Sein größtes Anliegen: die Kultur von qualitativ hochwertigem Kaffee zu verbreiten. „Denn das Niveau des Kaffeeverständnisses der Menschen ist traurig“, sagt Hofer.<BR /><BR />Der 46-Jährige, der vor seinem Einstieg ins Kaffeegeschäft unter anderem auch im Weinsektor tätig war, nutzt gerne Vergleiche mit Wein, um seine Meinung zu verdeutlichen. Zum Beispiel: „Es gibt Kaffees, da steht 100 % Arabica drauf. Bei Wein hieße das zum Beispiel: Rotwein“, sagt er. „Mit dem Zusatz eines Landes: Rotwein aus Italien.“ Das würde kein Mensch kaufen, ist sich Hofer sicher. Arabica sei eine Pflanze, von der es 600 Varietäten gebe. „Und dazu kommt die Aufbereitung von Rohkaffee hinzu, wo sich noch einmal eine ganze Welt eröffnet.“<h3> Experte für komplizierte Abläufe und Geschmack</h3>Einen Schritt zurück: Was macht ein Kaffeeröster eigentlich? „Er ist wie ein Koch“, erklärt Moritz Hofer. „Viele meinen, ich gebe oben Rohkaffee in die Maschine hinein, erhitze das Ganze und unten kommt er braun heraus. So einfach ist das nicht.“ Hinter diesen Abläufen stecken viel Physik, Chemie und mehr. Und eine Menge Erfahrung. „Zudem muss ich den Kaffee, nachdem ich ihn auf eine gewisse Weise geröstet habe, verkosten. Und verkosten können“, so Hofer.<BR /><BR />Dafür ist er in Südtirol der Experte schlechthin. Denn: Moritz Hofer ist in der Region Trentino-Südtirol der einzige Quality Grader. Das ist die höchste international anerkannte sensorische Ausbildung. „Dabei geht es darum, Kaffee richtig zu verkosten und zu analysieren. Denn darauf baut alles andere auf.“ Darüber hinaus hat der Kaffee-Experte eine ganze Palette von Grund- und Spezialausbildungen der Specialty Coffee Association, eines internationalen Kaffeedachverbands, abgeschlossen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1282305_image" /></div> <BR /><BR />Was für ihn die Faszination am Kaffee ausmacht? „Dass er ein Getränk ist, das nie gleich ist“, erklärt Moritz Hofer. „Wie beim Wein.“ Die verschiedenen Varietäten und Herkunftsländer, die Röstung, die Extraktion als Espresso, Mokka, Filterkaffee usw., damit dann die „perfekte“ Tasse Kaffee herauskomme. „Das müssten wir Südtiroler alles mit Wein vergleichen, weil es da genau gleich ist“, betont Hofer. Das Ganze sei sehr komplex: „Wein hat, soweit ich weiß, knapp 800 flüchtige Aromen, bei Kaffee sind es über 1.200.“ Bei der Arbeit mit einer neuen Kaffeesorte wird Moritz Hofer immer noch nervös. „Man hat zwar Erfahrungswerte, fängt aber immer von vorne an“, beschreibt er. „Und das kann auch mal ordentlich schiefgehen.“ Das merke man aber erst am nächsten Tag beim Verkosten. <BR /><BR />Für die neuen Kaffeesorten ist Davide Spinelli zuständig. Er ist acht bis zehn Monate im Jahr auf Plantagen unterwegs. „Das heißt aber nicht, dass wir alle unsere Produzenten kennen, das ist unmöglich“, unterstreicht Hofer. „Wir bekommen sogenannte Sampler der Kaffeesorte. Dann wird geröstet, verkostet und entschieden, ob wir sie in unser Sortiment aufnehmen oder nicht. Und vor allem, wie: als Espresso/Mokka, Filterkaffee und dergleichen.“ Daher ist der Name EligoCoffee (vom lateinischen eligere: auswählen) sehr passend. <h3> „Den Konsumenten fehlt das Kaffee-Wissen“</h3>Zurück zum anfänglichen Vergleich mit Wein. „Der Großteil der Bevölkerung hat keine Ahnung, welchen Kaffee er eigentlich trinkt. Das ist meiner Meinung nach komplett falsch“, sagt Moritz Hofer. „Alle unsere Kaffees sind rückverfolgbar. Das ist mir sehr wichtig, denn wir haben nichts zu verstecken.“ Und: „Nur wenn der Endverbraucher weiß, was er trinkt, kann man endlich aufhören mit der Frage, wie viel eine Tasse Espresso kosten darf.“ Dabei werde alles über einen Kamm geschert, das dürfe nicht sein. „Das wäre bei Wein unmöglich und ist bei Kaffee nicht anders“, betont Hofer. Aber mit einem Unterschied: „Viele Röstereien geben nicht an, was in ihrem Kaffee drin ist, und dem Konsumenten fehlt das Know-how. Das wird ausgenutzt.“ <BR /><BR />Doch das ändere sich langsam, aber sicher. Auch weil der Trend eher zum Kaffeekonsum hingehe und weg vom Alkohol. „Wir hatten im vergangenen Jahr Leute aus 26 Ländern in der Rösterei – von Australien über Saudi-Arabien bis nach Nordeuropa“, erzählt Moritz Hofer. „Vor allem Leute, die gezielt qualitativ hochwertigen Kaffee suchen. Und das in Branzoll!“<BR /><BR />Erst seit zweieinhalb Jahren gibt es EligoCoffee, den Geschäftssitz in Branzoll seit eineinhalb. Die Anfänge waren schwer: „Begonnen hat das Ganze in einem kleinen Zimmer in meiner Wohnung, geröstet haben wir damals extern“, erzählt Hofer. „Wir hatten das Glück, dass einige Leute von Anfang an an die Firma geglaubt haben. Das hat sehr geholfen.“ <BR /><BR />EligoCoffee ist auf fünf Säulen aufgebaut, so Hofer: Privatkunden, Geschäftskunden, Kurse/Verkostungen, Onlineshop und Beratertätigkeit. „Am wichtigsten ist der direkte Kontakt zum Menschen, dann kann ich versuchen, ihm meine Leidenschaft zu vermitteln“, sagt er. „Jeder, der ein bisschen offen ist für etwas Neues, findet einen Kaffee, der ihm schmeckt.“<h3> Erfolgreich bei Wettbewerben in Italien</h3>Persönlich durfte Moritz Hofer vor Kurzem einen Prestigeerfolg feiern. Er belegte bei den Kaffee-Italienmeisterschaften auf der Sigep-Messe in Rimini den dritten Platz in der Kategorie IBRIK Coffee. „Diese Disziplin zelebriert die älteste Kaffee-Extraktionsmethode der Welt. Man sagt, sie sei einige Tausend Jahre alt“, erklärt Hofer. „Dabei wird der Kaffee in einen kleinen Topf gegeben, mit Wasser vermischt und dann auf eine Wärmequelle gestellt. Sobald der Kaffee „kocht„, wird er in die Tasse gegossen und man wartet, bis er sich sedimentiert, und dann kann man ihn trinken.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1282308_image" /></div> <BR /><BR />„Darauf bin ich ziemlich stolz“, sagt Moritz Hofer. Denn dadurch steige sein Bekanntheitsgrad, natürlich auch für EligoCoffee. 2016 und 2019 hatte er bereits den zweiten Platz in der Disziplin Kaffeerösten belegt. „Solche Meisterschaften muss man mögen“, erklärt Hofer. Denn man sei extremem Stress ausgesetzt, und das Niveau sei sehr hoch. „Da gibt es einen riesigen Kontrast“, gibt er zu bedenken. „Einerseits bekommt man in sehr vielen Bars meiner Meinung nach schlechten Kaffee serviert, andererseits gibt es bei Meisterschaften ein Niveau, das weltweit anerkannt ist.“ <h3> Eine Branche im Wandel</h3>Außerdem erfahre man die neuesten Trends des weltweiten Kaffeesektors, meint Moritz Hofer. „Das ist wichtig in einer Branche, die es im Moment nicht einfach hat. Der Markt entwickelt sich sehr schnell und hat sehr große Schwankungen.“ Der Trend werde in den kommenden Jahren darauf hinauslaufen, dass die Endkonsumenten viel bewusster einkaufen und nachfragen, was effektiv in einem Produkt enthalten ist. Deshalb sei die Rückverfolgbarkeit, die er sich auf die Fahne geschrieben hat, auch so wichtig. <BR /><BR />Dieser Herkunftsnachweis ist auch der Grund, warum EligoCoffee fast keinen Bio-Kaffee im Sortiment hat. „Denn die Spur von Bio-Kaffee kann ich meist nur bis zu einem Konsortium verfolgen, das ein riesiges Einzugsgebiet hat“, erklärt Hofer. Dazu komme die Qualität, die für seinen Geschmack meistens noch nicht ein ausreichend hohes Niveau habe. „Es gibt aber auch Ausnahmen: Wenn Bio-Kaffee bis zur Finca zurückverfolgbar ist, gibt es ihn auch bei EligoCoffee.“