Freitag, 26. Januar 2018

Italien-Wahl – Parteien stellen ihre Listen vor

Der Wahlkampf für die italienischen Parlamentswahlen am 4. März tritt in die entscheidende Phase. Die Parteien legen ab Freitag bis Sonntag dem Innenministerium ihre Wahllisten vor. Tausende Kandidaten bewerben sich um 945 Parlamentssitze in der Abgeordnetenkammer und im Senat.

Ab Freitag legen die Parteien ihre Wahlliste vor.
Ab Freitag legen die Parteien ihre Wahlliste vor. - Foto: © LaPresse

Nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum und seinem Rücktritt als Premier im Dezember 2016 träumt der Vorsitzende des Partito Democratico, Matteo Renzi, bei den Parlamentswahlen von einer Revanche. Für sein Comeback setzt Renzi auf Premier Paolo Gentiloni und auf erfahrene Regierungsmitglieder.

Gentiloni wesentlich populärer als Renzi

Die Meinungsumfragen stehen für Renzis PD aber nicht besonders gut. Das Linkslager ist gespalten, Renzi selber bei den Italienern nicht sonderlich beliebt. Sein Parteikollege Gentiloni ist wesentlich populärer, wie aus Umfragen immer wieder hervorgeht. Der eher unauffällige Politiker gilt als Inbegriff des Anti-Populisten. Lautes Getöse oder Egozentrik sind ihm fremd.

Auch viele Minister der Gentiloni-Regierung kommen bei der Wählerschaft gut an: Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan, Innenminister Marco Minniti und Kulturminister Dario Franceschini gelten laut Umfragen wegen ihrer positiven Leistungen in der Regierung als besonders populär. 

Gentiloni gilt als Renzis Trumpf in der Hand. Der Sozialdemokrat aus römischer Adelsfamilie geht in seiner Heimatstadt um einen Parlamentariersitz ins Rennen. Im Wahlkreis Rom 1, kandidiert der zurückhaltende 63-Jährige. 

Renzi will in Florenz kandidieren 

Gentiloni ist unterdessen nicht das einzige Schwergewicht der Regierung, das Renzi in die politische Arena schickt: In der Region Latium setzt der PD-Chef auf Wirtschaftsminister Padoan, den Renzi 2014 als parteiunabhängigen Fachmann in die Regierung gehievt hat.

Renzi selber will voraussichtlich in Florenz kandidieren, in der Stadt, die er als Bürgermeister vor seinem Sprung in den Regierungssitz im Jahr 2014 geführt hatte.

Adriano Galliani ist Berlusconis große Hoffnung

Ex-Premier Silvio Berlusconi greift auf das Reservoir seiner TV-Gruppe Mediaset und der anderen Unternehmen seines Medienimperiums zurück, um angesehene Kandidaten ins Rennen zu schicken. Da Berlusconi wegen eines Ämterverbots selber nicht für einen Parlamentssitz kandidieren kann, setzt er auf seine langjährige „rechte Hand“, Adriano Galliani.

Mehrere Starjournalisten ziehen für Berlusconis rechtskonservative Partei Forza Italia in den Wahlkampf, darunter Alessandro Sallusti, der Chefredakteur der Berlusconi-eigenen Tageszeitung „Il Giornale“, sowie der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Panorama“, Giorgio Mule. Auch der Chefredakteur des Blattes „Quotidiano Nazionale“, Andrea Cangini, hat bereits Berlusconis Angebot für eine Kandidatur angenommen.

Movimento Cinque Stelle stellt weniger bekannte Gesichter auf 

Der Movimento Cinque Stelle glänzt weniger mit bekannten Kandidaten. Zu den Prominenten im Rennen für die Partei des Starkomikers Beppe Grillo zählen der Präsident des Konsumentenschutzverbands Adusbef, Elio Lannutti, der bekannte TV-Moderator Emilio Carelli und der Journalist Gianluigi Paragone.

„Wir können unsere bisherige Zahl von Parlamentariern verdreifachen“, sagte M5S-Premierkandidat Luigi Di Maio. Die meisten Grillo-Mandatare der auslaufenden Legislatur stellen sich der Wiederwahl.

apa

stol