Sonntag, 03. September 2017

Internationale Empörung über Nordkoreas Wasserstoffbombentest

Mit seinem bisher stärksten Atombombentest hat Nordkorea die internationalen Spannungen um sein Nuklearprogramm gefährlich angeheizt. Das Staatsfernsehen meldete am Sonntag die „erfolgreiche“ Zündung einer Wasserstoffbombe, die eine „beispiellose Kraft“ entfaltet habe. Die Detonation ließ die Erde im Umkreis von Hunderten Kilometern beben. US-Präsident Donald Trump nannte das Vorgehen Pjöngjangs „sehr feindlich und gefährlich“ für die USA.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un provoziert immer weiter, US-Präsident Donald Trump reagiert gereizt.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un provoziert immer weiter, US-Präsident Donald Trump reagiert gereizt. - Foto: © APA/AFP

Nordkorea gab an, mit dieser Bombe auch eine Langstreckenrakete bestücken zu können. Den Test wertete Pjöngjang als „absoluten Erfolg“. Die Zündung sei ein „sehr bedeutsamer Schritt beim Erreichen des Ziels, die staatliche Nuklearmacht zu vervollständigen“, sagte die Nachrichtensprecherin des nordkoreanischen Staatsfernsehens. Das Fernsehen zeigte einen handgeschriebenen Befehl von Machthaber Kim Jong-un zur Zündung der Bombe am Mittag des 3. September nordkoreanischer Zeit.

Bereits wenige Stunden vor der Explosion erklärte Nordkorea, eine Wasserstoffbombe entwickelt zu haben, mit der Interkontinentalraketen bestückt werden könnten. Kim habe im Institut für Atomwaffen eine solche Bombe inspiziert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Es handle sich um eine „thermonukleare Waffe mit einer außerordentlichen Explosionskraft, geschaffen durch unsere eigenen Anstrengungen und eigene Technologie“, zitierte KCNA den Machthaber.

Beben als internationaler Hinweis auf Bombentest

Auf den Test aufmerksam wurde das Ausland zunächst durch ein starkes Erdbeben, das durch die Zündung verursacht wurde: Erdbebenwarten in Südkorea, Japan, China und den USA meldeten ungewöhnliche Stoßwellen, die vom Bereich des nordkoreanischen Atomwaffentest-Geländes Punggye-ri ausgingen. Das Beben hatte demnach die Stärke 6,3. Nach südkoreanischen Angaben war dies fünf bis sechs Mal stärker als beim letzten Atomwaffentest vor einem Jahr, der bis dahin als der stärkste gegolten hatte.

„Schärfste Bestrafung“ gefordert

International wurde der Test scharf verurteilt. Der südkoreanische Staatschef Moon-jae In forderte die „schärfste Bestrafung“ Pjöngjangs. Der UNO-Sicherheitsrat müsse weitere Sanktionen verhängen, um Nordkorea „vollständig zu isolieren“. Moon kündigte auf einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats an, mit dem Verbündeten USA über die Entsendung der „stärksten strategischen Potenziale des US-Militärs“ zu sprechen.

Das chinesische Außenministerium erklärte seine „entschiedene Ablehnung und scharfe Verurteilung“ des nordkoreanischen Vorgehens. Peking hatte bereits im vergangenen Monat den neuen scharfen Strafmaßnahmen des UNO-Sicherheitsrats zugestimmt. An seiner Grenze mit Nordkorea ließ China die Radioaktivität messen.

Trump trifft Nationalen Sicherheitsrat

Trump twitterte, Pjöngjang sei eine „große Bedrohung und Peinlichkeit“ auch für China, „das versucht zu helfen, aber mit wenig Erfolg“. Eine Politik der Befriedung mit Nordkorea „funktioniert nicht“. Die USA bereiten nun neue bilaterale Sanktionen gegen das stalinistisch regierte Land vor. „Wer mit Nordkorea Geschäfte macht, wird keine mit uns machen können“, sagte US-Finanzminister Steven Mnuchin am Sonntag dem Fernsehsender Fox News. Er werde seine Vorschläge US-Präsident Donald Trump vorlegen. Trump werde noch am Sonntag mit dem Nationalen Sicherheitsrat zusammenkommen, teilte das Weiße Haus mit.

Die japanische Regierung legte scharfen Protest bei der nordkoreanischen Botschaft in Peking ein. Das russische Außenministerium warf Nordkorea eine „demonstrative Missachtung“ der Vorgaben des UN-Sicherheitsrats vor.

Auch EU soll Sanktionen verschärfen

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron forderten eine Verschärfung der EU-Sanktionen. Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) erklärte als amtierender OSZE-Vorsitzender, Nordkorea müsse aufhören, seine Fähigkeiten im Bereich Raketen und Atomkapazitäten zu erweitern; es müsse an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Bereits im Jänner 2016 hatte Pjöngjang erklärt, erstmals eine Wasserstoffbombe erfolgreich getestet zu haben. Damals bezweifelten Experten allerdings, dass es sich bei dem Atomtest tatsächlich um eine Wasserstoffbombe gehandelt habe. Solche Bomben sind technisch außerordentlich kompliziert herzustellen und potenziell besonders verheerende Nuklearwaffen, da sie eine weit stärkere Explosionskraft haben als herkömmliche Atombomben.

Könnte tatsächlich Wasserstoffbombe gewesen sein

Eine Bestätigung, dass es sich bei dem nunmehrigen Test tatsächlich um die Detonation einer Wasserstoffbombe gehandelt hat, gab es auch diesmal zunächst nicht. Experten in mehreren Ländern hielten dies angesichts der Stärke der Erschütterung von 6,3 aber für wahrscheinlich. Auch die Regierung Japans erklärte, eine Wasserstoffbombe als Sprengsatz könne nicht ausgeschlossen werden. Ein US-Regierungsexperte für Nordkorea sagte, man könne die Behauptung Nordkoreas noch nicht bestätigen, dass es jetzt eine Wasserstoffbombe entwickelt habe, die auf einer ICBM eingesetzt werden könne und mit der auch ein Wiedereintritt in die Erdatmosphäre gelinge, ohne dass sie verglühe.

Nordkorea hatte im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet, die mehr als 10.000 Kilometer fliegen und damit ganz Asien und weite Teile des US-Festlands erreichen könnten. Das Land unternimmt große Anstrengungen, Atomwaffen zu entwickeln, die mit solchen Raketen verschossen werden können. Ziel ist offenbar, die Bomben dafür zu verkleinern. So könnten sie auch die USA erreichen.

apa/afp/dpa

stol