Samstag, 11. Juli 2015

Jahrestag des Massakers von Srebrenica

Die ostbosnische Kleinstadt Srebrenica gedenkt am Samstag des 20. Jahrestages des von bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1995 angerichteten Massakers an der bosniakischen (muslimischen) Stadtbevölkerung.

Bilder einer Katastrophe: Ein Massengrab bei Srebrenica.
Bilder einer Katastrophe: Ein Massengrab bei Srebrenica. - Foto: © APA/EPA

Nach der Einnahme der UNO-Schutzzone Srebrenica durch bosnisch-serbische Truppe am 11. Juli 1995 wurden rund 8.000 bosniakische Männer und Burschen vor den Augen der dort stationierten niederländischen „Blauhelme“ aussortiert, um in der Umgebung der Stadt brutal ermordet zu werden. Frauen wurden nach Tuzla, damals unter Kontrolle muslimischer Truppen, vertrieben.

Die Leichen der Opfer – wobei nach etwa 1.200 weiterhin gesucht wird – wurden nach dem dreijährigen Krieg (1992-1995) in 76 Massengräbern und an 150 anderen Stellen gefunden. Die gesamte Opferzahl beläuft sich auf 8.372. Nach Angaben der bosnischen Behörden waren 550 im Juli 1995 noch minderjährig.

Vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) laufen weiterhin die Prozesse gegen den bosnisch-serbischen Militärchef Ratko Mladic und den ehemaligen Präsidenten der bosnischen Republika Srpska, Radovan Karadzic. Mehrere ehemalige hohe bosnisch-serbische Offiziere wurden in den früheren Jahren zu langen Haftstrafen, drei zu lebenslanger Haft, verurteilt.

Feierlicher Gedenktag geplant

In Srebrenica werden an die 90 Delegationen, darunter die Präsidenten Sloweniens, Kroatiens, Montenegros und Mazedoniens, erwartet. An der Gedenkfeier wird auch die EU-Außenpolitikbeauftragte Federica Mogherini teilnehmen. Zum ersten Mal soll mit Aleksandar Vucic auch ein serbischer Regierungschef dabei sein.

Serbische Sicherheitsdienste warnten zuletzt laut Medienberichten am Freitag vor möglichen Provokationen nationalistischer Gruppen. Den Anlass soll das russische Veto gegen eine Srebrenica-Resolution im UNO-Sicherheitsrat am Mittwoch geliefert haben, das von serbischen Behörden begrüßt worden war. Serbien hatte den Resolutionsentwurf als serbenfeindlich eingestuft. Die Resolution würde nur neue Konflikte auslösen, hieß es in Belgrad.

apa

stol