Montag, 02. Oktober 2017

Katalonien: „Ja“-Lager gewinnt mit 90 Prozent der Stimmen

Bei dem umstrittenen Referendum über die Unabhängigkeit in der spanischen Region Katalonien haben die Unabhängigkeitsbefürworter am Sonntag mit rund 90 Prozent der Stimmen gewonnen. Das teilte die katalanische Regionalregierung in der Nacht auf Montag in Barcelona mit. Zuvor hatte Kataloniens Regierungschef Carles Puigdemont bereits die Loslösung der Region von Spanien eingefordert.

Geduldig warteten die Wähler, hier in Barcelona, auf das Ergebnis des Referendums.
Geduldig warteten die Wähler, hier in Barcelona, auf das Ergebnis des Referendums. - Foto: © APA/AFP

Nach Angaben des Regierungssprechers Jordi Turull gaben aber nur knapp mehr als die Hälfte der 5,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimmen ab: Insgesamt seien 2,26 Millionen Stimmzettel gezählt worden, die Zahl der Ja-Stimmen habe bei 2,02 Millionen gelegen. 6,8 Prozent stimmten der katalanischen Zeitung „Vanguardia“ zufolge gegen die Abspaltung.

Polizisten gingen gegen Wähler vor

Die Regionalregierung in Barcelona hatte das Referendum trotz eines gerichtlichen Verbotes und gegen den Willen der Zentralregierung in Madrid durchgezogen. Die Madrid unterstehende Polizei war mit einem Großaufgebot gegen das Referendum vorgegangen.

Polizisten schlossen Wahllokale, beschlagnahmten Abstimmungsunterlagen und hinderten Menschen mitunter mit Schlagstöcken und Gummigeschoßen an der Stimmabgabe. Nach amtlichen Angaben wurden 844 Menschen verletzt, darunter einige schwer.

Der Sprecher der katalanischen Regionalregierung sprach von „Unterdrückung durch den spanischen Staat“ und einer „Schande Europas“ und kündigte juristische Schritte gegen die Zentralregierung in Madrid an. Diese werde sich vor internationalen Gerichten wegen der Gewalt verantworten müssen.

„Wir haben das Recht gewonnen, einen unabhängigen Staat zu haben“, erklärte Puigdemont am Sonntagabend in Barcelona, noch vor der Bekanntgabe der Resultate. Nach einem vom katalanischen Parlament verabschiedeten „Abspaltungsgesetz“ soll die Unabhängigkeit bei einem Sieg des „Ja“-Lagers innerhalb von 48 Stunden ausgerufen werden.

Rajoy bezeichnet Abstimmung als Inszenierung

Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy verteidigte das Vorgehen der Polizei am Abend in einer Fernsehansprache als Abwehr eines Angriffs auf den Rechtsstaat. Die Abstimmung bezeichnete Rajoy als Inszenierung, welcher er jede Gültigkeit absprach.

Es habe kein Unabhängigkeitsreferendum gegeben, sagte der spanische Regierungschef. Er hoffe, dass die katalanische Führung den Weg verlassen, der nirgends hinführe.

apa/dpa/reuters/afp

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stol