<b>Welche Rolle spielt das HdgW in Ihrem Leben?</b><BR />Maria: Eine große und wichtige. Ich hätte damals sonst nicht gewusst, wie und wo ich mich und mein Kind hätte in Sicherheit bringen können. Vielleicht hat mir das Haus sogar das Leben gerettet. Ich bin sehr dankbar, für die Unterstützung, die ich dort erfahren habe. Nun arbeite ich daran, es „zurückgeben“ zu können. <BR /><BR /><BR /><b>Das heißt?</b><BR />Maria: Ehrenamtlich helfe ich beim Vinzenzverein und bei Volontarius, ich habe auch noch Kontakt mit dem Frauenhaus und wenn ich hier helfen kann, dann tue ich das gern. Bozen ist eine hilfsbereite Stadt. Und nun kann ich Frauen, die vor ihren Männern fliehen, helfen und ihnen Mut machen. Denn ich sehe und höre die gleichen Ängste und Gefühle, die ich damals hatte. Und ich kann ihnen sagen: Schaut nach vorne und vertraut auf Gott. Ich hatte die Kraft und ihr habt sie auch. Und Gott hat mir geholfen, euch hilft er auch. <BR /><BR /><BR /><b>Braucht es so viel Kraft, aus einer gewalttätigen Beziehung zu fliehen?</b><BR />Maria: Meist lernt man die gewalttätige Seite des Partners erst kennen, wenn es zu spät ist. So war es auch bei mir: Vor der Hochzeit war er einfühlsam und nett. Nie hätte ich geahnt, was mich dann in der Ehe erwartet hat. Seine Drogen- und Alkoholexzesse, Geldprobleme, Erniedrigungen, Schläge, Tritte, selbst noch am Boden liegend, bis hin zu Morddrohungen. Am Anfang glaubt man ihm noch, wenn er Besserung verspricht, sich wieder bemüht. Doch irgendwann bleibt man aus Angst – um sich und um das Kind. „Ich bring dich um, wenn du gehst“ ist schwer zu ignorieren. Zudem bekommt man ja auch laufend zu hören: Du bist nichts, du kannst nichts, dir hilft keiner, sie nehmen dir das Kind weg ohne Arbeit. Das glaubt man. Und fragt sich laufend: Wo soll ich denn hin? Wie soll ich allein für mich und mein Kind sorgen?<BR /><BR /><BR /><b>Wie haben Sie es geschafft?</b><BR />Maria: Mir haben einige Menschen in meinem Umfeld einerseits Mut gemacht und mir von dem Frauenhaus erzählt. Auf der anderen Seite haben sie mir auch deutlich gesagt, welches Risiko ich eingehe, wenn ich nicht gehe: „Er wird dich umbringen.“ <BR /><BR /><BR /><b>Wie war der Tag der Flucht?</b><BR />Maria: Ich hatte schon vorher mit dem Haus Kontakt aufgenommen, sie wussten, dass ich komme und alles war bereit. Von zuhause habe ich so gut wie nichts mitgenommen, damit er keinen Verdacht schöpft. Ich habe mein Kind aus dem Kindergarten geholt, als wäre es ein normaler Tag. So sind wir im Haus angekommen – mit nichts. <BR /><BR /><BR /><b>Und heute?</b><BR />Maria: Es geht mir gut, ich habe in all den Jahren Arbeit und eine Wohnung für mich und meinen Sohn gehabt – und viel Unterstützung. Nun mache ich eine Umschulung, denn ich will auch hauptberuflich im Sozialbereich arbeiten und für andere da sein, so wie man für mich da war. Mein Sohn geht in die Oberschule und macht seinen Weg. Und ich schaue nach vorne, nie zurück!<BR /><BR /><BR />* Name von der Redaktion geändert