Freitag, 22. Mai 2015

Irland stimmt über Homo-Ehe ab

Das katholisch geprägte Irland hat am Freitag per Volksentscheid über die Einführung der Homo-Ehe abgestimmt.

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Die Regierung um den konservativen Premierminister Enda Kenny unterstützt den Plan, die katholische Kirche ist strikt dagegen.

Weil eine Verfassungsänderung notwendig ist, muss das Volk abstimmen. Umfragen sagen ein mehrheitliches „Ja“ voraus. Ergebnisse werden erst am Samstag erwartet.

Für Abstimmung mit Flieger zurück nach Irland

Sollte die Mehrheit der rund 3,2 Millionen Wahlberechtigten für die Homo-Ehe stimmen, wäre Irland das erste Land, das diese über einen Akt direkter Demokratie einführt. Irische Medien berichteten über zahlreiche Wähler, die per Auto aus dem benachbarten Großbritannien und sogar per Flugzeug aus dem Ausland in ihre Heimat zurückgekommen sind, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Bisher ist in Irland nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare möglich. Kritiker machten geltend, diese Verbindung biete nicht den gleichen verfassungsmäßigen Schutz der Familie wie eine Ehe zwischen Mann und Frau.

Bis 1993 war Homosexualität sogar noch verboten. Ministerpräsident Kenny sagte, das Referendum bestimme das künftige Bild des Landes und berühre Fragen von „Toleranz“, „Respekt“, „Verständnis“ und „Sensibilität“. Alle großen politischen Parteien unterstützen das Vorhaben.

Kirche wehrt sich gegen Homo-Ehe

Die katholische Kirche hingegen läuft Sturm gegen die Homo-Ehe. Doch mehrere Skandale um Kindesmissbrauch haben den Einfluss der einst in Irland übermächtigen Institution nach Einschätzung von Experten schwinden lassen.

Im Falle der Einführung bleibt es den Kirchen weiterhin freigestellt, ob sie gleichgeschlechtliche Paare trauen wollen. Schwulen und Lesben bliebe als Alternative eine standesamtliche Zeremonie.

apa/dpa/afp

stol