Dienstag, 27. Februar 2018

Jean-Marie Le Pen veröffentlicht Memoiren

Er ist ein rechtsextremer Scharfmacher und gerichtlich verurteilter Hetzer und zieht mit dem Schlachtruf „Die Franzosen zuerst” seit Jahrzehnten gegen Einwanderer zu Felde: Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen. Am Mittwoch erscheint der erste Band seiner Memoiren, kurz vor seinem 90. Geburtstag im Juni.

Am Mittwoch erscheint der erste Band von Jean-Marie Le Pens Memoiren, kurz vor seinem 90. Geburtstag.
Am Mittwoch erscheint der erste Band von Jean-Marie Le Pens Memoiren, kurz vor seinem 90. Geburtstag. - Foto: © APA/AFP

Der Zeitpunkt ist auch eine Kampfansage an seine Tochter Marine Le Pen: Sie will ihrem Vater bei einem Parteitag Anfang März den Ehrenvorsitz der Front National nehmen, aus der sie ihn bereits vor drei Jahren ausgeschlossen hat.

Die ersten 50.000 Exemplare von Jean-Marie Le Pens Buch „Fils de la nation” (Sohn der Nation) sind nach Verlagsangaben bereits im Voraus ausverkauft. In seinen Memoiren zeigt Le Pen keinerlei Reue über seine Ausfälle - allen voran seinen Satz, die Gaskammern der Nazis seien „ein Detail der Geschichte des Zweiten Weltkriegs”.

Deswegen wurde er mehrfach wegen Leugnung von Kriegsverbrechen und Anstachelung zum Hass verurteilt. Im Jahr 2015 nahm seine Tochter Marine seine Äußerungen zum Anlass, mit ihrem unbelehrbaren Vater in aller Öffentlichkeit zu brechen und ihn aus der Front National (FN) auszuschließen.

”Politischen Selbstmord” beging Jean-Marie Le Pen nach den Worten seiner Tochter auch mit seinen endlosen Lobeshymnen auf den Nazi-Kollaborateur und Anführer des Vichy-Regimes, Marschall Philippe Petain. Ihn nennt Vater Le Pen in seinen Memoiren einen „Helden”.

Seiner jüngsten Tochter und FN-Chefin Marine wirft er seit seinem Parteiausschluss „Verrat” vor. Besonders verübelt er der 49-Jährigen, dass sie beim Parteitag am 10. und 11. März in Lille den Posten des Ehrenvorsitzenden abschaffen will und einen neuen Namen für die Front National sucht. Damit mache sie sich des „Mordes an der Front National” schuldig, betonte er.

„Die Franzosen zuerst“

Die Partei hatte der ehemalige Fremdenlegionär 1972 zusammen mit Neofaschisten, früheren Waffen-SS-Mitgliedern und Gegnern der Unabhängigkeit Algeriens gegründet, bis 2011 stand er der FN fast vier Jahrzehnte vor.

Wurzel der Fehde mit seiner Tochter ist Marine Le Pens Kurs der „Entteufelung”, mit der sie die Front National für gemäßigtere Wählerschichten geöffnet hat. Bei der Präsidentschaftswahl unterlag sie zwar Emmanuel Macron, aber erstmals stimmten mehr als zehn Millionen Franzosen für die Rechtspopulistin.

Das sind fast doppelt so viele wie Jean-Marie Le Pen bei seinem größten politischen Triumph mobilisieren konnte: den Einzug in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl 2002 gegen den Konservativen Jacques Chirac. Damit hatte er seine extrem rechten Thesen massentauglich gemacht. Bis heute gehören seine Forderungen nach einer Schließung der Grenzen und der Vorrang für Franzosen bei der Arbeitssuche zum FN-Programm.

Le Pen wollte den Vater rächen 

Le Pens Rechtsextremismus alter Schule fußt auf Kriegserlebnissen. Am 20. Juni 1928 im bretonischen Trinite-sur-Mer geboren, wird er mit 16 zum Kriegswaisen, als sein Vater 1944 durch eine Mine getötet wird.

Sein Plan, den Vater zu rächen, geht jedoch nicht auf, wie er in einer aufschlussreichen Passage seiner Memoiren erzählt: Zwar bietet sich ihm die Gelegenheit, einen deutschen Soldaten zu erschießen, aber er bekommt Herzrasen. „Tut mir leid, ich kann es nicht”, gesteht er seinen Kumpanen.

Nach dem Krieg wird Le Pen dann zu einem der prominentesten Verteidiger der Nazi-Besatzung, die er - trotz 76.000 ermordeter französischer Juden - „nicht besonders unmenschlich” nennt.

In einem aktuellen Interview zeigt der oberste Brandstifter der Nation bei der Judenverfolgung wenig Einsicht: „Vielleicht” werde er den Holocaust im zweiten Band seiner Memoiren anerkennen, sagte er dem Sender CNews. „Schließlich war er ein wichtiges historisches Phänomen.”

apa/ag.

stol