Samstag, 02. Dezember 2017

Italien protestiert gegen Erhöhung des Pensionsantrittsalters

Tausende Italiener haben in Rom, Turin, Palermo, Bari und Cagliari an Demonstrationen gegen die 2019 geplante Erhöhung des Ruhestand-Antrittalters auf 67 Jahre demonstriert. Sie folgten einem Aufruf des stärksten italienischen Gewerkschaftsverbands CGIL.

Auch der AGB CGIL Südtirol war in Turin mit dabei.
Auch der AGB CGIL Südtirol war in Turin mit dabei.

Die Regierung in Rom hat eine Liste von 15 gesundheitsbelastenden Berufen erstellt, die von der ab Jänner 2019 geplanten Erhöhung des Pensionsantrittsalters ausgeschlossen werden sollen. Dies betrifft jedoch lediglich Arbeitnehmer, die in den zehn Jahren vor der Pensionierung mindestens sieben Jahre lang einer belastenden Tätigkeit nachgegangen sind.

Während die gemäßigten Gewerkschaftsorganisationen CISL und UIL Dialogbereitschaft mit der Regierung signalisieren, beharrt die linke CGIL auf ihrem Veto gegen die Vorschläge der Regierung. CGIL-Chefin Susanna Camusso, die am Samstag die Demonstration in Rom anführte, kündigte weitere Protestkundgebungen an.

Premier Paolo Gentiloni betonte, dass die Erhöhung des Ruhestandsalters notwendig sei, um Italiens Pensionssystem in den nächsten Jahren Stabilität zu sichern. Die Regierung bemühe sich, mit den Gewerkschaften das Thema der sozialen Finanzierbarkeit der Pensionen für die nächsten Generationen zu diskutieren.

Es sei wichtig, auch an die jüngsten Italiener zu denken, mahnte die Regierung. Gentiloni bezog sich auf Berechnungen der Fürsorgeanstalt INPS nach denen der Verzicht auf die geplante Erhöhung des Ruhestand-Antrittsalters den Pensionskassen mindestens 140 Milliarden Euro kosten würde.

AGB/CGIL Südtirol bei der Kundgebung in Turin 

Der AGB/CGIL Südtirol hat mit etwa 250 Personen an der Großkundgebung in Turin teilgenommen, bei der eine Änderung des Rentensystems sowie die Förderung des Wirtschaftswachstums und der Beschäftigung gefordert wurde.

„Wir haben zur Kenntnis genommen, dass die Regierung nicht bereit ist, die Bestimmungen im Rentenbereich abzuändern und wir haben deshalb diese Mobilisierung beschlossen, um unserer Plattform Nachdruck zu verleihen. Gleichzeitig appellieren wir an das Parlament, diese Forderungen beim nächsten Haushaltsgesetz zu berücksichtigen“, erklärte Alfred Ebner, Generalsekretär des AGB/CGIL.

Die Gewerkschaft fordert eine strukturelle Revision des Mechanismus zur Erhöhung des Rentenalters sowie dauerhafte Antworten in Hinblick auf die Situation der Frauen und der Anerkennung der Erziehungs- und Pflegetätigkeit. „Unregelmäßige Arbeitszyklen und oftmals geringe Beitragsleistungen betreffen besonders die Frauen. Daher die Forderung, die Erziehungs- und Pflegezeiten für die Berechnung der Rente zu berücksichtigen und das Rentenalter vorzuziehen“, so der Generalsekretär des AGB/CGIL.

Ein weiterer Kritikpunkt der Gewerkschaft ist die Tatsache, dass keine Antworten für die zukünftigen Renten die Jugendlichen vorgesehen sind. Der geforderte Sockelbetrag für die künftigen beitragsbezogenen Renten wäre gerade für die jungen Menschen wichtig, für die - aufgrund der großen Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt - die Altersarmut de facto vorprogrammiert ist. Für Alfred Ebner ist abschließend eine neue Form der Anpassung der Renten an die Kaufkraft besonders für Südtirol wichtig, da es hier eine besonders hohe Inflation gibt, die das reale Einkommen der Rentner beträchtlich schrumpfen lässt.

apa/stol

stol