Montag, 11. Juli 2016

Innenministerin May vorraussichtlich nächster britischer Premier

Nach dem überraschenden Rückzug ihrer Rivalin ist die britische Innenministerin Theresa May die einzige verbleibende Kandidatin für die Nachfolge von Premierminister David Cameron in Großbritannien. Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom zog am 11. Juli ihre Kandidatur für den Parteivorsitz der Tories und damit den Posten des Regierungschefs zurück.

Vorrausichtlich nächster britischer PM: Theresa May
Vorrausichtlich nächster britischer PM: Theresa May - Foto: © APA/AFP

Leadsom war am Wochenende in die Kritik geraten – sie soll angedeutet haben, dass May weniger für das Amt geeignet sei als sie selbst, weil die Ministerin keine Kinder habe. Die dreifache Mutter Leadsom äußerte sich nach dem entsprechenden Bericht der „Times“ empört über die Darstellung und erklärte, sie habe in einem Interview mit der Zeitung „genau das Gegenteil“ gesagt.

Urwahl der Parteimitglieder geplannt

Eigentlich hätten die rund 150.000 Parteimitglieder der konservativen Tories in einer Urwahl über die beiden verbliebenen Kandidatinnen für die Nachfolge Camerons befinden sollen. Das Ergebnis der Mitglieder-Abstimmung sollte am 9. September verkündet werden. Nach Leadsoms Rückzug war zunächst unklar, wie das weitere Prozedere bei den Tories aussehen könnte. Fraglich war, ob May automatisch die nächste Regierungschefin werden oder aber die Tory-Fraktion noch einen neuen Gegenkandidaten nachnominieren könnte. Das Verfahren werde jedenfalls nicht wie vorgesehen neun Wochen dauern, sondern sehr bald zum Abschluss gebracht, sagte der Vorsitzende des zuständigen Parteiausschusses, Graham Brady, am 11. Juli in London. Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht.

May zeigt sich zuversichtlich

Kurz vor der Ankündigung Leadsoms hatte May ihre Kampagne im Rennen um das Spitzenamt begonnen. Sie bekräftigte, Großbritannien nach dem historischen Referendum vom 23. Juni aus der Europäischen Union führen zu wollen. „Brexit bleibt Brexit, und wir werden einen Erfolg daraus machen“, sagte May bei einem Auftritt im zentralenglischen Birmingham. „Es wird keine Versuche geben, in der EU zu bleiben, es wird keine Versuche geben, durch die Hintertür wieder hinein zu kommen, kein zweites Referendum“, fügte die Innenministerin hinzu.
Die 59-jährige May wäre die zweite Premierministerin in der Geschichte Großbritanniens. Von 1979 bis 1990 hatte Margaret Thatcher als Regierungschefin die Geschicke des Landes bestimmt. Cameron hatte nach dem historischen Brexit-Votum der Briten vom 23. Juni seinen Rücktritt bis zum Herbst angekündigt und den EU-Austritt Großbritanniens seinem Nachfolger überlassen.

Machtkampf bei Labour

Indessen spitzte sich der Machtkampf bei der oppositionellen Labour-Partei zu: Die Abgeordnete Angela Eagle machte am Montag ihre Bewerbung um den Vorsitz der Partei offiziell. „Dies sind dunkle Zeiten für Labour, und sie sind gefährlich für unser Land“, sagte die 55-jährige Ex-Gewerkschafterin bei einer Pressekonferenz am Montag. Der amtierende Parteichef Jeremy Corbyn sei „unfähig, die Führung zu geben, die für diese riesige Aufgabe nötig ist“, fügte sie in Anspielung auf den Brexit hinzu. Eagle zählte zu Corbyns Schattenkabinett, bevor eine parteiinterne Revolte gegen ihn losbrach. Nach dem Votum für den EU-Austritt Großbritanniens geriet der Parteichef unter Druck. Viele warfen ihm vor, sich nur halbherzig gegen einen Brexit eingesetzt zu haben.

apa/afp

stol