Denn nur, weil uns unser Denkorgan einen Rahmen vorschlägt, der seinen Berechnungen nach der Passendste zu sein scheint, heißt das noch lange nicht, dass wir uns damit abfinden müssen. „Reframing“ lautet hier das Zauberwort. <BR /><BR /><b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Machen Sie doch einfach Ihre Arbeit und vergeuden Sie nicht unnötig Zeit! Wer es im Job zu etwas bringen will, braucht Disziplin, keine Flausen im Kopf!“ Was würden Sie wohl denken, wenn Sie von Ihrem Chef eine derartige Rückmeldung bekämen? Ihre Freude hielte sich sehr wahrscheinlich in Grenzen. Viel eher wären angesichts einer solchen Aussage Zweifel eine durchaus logische Folge. <BR /><BR />„Bin ich überhaupt imstande, es zu etwas bringen? Oder bin ich wirklich der Versager, für den mich alle halten?“ Versager? Warum denn? Weil ihr Vorgesetzter sich an den „Flausen im Kopf“ stört? Ich glaube, hier ist es an der Zeit für eine Neubewertung, ein sogenanntes Reframing. <BR /><BR />Dass unser Gehirn absoluter Weltmeister im Interpretieren und Bewerten ist, steht außer Frage. Nicht nur Ereignisse und Erfahrungen, sondern sogar einzelne Wörter werden in unserem Kopf in ein komplexes Geflecht aus erworbenem Wissen, bekannten Situationen und durchlebten Gefühlen eingeordnet. <BR /><BR />Daraus ergibt sich ein Rahmen, der das Ganze wie ein Bild umschließt. Doch wer sagt, dass wir diesen nicht auch tauschen können? Richtig: niemand! Sollte uns eine andere Einfassung besser gefallen, sind wir jederzeit frei, diese zu wählen. Manchmal tun wir sogar gut daran, es zu versuchen – nicht zuletzt deshalb, weil sich damit auch das Licht auf den Inhalt ändert.<h3> Neue Bedeutung, neuer Kontext</h3>Dabei stehen uns 2 Möglichkeiten zur Verfügung. Zum einen können wir die Bedeutung eines Begriffes, einer Aussage oder einer Situation an sich verändern, das heißt, wir arbeiten bewusst daran, dem Gehörten oder Erlebten einen anderen Wert beizumessen. <BR /><BR />Anstatt uns schon wieder darüber zu ärgern, dass der Partner oder die Partnerin die Nudeln zu lange gekocht hat, könnten wir beispielsweise versuchen, es als Zeichen der Wertschätzung und der Liebe zu sehen, dass uns jemand eine Freude machen wollte. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67572046_quote" /><BR /><BR />Der Blickwinkel hat sich verändert – und schon steht ein anderer Aspekt der Situation im Fokus, der das Positive in den Vordergrund rückt. <BR /><BR />Zum anderen können wir jedoch auch das Experiment wagen, in Gedanken den Kontext eines Ereignisses auszutauschen. Was in einem bestimmten Zusammenhang als Nachteil ausgelegt wird, könnte unter anderen Umständen durchaus etwas Positives sein.<BR /><BR /> Wenn der Chef also zu mehr Disziplin und weniger Flausen mahnt, dann mag das in dem Moment eine niederschmetternde Kritik sein. Wer aber hat behauptet, dass es nicht auch ein Umfeld gibt, in dem gerade die so sehr gerügte Kreativität nicht nur geduldet, sondern regelrecht gewünscht wird? <BR /><BR />Dort werden „Versager“ plötzlich zu Helden und scheinbar schlechte Charaktereigenschaften zu unverzichtbaren Perlen. Manchmal kann es nützlich sein, nicht nur sich selbst, sondern auch die Umstände kritisch zu hinterfragen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1030308_image" /></div> <embed id="dtext86-67572045_listbox" />