Donnerstag, 29. Juni 2017

Israel irritiert über Orbans Lob für Hitler-Verbündeten Horthy

Israel zeigt sich irritiert über das jüngste Lob des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban für den rechtsautoritären Führer und Hitler-Verbündeten Miklos Horthy (1868-1957).

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban war voll des Lobes für den rechtsautoritären Führer und Hitler-Verbündeten Miklos Horthy (1868-1957).
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban war voll des Lobes für den rechtsautoritären Führer und Hitler-Verbündeten Miklos Horthy (1868-1957). - Foto: © shutterstock

„Das hat uns jedenfalls verblüfft, und wir baten über diplomatische Kanäle um eine Klarstellung“, sagte der israelische Botschafter in Budapest, Yossi Amrani, am Mittwochabend dem ungarischen Nachrichtensender Hir TV.

Lob für Nazi-Kollaborateur

Orban hatte Horthy in einer Rede vor einer Woche als „außergewöhnlichen Staatsmann“ bezeichnet. Horthy hatte von 1919 bis 1944 in Ungarn regiert und sein Land an der Seite Hitlers in den Zweiten Weltkrieg geführt. Unter seiner Herrschaft wurden fast eine halbe Million ungarischer Juden nach Auschwitz deportiert.

Prägte das nationale Selbstmissverständnis

Der Rechtskonservative Orban bezeichnete in seiner Rede Horthys Leistung während des Zweiten Weltkriegs als „traurig“. Ihm käme jedoch das Verdienst zu, nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie infolge des Ersten Weltkriegs dafür gesorgt zu haben, dass „wir (Ungarn) nicht unter den Trümmern der Geschichte begraben wurden“.

Israel irritiert

Dem israelischen Botschafter zufolge sei es aber „selbst in diesem historischen Kontext“ irritierend, wenn Horthy als „außergewöhnlicher Staatsmann“ bezeichnet werde. Kritiker werfen Orban einen rechtsautoritären Kurs sowie eine Verdrehung der Geschichte im nationalistischen Sinn vor.

apa/dpa

stol