Dienstag, 23. Januar 2018

Italien-Wahl: Parteien suchen nach Spitzenkandidaten

Der Wahlkampf in Italien tritt in die entscheidende Phase. Vom kommenden Freitag bis Sonntag müssen die Parteien, die für die Parlamentswahlen am 4. März kandidieren, dem Innenministerium in Rom ihre Wahllisten vorlegen.

Foto: © LaPresse

Mitte-Rechts-Chef Silvio Berlusconi, der wegen eines Ämterverbots nicht selber für einen Parlamentssitz kandidieren kann, setzt für die Wahllisten seiner Forza Italia auf prominente Namen aus Kultur, Journalismus und Sport, um Wählerstimmen zu gewinnen.

Dabei greift Berlusconi auf das Reservoir seiner TV-Gruppe Mediaset und der anderen Unternehmen seines Medienimperiums zurück. Adriano Galliani , Berlusconis rechte Hand, geht bei den Parlamentswahlen ins Rennen. Nach einer Karriere als Geschäftsführer des inzwischen an ein chinesisches Konsortium verkauften Fußballklubs AC Milan kandidiert der 73-jährige Galliani für einen Senatssitz in der Lombardei.

Mehrere Starjournalisten ziehen für die Forza Italia in den Wahlkampf, darunter Alessandro Sallusti, der Chefredakteur der Berlusconi-eigenen Tageszeitung "Il Giornale", sowie der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Panorama", Giorgio Mulé. Auch der Chefredakteur des Blattes "Quotidiano Nazionale", Andrea Cangini, hat Berlusconis Angebot einer Kandidatur angenommen.

Die Fünf-Sterne-Bewegung um den ehemaligen Starkomiker Beppe Grillo hat einen neuen Hoffnungsträger für die Parlamentswahl im März: Gregorio De Falco, der wegen seines Einsatzes bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia mit 32 Todesopfern als Held gilt, bewirbt sich bei der Grillo-Partei um eine Kandidatur für den Senat. De Falco war im Jahr 2012 Hafenkapitän in Livorno, als die Costa Concordia vor der Insel Giglio nach der Kollision mit einem Felsen sank. Der Kapitän des Kreuzfahrtschiffs, Francesco Schettino, verließ das Schiff, während verängstigte Passagiere nachts von Bord sprangen. De Falco befahl Schettino, auf das Schiff zurückzukehren.

De Falco ist der bekannteste Bewerber bei der von Grillo gegründeten Fünf-Sterne-Bewegung, die bei einer Wahlveranstaltung in Pescara am Wochenende die Liste ihrer Kandidaten bekanntgeben hat. Zu ihnen zählen der Präsident des Konsumentenschutzverbands Adusbef, Elio Lannutti, der bekannte TV-Moderator Emilio Carelli und der Journalist Gianluigi Paragone.

"Wir können unsere bisherige Zahl von Parlamentariern verdreifachen", versicherte Fünf-Sterne-Spitzenkandidat Luigi Di Maio. Die meisten Grillo-Mandatare der letzten Legislaturperiode stellen sich einer Wiederwahl. Der 31-jährige Di Maio kandidiert in seinem Heimatort Pomigliano d'Arco bei Neapel. Insgesamt 10.000 Fünf-Sterne-Aktivisten hatten sich auf der Internetseite der Partei um einen Platz auf den Fünf-Sterne-Wahllisten beworben. Der Andrang war so groß, dass die Seite gegen Ende der Bewerbungsfrist zusammenbrach.

Ex-Premier Matteo Renzi, Chef der Demokratischen Partei (PD), setzt auf das Ansehen seines Parteikollegen und Premiers Paolo Gentiloni sowie der Minister, um seine Mitte-Links-Gruppierung als zuverlässige Regierungskraft ins Rampenlicht zu stellen. Regierungschef Gentiloni will einen Sitz in der Abgeordnetenkammer in einem Wahlkreis im Zentrum Roms.

Für die PD-Partei hat Renzi auch den bisher parteiunabhängigen Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan gewonnen, der in einem Wahlkreis im toskanischen Siena um einen Parlamentssitz wirbt. Ins Rennen für Renzis PD ziehen unter anderem Kulturminister Dario Franceschini, Innenminister Marco Minniti und Justizminister Andrea Orlando.

apa

stol