Sonntag, 23. September 2018

Iran bestellt nach Anschlag 3 europäische Diplomaten ein

Die iranische Regierung hat nach dem Angriff auf eine Militärparade mit mindestens 29 Toten am Samstag die Botschafter Dänemarks, der Niederlande sowie Großbritanniens einbestellt. Teheran habe dagegen protestiert, dass die jeweiligen Länder „einige Mitglieder der Terrorgruppe beherbergen, die den terroristischen Anschlag begangen haben”, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA.

Bei dem Angriff kamen mindestens 29 Menschen ums Leben Foto: APA (AFP/ISNA)
Bei dem Angriff kamen mindestens 29 Menschen ums Leben Foto: APA (AFP/ISNA)

Es sei „inakzeptabel, dass die Europäische Union die Mitglieder dieser terroristischen Gruppen nicht auf ihre schwarze Liste setzt, solange sie keine Verbrechen auf europäischem Boden verüben”, erklärte das Außenministerium.

„Vernichtende Antwort“ angekündigt

57 weitere Menschen seien verletzt worden, meldete das iranische Staatsfernsehen. Irans Präsident Hassan Rouhani drohte mit einer „vernichtenden Antwort” auf die Attacke. Iranischen Medienberichten zufolge schossen während der Parade in der südwestlichen Stadt Ahvaz (Ahwas) uniformierte Männer in die Zuschauermenge. Anschließend hätten die Angreifer versucht, auch auf die Tribüne für offizielle Besucher zu feuern. Daraufhin hätten Sicherheitskräfte zurückgeschossen.

Offenbar 4 Attentäter

Drei Angreifer seien vor Ort getötet worden, der vierte sei nach der Festnahme seinen Verletzungen erlegen, sagte Militärsprecher Abolfazl Shekartshi. Im Iran wurde am Samstag der „Tag der Streitkräfte” an vielen Orten mit Militärparaden begangen. Rouhani verfolgte eine ähnliche Parade in der Hauptstadt Teheran.

Unter den Toten seien auch Frauen und Kinder, meldete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA. Die Zahl der Toten könne weiter ansteigen, da viele der Verletzten in Lebensgefahr schwebten.

IS bekennt sich zu Angriff

Das IS-Sprachrohr Amaq verbreitete eine Bekennernachricht der Jihadistenmiliz: IS-Kämpfer hätten „eine Versammlung iranischer Truppen” angegriffen. Das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site teilte mit, der Angriff sei eine Reaktion auf die iranische Einmischung in Konflikte in der Region.

Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei bezeichnete den Anschlag als „Fortsetzung der Verschwörung von Regierungen aus der Region, die von den USA bezahlt werden” und die versuchten, die Unsicherheit im Land zu erhöhen.

Präsident Rouhani erklärte auf seiner offiziellen Website: „Diejenigen, die diesen Terroristen Informationen und Unterstützung bei der Verbreitung ihrer Propaganda gewähren, werden sich dafür verantworten müssen.”

Iran vermehrt Anschlagsziel

Der Anschlagsort Ahvaz liegt in der mehrheitlich von Arabern bewohnten Provinz Khuziztan an der Grenze zum Irak. In der Region hatte es in früheren Jahren separatistische Bestrebungen gegeben.

Im Juni 2017 waren bei einem Angriff auf das Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini in Teheran 17 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden. Noch während des Angriffs bekannte sich der IS zu der Tat. Bis dahin war der mehrheitlich schiitische Iran von Anschlägen der sunnitischen IS-Miliz verschont geblieben.

apa/ag.

stol