Sonntag, 27. Mai 2018

Iren stimmen klar für Ende des Abtreibungsverbots

Das strenge Abtreibungsverbot in Irland fällt: In einem Referendum haben gut 66 Prozent der Iren für die Abschaffung des Verbots gestimmt. Die Beteiligung lag bei 64 Prozent. Premierminister Leo Varadkar sprach vom „Höhepunkt einer stillen Revolution“ in dem lange Zeit streng katholischen Land. In Dublin brach bei der Verkündung des amtlichen Endergebnisses am Samstagabend lauter Jubel aus.

Auch Irland lockert nun seine Gesetze zur Abtreibung.
Auch Irland lockert nun seine Gesetze zur Abtreibung. - Foto: © shutterstock

„Was wir heute erleben, ist der Höhepunkt einer stillen Revolution, die Irland in den vergangenen zehn bis 20 Jahren durchgemacht hat“, sagte Premierminister Varadkar, der die Legalisierungsbefürworter unterstützt hatte, dem Sender RTE. „Die Leute haben gesagt, dass wir eine moderne Verfassung für ein modernes Land wollen und dass wir Frauen zutrauen, dass sie die richtige Entscheidung über ihre eigene Gesundheit treffen.“

Irland hatte bisher eines der strengsten Abtreibungsgesetze in Europa. Laut dem achten Zusatzartikel zur Verfassung waren Schwangerschaftsabbrüche selbst bei Vergewaltigung, Inzest oder einer tödlichen Fehlbildung des Fötus verboten. Bei einer Abtreibung drohen Frauen bis zu 14 Jahre Haft.

Seit 2013 sind Abtreibungen in seltenen Fällen erlaubt, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Das Abtreibungsverbot führte dazu, dass jedes Jahr tausende Irinnen für Abtreibungen ins benachbarte Großbritannien reisten oder sich im Internet die „Pille danach“ besorgten.

Neues Gesetz am Ende des Jahres

Ein neues Abtreibungsgesetz soll nach Premierminister Varadkars Worten bis Ende des Jahres verabschiedet werden. Vorgesehen ist, Schwangerschaftsabbrüche in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen straffrei zu stellen. Bei bestimmten Indikationen soll eine Abtreibung bis zur 24. Woche erlaubt sein.

Das Ergebnis des Referendums bedeutet einen weiteren schweren Schlag für die katholische Kirche in Irland. Mehrere Skandale um Kindesmissbrauch hatten den Einfluss der in Irland einst übermächtigen Institution zuletzt schwinden lassen. Vor drei Jahren hatten die Iren mit 62 Prozent für die Einführung der Homo-Ehe gestimmt. Premierminister Varadkar ist der erste offen homosexuelle Regierungschef des Landes.

apa/afp/dpa/reuters

stol