Sonntag, 17. Mai 2015

Italien verzichtet auf Bergung von Schiff mit Hunderten Migranten

Die Justiz wird auf die Forderung nach einer Bergung des am 18. April gekenterten Flüchtlingsbootes, das in libyschen Gewässern mit über 800 Menschen an Bord gekentert ist, verzichten.

Foto: © LaPresse

Die Bergung sei für die Ermittlungen über den Verlauf der bisher gravierendsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer nicht notwendig, berichtete der ermittelnde Staatsanwalt der Stadt Catania, Giovanni Salvi.

„Wir haben die Hintergründe der Flüchtlingskatastrophe geklärt. Die Bergung wäre zu lang und kostspielig. Wenn die Regierung oder humanitäre Organisationen das Schiff jedoch bergen wollen, ist es dann ihre Entscheidung“, sagte Salvi.

Hilfsorganisationen empört

Seine Worte lösten empörte Reaktionen des Internationalen Flüchtlingszentrums CIR und der Sprecherin von „Save the Children“, Giovanna Di Benedetto, aus.

„Der Gedanke, dass Hunderte Tote im Mittelmeer nicht geborgen werden sollen, weil ihre Leichen nicht den Ermittlungen dienen, empört mich“, kommentierte Di Benedetto. „Wären Italiener, Deutsche, oder Europäer im Boot, hätte die Staatsanwaltschaft gleich gehandelt?“, fragte die Sprecherin. 

Mehrere Leichen waren kürzlich im Schiffswrack entdeckt worden, das von Tauchereinheiten der italienischen Marine in etwa 375 Metern Tiefe in libyschen Gewässern lokalisiert wurde.

Mehrere Flüchtlinge waren unter Deck eingesperrt. Die Marine veröffentlichte ein Unterwasser-Video von dem Wrack. Mehrere andere Leichen seien im Wrack und auf dem untersten Deck lokalisiert worden, berichtete Salvi.

Der Kutter sei schwer beschädigt, was auf eine Kollision mit dem portugiesischen Frachtschiff zurückzuführen sei, das dem Hilferuf der Flüchtlinge an Bord gefolgt war.

Renzi verspricht Handeln

„Italien wird alles Mögliche unternehmen, um die Leichen dieser Menschen zu bergen, die für die Freiheit gestorben sind“, sagte der italienische Premier Matteo Renzi vor Kurzem.

Das 25 Meter lange Wrack wurde mit Sonar-Instrumenten gesichtet. Bisher wurden 24 Leichen geborgen, 28 Menschen überlebten. Zwei mutmaßliche Schlepper, der Kapitän und ein Besatzungsmitglied, wurden nach dem Unglück festgenommen.

apa

stol