Mittwoch, 04. Januar 2017

Italien will Flüchtlinge schneller abschieben

Die italienische Regierung will die Abschiebung von Flüchtlingen beschleunigen. Außenminister Angelino Alfano stellte diese Ankündigung am Mittwoch in Zusammenhang mit den Unruhen in einem Flüchtlingslager in der Ortschaft Cona bei Venedig, wo protestierende Flüchtlinge ihre Unterkunft in Brand gesteckt und Angestellte angegriffen hatten.

Die italienische Regierung will die Abschiebung von Flüchtlingen beschleunigen.
Die italienische Regierung will die Abschiebung von Flüchtlingen beschleunigen. - Foto: © LaPresse

„Wir haben viele Menschenleben gerettet, aber wir lassen keinerlei Verletzung der Regeln zu“, sagte der Minister der Zeitung „La Stampa“. „Deswegen müssen wir Abschiebungen und Rückführungen beschleunigen.“ Italien gehe in der Flüchtlingspolitik „mit Strenge und mit Menschlichkeit“ vor.

Um Rückführungen zu erleichtern, strebe die Regierung entsprechende Vereinbarungen mit den Herkunfts- und Transitländern an, sagte Alfano. Mit dem afrikanischen Transitstaat Niger stünden die Verhandlungen kurz vor Abschluss. Zu Beginn der Woche war Italiens Innenminister Marco Minniti nach Tunesien gereist, um ein bilaterales Rückführungsabkommen zu erneuern.

Randale nach Tod junger Afrikanerin

Im Flüchtlingslager Cona hatten zu Beginn der Woche rund hundert Bewohner stundenlang randaliert, nachdem eine junge Afrikanerin dort gestorben war. Aufgebrachte Flüchtlinge hatten die Rettungskräfte beschuldigt, zu spät eingetroffen zu sein. Die Polizei beendete die Proteste durch einen Einsatz in dem Lager.

Menschenhandel und Straßenprostitution

In Spanien teilte die Polizei inzwischen mit, ein Schleppernetzwerk zerschlagen zu haben. Neun Menschen seien festgenommen worden, hieß es in einer Erklärung. Das Netzwerk habe junge Frauen aus Nigeria in Booten von der libyschen Küste über das Mittelmeer nach Italien und dann weiter nach Spanien gebracht, wo sie zur Prostitution gezwungen worden seien.

Die Überfahrten über das Meer seien lebensgefährlich gewesen, teilte die Polizei mit. In Spanien seien die Frauen dann unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Straßenprostitution gedrängt worden. Sieben Opfer des Schlepperrings seien von der Polizei in Sicherheit gebracht worden.

apa/afp

stol