Freitag, 22. Mai 2015

„Italiener kommen zuerst“ – Widerstand gegen Migranten in Padua

Beschimpfungen, Einschüchterungen, Drohungen: Das erlebt Pater Luca Favarin in letzter Zeit jeden Tag. Der katholische Priester leitet die Hilfsorganisation „Percorso Vita“ in der Stadt Padua. Die Gruppe unterstützt Bootsflüchtlinge, und das passt vielen Menschen in der wohlhabenden norditalienischen Region nicht.

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Archivbild - Foto: © APA/AP

„Das Klima ist sehr schlecht“, sagt Favarin der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. „Percorso Vita“ gibt etwa 60 Asylsuchenden Unterschlupf, die Helfer nehmen die Flüchtlinge zum Teil in ihren eigenen Wohnungen auf. Widerstand kommt von Teilen der Bevölkerung – und Politikern der rechten Lega Nord.

So kamen am Donnerstagabend etwa 250 Menschen zu einem Fackelzug zusammen, um gegen die Aufnahme von Migranten zu protestieren. Unter ihnen war auch der rechtspopulistische Bürgermeister von Padua, Massimo Bitonci. „Wir sind keine Rassisten, wir sind gegen das Geschäft mit der Aufnahme (von Migranten)“, sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa.

„Wir sagen Nein zu Flüchtlingen in Privathäusern. Das ist nicht die Art der Aufnahme, die wir wollen.“ Vergangenen Woche hatten allerdings in der Stadt rund 1.000 Bürger für die Aufnahme von Flüchtlingen demonstriert, darunter die frühere Integrationsministerin Cecile Kyenge, die im Kongo geboren wurde.

"Italiener zuerst, die Neger danach"

„Jeden Tag wird versucht, mich einzuschüchtern“, erzählt Priester Favarin. „Manche Leute spucken mich an, andere zeigen mit dem Finger auf mich und sagen: “Denken sie dran, Pater – Italiener kommen zuerst, die Neger danach„.“

Die Wirtschaftsflaute in Italien hat die Feindseligkeit gegen Migranten erhöht. Kriminalität, islamistischer Terror und Sozialschmarotzertum werden ihnen vorgeworfen. Die Migranten machten die Stadt unsicherer, beschweren sich Anrainer und Geschäftsleute in Padua.

Patrizia Ferro, eine Frau, die für sechs Flüchtlinge eine 110-Quadratmeter-Wohnung in einem netten Stadtteil zur Verfügung gestellt hatte, wurde dafür in der Öffentlichkeit bloßgestellt, wie die Zeitung „La Repubblica“ berichtete. Eine Unterschriftenaktion, die fordert, die Unterbringung von Asylsuchenden in Privathäusern zu verbieten, fand Tausende Unterstützer.

Bürgermeister Bitonci und Wohnbaustadtrat Fabrizio Boron – beide von der Lega Nord – posteten Ende April Fotos von Frau Ferros Haus auf Facebook, angeblich aus Solidarität mit den Nachbarn. Einer der Anrainer sagte der Zeitung: „Wer kann garantieren, dass diese Typen keine Terroristen sind? Sie werden die Immobilienpreise drücken. Ich will Schadenersatz fordern. Außerdem haben wir Angst vor rassistischen Angriffen.“

Der Bruder der Wohnungsbesitzerin sagte kürzlich der Lokalzeitung „Corriere del Veneto“, dass man nach diesen Vorkommnissen überlege, die sechs jungen Männer woanders unterzubringen. Die Flüchtlinge aus dem Senegal, Burkina Faso und Nigeria hätten Schreckliches durchgemacht, der Rummel sei nicht gut, fügte Stefano Ferro hinzu.

apa/dpa

stol