Warum man Jagdverhalten nicht einfach so abtrainieren kann, erklärt die diplomierte Hundetrainerin Lisa Holzner.<BR /><BR /><b>Von Petra Schwienbacher</b><BR /><BR />Der Hund fixiert plötzlich ein Reh, springt hinter einem Hasen her oder reagiert extrem auf Bewegungsreize wie Katzen, Jogger oder Fahrräder. Viele Menschen wünschen sich dann vor allem eines: dass der Hund „damit aufhört“. Doch das funktioniert so leider nicht.<BR /><BR /><BR /><b>Was versteht man unter Jagdverhalten?</b><BR />Lisa Holzner: Jagdverhalten besteht nicht nur darin, Wild hinterherzurennen. Es ist vielmehr eine Abfolge verschiedener Verhaltensweisen, die genetisch tief im Hund verankert sind. Dazu gehören:<BR /><BR />suchen und wittern,<BR />beobachten und fixieren,<BR />anschleichen und hetzen,<BR />packen, töten und fressen.<BR /><BR />Je nach Hund und Veranlagung sind unterschiedliche Teile dieser Verhaltenskette stärker ausgeprägt. Manche Hunde reagieren extrem auf Bewegung, andere arbeiten intensiv mit der Nase oder beobachten ihre Umgebung dauerhaft sehr aufmerksam.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1318047_image" /></div> <BR /><BR /><b>Warum betrifft das Jagdverhalten so viele Hunde?</b><BR />Holzner: Das ist kein „Fehler“ des Hundes, sondern biologisch sinnvoll und über viele Generationen hinweg erhalten geblieben. Hunde stammen ursprünglich von Jägern ab – und auch heute werden viele Rassen gezielt für bestimmte Aufgaben rund um die Jagd gezüchtet. <BR /><BR />Besonders Hütehunde, Jagdhunde, Terrier und nordische Rassen zeigen oft ein stark ausgeprägtes Jagdverhalten. Aber grundsätzlich kann es bei nahezu jedem Hund auftreten. Hinzu kommt: Bewegung wirkt auf viele Hunde extrem reizvoll. Flüchtende Tiere aktivieren automatisch bestimmte Abläufe im Gehirn. Der Hund reagiert dabei häufig nicht „ungehorsam“, sondern folgt einem tief verankerten Instinkt. <BR /><BR /><b>Kann Jagen nicht einfach „abtrainiert“ werden?</b><BR />Holzner: Das ist ein häufiger Irrglaube. Jagen zu verbieten funktioniert in den meisten Fällen nicht dauerhaft, denn es ist selbstbelohnend. Bereits das Hetzen oder Verfolgen löst im Körper des Hundes starke emotionale und hormonelle Prozesse aus. Stresshormone und Botenstoffe sorgen dafür, dass sich das Verhalten für den Hund lohnend anfühlt – selbst dann, wenn gar kein Erfolg am Ende steht.<BR /><BR />Es reicht nicht, den Hund einfach zu schimpfen oder zu bestrafen. Zum einen ist der Hund während des Jagdverhaltens häufig emotional so hochgefahren, dass Strafen kaum sinnvoll verarbeitet werden können. Zum anderen bleibt das eigentliche Bedürfnis bestehen. Oft entstehen dadurch noch mehr Stress, Unsicherheit, Frust und schlechtere Orientierung am Menschen.<BR /><BR />Manche Hunde lernen durch Strafen zusätzlich, das Verhalten heimlicher oder schneller zu zeigen. Daher sollte das Ziel sein, das Jagen kontrollierbar und lenkbar zu gestalten.<BR /><BR /><b>Und wie kann das klappen?</b><BR />Holzner: Gerade zu Beginn des Trainings ist gutes Management extrem wichtig. Hilfsmittel wie eine Schleppleine, ein gut sitzendes Brustgeschirr und ein sicher aufgebauter Rückruf helfen dabei, das Training überhaupt erst möglich zu machen.<BR /><BR />Die Schleppleine ist dabei oft eines der wichtigsten Werkzeuge. Sie ermöglicht Sicherheit, ohne den Hund dauerhaft stark einzuschränken. Gleichzeitig kann die Orientierung am Menschen trainiert werden, ohne dass der Hund ständig Erfolg mit unerwünschtem Jagdverhalten hat.<BR /><BR /> Ein sicher aufgebauter Rückruf sollte nicht erst dann eingesetzt werden, wenn der Hund bereits mitten im Hetzen ist. Das Training beginnt in einfachen Situationen und muss schrittweise aufgebaut werden.<BR /><BR />Es ist hilfreich, dem Hund kontrollierte Alternativen anzubieten, bei denen wichtige Bedürfnisse ausgelebt werden können.<BR /><BR /><BR /><b>Wie kann diese alternative Beschäftigung aussehen?</b><BR />Holzner: Besonders sinnvoll sind Suchspiele, Fährtenarbeit, Futterbeuteltraining, Mantrailing und Nasenarbeit allgemein.<BR /><BR />Diese Aktivitäten ermöglichen dem Hund, seine Fähigkeiten gezielt einzusetzen und dabei gleichzeitig kontrollierbar zu bleiben. Vor allem Nasenarbeit wirkt auf viele Hunde sehr auslastend und beruhigend. Der Hund darf arbeiten, Entscheidungen treffen und seine natürlichen Fähigkeiten einsetzen – allerdings in einem sicheren und gelenkten Rahmen.