aufgerichtet und über einer Dämmung wieder angebracht. Anstelle eines Tisches setzte der Architekt allerdings einen Liegeplatz in den Erker. Neu ist hier auch der puristisch-kubische Ofen mit Sichtfenster. „Der heizt gut und ist den ganzen Winter in Betrieb“ bestätigt die Hausherrin. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948493_image" /></div> <BR /><BR />Dazu gibt es noch ein weiteres Wohnzimmer. „Die Deckenbalken sind original, nur verstärkt“, erzählt sie. „Die langen Eichendielen am Boden und die Möbel sind aber alle neu.“ Für Sofa, Lounge-Sessel und Sideboard mit TV wurden zeitlos-moderne Entwürfe gewählt. <BR /><BR />Eine ehemalige Stubenkammer wird derzeit als Abstellraum genutzt – allerdings mit vielen restaurierten Schränken und Kommoden. „Die Möbel sind keine Dekoration, sondern alle in Funktion“, betont die Hausherrin, „auch die ganzen Schubladen.“ Und der Backofen im Gang dient jetzt als Speisekammer. <BR /><BR />„So ein altes Haus sollte auch funktionieren“, meint Marsoner, „energietechnisch und von der Nutzung her. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948496_image" /></div> <BR />Die filigrane Treppe führt in das Obergeschoss mit dem Schlafbereich und einem praktischen Waschraum. Als Durchgang zu den Zimmern ist ein origineller Raum entstanden, der flexibel genutzt werden kann. <BR /><BR /><embed id="dtext86-61556017_gallery" /><BR /><BR />Äußerst individuell gestaltet sind auch die 3 Schlafzimmer: Ein Kinderzimmer liegt über dem Küchengewölbe und war deshalb ganz nieder. „Durch das Öffnen der Decke entstand trotz der Stufe ein Raum mit Qualität“, ist der Architekt zufrieden. Das zweite Kinderzimmer ist spektakulär in einer Stube untergebracht. Ein weißes Hochglanz-Schrankelement trennt sie vom Gang ab. Um die Kassettendecke zu erhalten, ist der Schrank nicht raumhoch, sondern erhielt oben ein Glaselement. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948499_image" /></div> <BR /><BR />Eine spezielle Lösung fand Marsoner auch für das Elternzimmer „ohne rechten Winkel“: Er entwarf ein „polygonales Möbel, das auf die Fensterausschnitte reagiert“. Die weißen Hochglanzfronten reflektieren noch zusätzlich das Licht. Das Lederbett dahinter wurde so gewählt, dass das Kopfteil nicht das Fenster verdeckt.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="948502_image" /></div> <BR />Eine sensibel geplante Sanierung und Adaptierung– voller überraschender Ideen und mit viel Flair. <BR /><BR />