Sonntag, 3. April 2022

Wenn der Kuckuck ruft: Ein Streifzug mit Vogelkundler Iacun Prugger

Der Grödner Iacun Prugger ist leidenschaftlicher Ornithologe und erzählt im Interview, was die Arbeit so spannend macht und wie man selbst zum Vogelkenner wird. Außerdem erklärt er, wieso Vögel eigentlich singen und es gerade jetzt schlau ist, mit viel Geld in der Brieftasche spazieren zu gehen.

Der Ornithologe Iacun Prugger hält eine Waldohreule in der Hand. - Foto: © privat

Von:
Matteo Tomada
Schon als Kind war Iacun Prugger naturbegeistert. Später hat er Biologie, Mathematik und Botanik an der Universität Innsbruck studiert. Seit einigen Jahren unterrichtet der junge Grödner Mathematik am Kunstgymnasium „Cademia“ in St. Ulrich und bringt den Schülern auch seine große Leidenschaft näher: die Ornithologie. Immer wieder kommen Schulklassen zu ihm auf die Station, um die Vogelarten in Südtirol kennenzulernen.

STOL: Herr Prugger, wie sind Sie zum Ornithologen geworden?

Iacun Prugger: Als ich 13 Jahre alt war, sah ich, dass der Neuntöter bei mir zu Hause verschwand und dass er erst im Frühling wieder auftauchte. Das weckte bei mir großes Interesse. Einige Jahre später habe ich begonnen Vögel zu beringen; dabei werden die Vögel aus wissenschaftlichen Gründen gefangen, vermessen, bestimmt, mit einem Aluminium-Ring gekennzeichnet und anschließend wieder freigelassen. Diese Arbeit gefiel mir so gut, dass ich anschließend Kurse besuchte und am Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale in Bologna Ornithologie-Prüfungen abgab. So wurde ich Ornithologe.


Die Feldlerche singt am schönsten: Wenn sie ganz weit oben im Himmel fliegt und man sie unmöglich sehen kann, aber nur ihren Gesang hört, ist das wunderschön.
Iacun Prugger



STOL: Was macht ein Ornithologe?

Prugger: Ein Ornithologe hat verschiedene Aufgaben, wie Vögel beobachten, nach seltenen Arten suchen und Vogelstudien durchführen. Ich koordiniere als Obmann der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz (AVK) auch die Tätigkeit des Vereins. Ich habe auch viele Daten über Vögel in Südtirol gesammelt und demnächst erscheint ein Büchlein, in dem ich diese Daten veröffentliche.

Im Video können Sie dem Ornithologen und seinen Grödner Kollegen bei der Arbeit über die Schulter schauen.



STOL: Was ist das Schönste an Ihrem Hobby?

Prugger: Das Schönste ist, dass man in der Natur ist und sich dabei mit Leuten austauschen kann, die das gleiche Interesse haben. Es wird dadurch nie langweilig und es gibt immer was Neues zu entdecken, wie neue Vogelarten, Vögel in fremden Gebieten oder Veränderungen bei der Rückkehr der Vögel im Frühling. Dabei ist auch dieser natürliche Zyklus interessant: Im Frühling kommen viele Vögel und man hört zum Beispiel zum ersten Mal den Kuckuck wieder; im Herbst verschwinden sie dann wieder.

STOL: Haben Sie den Kuckuck in diesem Frühling schon gehört?

Prugger: Nein, heuer leider noch nicht. Es gibt da eine alte Weisheit: Wenn man den ersten Kuckuck hört und man viel Geld dabei hat, wird das Jahr ein finanziell gutes Jahr. Deswegen sollte man in den nächsten Wochen viel Geld beim Spazierengehen mitnehmen.


Es gibt Studien, die sagen, dass Vögel aus Langeweile zwitschern.
Iacun Prugger



STOL: Welche Vögel haben Sie heuer schon zwitschern gehört?

Prugger: Die meisten Kurzstreckenzieher – Vögel, die nicht weiter als 2000 Kilometer wegziehen – sind wieder zurück in ihren Brutgebieten in Südtirol: Die Meisen und die Amseln habe ich schon gehört. Auf die Langstreckenzieher – Vögel, die weiter als 4000 Kilometer wegziehen – warte ich noch. Sie müssten aber demnächst erscheinen.

STOL: Welcher heimische Vogel gefällt Ihnen am besten?

Prugger: Mir gefallen die unscheinbaren, kleinen, grauen, braunen Vögel am besten, die wie Spatzen aussehen, aber keine sind. Es gibt viele ähnliche Arten, die schwierig zu entdecken sind und noch schwieriger zu bestimmen.


Iacun Prugger hält 2 seltene Exemplare in den Händen: links eine Zwergschnepfe, rechts eine Waldschnepfe. - Foto: © privat



STOL: Welcher Vogel singt am schönsten?

Prugger: (Überlegt einige Sekunden) Die männlichen Vögel singen häufig schön, da sie mit ihrem Gesang die Weibchen anlocken. Die Feldlerche singt aber am schönsten: Wenn sie ganz weit oben im Himmel fliegt und man sie unmöglich sehen kann, aber nur ihren Gesang hört, ist das wunderschön.

STOL: Wieso zwitschern Vögel eigentlich?

Prugger: Dazu gibt es verschiedene Studien. Im Frühling zwitschern Männchen, um die Weibchen anzulocken. Weibchen zwitschern hingegen weniger schön. Es gibt aber auch Studien, die sagen, dass Vögel aus Langeweile zwitschern.


Iacun Prugger befreit einen Vogel aus dem Netz. - Foto: © privat



STOL: Wann kann man in Südtirol die meisten Vögel beobachten?

Prugger: Das ist schwierig zu sagen. Es gibt Vögel, wie zum Beispiel die Rotdrosseln, die nach Südtirol kommen, um zu überwintern. Im Frühling fliegen sie wieder nach Norden, um zu brüten. Anders ist es bei den Schwalben oder beim Kuckuck, die in Südtirol brüten und im Herbst in den Süden ziehen. Wenige Vögel bleiben das ganze Jahr über in Südtirol wie die Spechte und die Eulen. Wenn es regnet, müssen aber alle Zugvögel landen. Da kann man dann besonders viele Vögel beobachten, die einen Stopp in Südtirol einlegen.

STOL: Wie kann man selbst zum Vogelkenner werden?

Prugger: Interesse und genaues Hinsehen sind das Wichtigste. Mithilfe von Büchern und dem Internet kann man sein Wissen erweitern. Auch auf unserer Website ( www.vogelschutz-suedtirol.it) kann man eine Liste der in Südtirol brütenden Vögel mit Foto und Gesang finden. Außerdem kann man an Wanderungen teilnehmen, die der Verein mit Experten organisiert, um Vögel zu erkunden. Die Teilnahme könnte den Einstig in die Ornithologie erleichtern.




Wenn Iacun Prugger noch Zeit übrig hat, spielt er gerne Tennis und engagiert sich für die ladinische Kultur. Er ist Mitglied des ladinischen Vereins ULG, wo er sich für den Erhalt der ladinischen Kultur einsetzt. Außerdem schreibt er das Gemeindeblatt für seine Heimatgemeinde St. Ulrich. Sein liebster Verein ist aber die Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz Südtirol, wo er Obmann ist.

teo

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