„Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.“ „Ich muss erst noch darüber nachdenken.“ „Die Lösung ergibt sich bestimmt von selbst.“ Und so passiert…nichts. Oder vielleicht doch?<BR /><BR /><b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Eigentlich ist es merkwürdig: Obwohl wir nichts entscheiden, legen wir uns trotzdem fest. Wir beschließen, dass vorerst alles so bleiben soll, wie es ist. Und genau das wird im Alltag gerne übersehen. Denn während wir einen aktiv gefassten Entschluss als etwas empfinden, das Konsequenzen nach sich zieht, erscheint das Nichtstun zunächst angenehm unverbindlich. Wir müssen uns keinen Zentimeter fortbewegen, kein Risiko eingehen und niemandem erklären, warum wir diesen und nicht jenen Weg bevorzugen.<BR /><BR />Am Ende hat jedoch auch das seinen Preis, denn die ungelöste Frage verschwindet nicht einfach, nur weil wir sie vor uns herschieben. Sie bleibt im Hinterkopf, kostet Aufmerksamkeit und bindet Energie. Vielleicht nicht permanent und immer gleich stark, aber doch zuverlässig genug, um uns irgendwann mürbe zu machen. Wir gewöhnen uns an einen Zustand, der uns nicht mehr guttut, und beginnen sogar damit, ihn zu rechtfertigen. „So schlimm ist es ja gar nicht.“ „Andere wären froh, wenn sie das hätten.“ „Es könnte schließlich noch viel schlimmer kommen.“<BR /><BR />Damit wird aus einer vorübergehenden Entscheidungsschwierigkeit mitunter ein dauerhafter Zustand. Wir bleiben in einem Job, der uns längst nicht mehr erfüllt, halten an einer Beziehung fest, die uns Kraft kostet, oder verzichten auf einen Schritt, den wir insgeheim schon lange gehen möchten. Nicht, weil wir davon überzeugt sind, dass es der richtige Weg ist, sondern weil die Alternative uns Angst macht. Was wir suchen, ist absolute Sicherheit. Erst dann glauben wir, dass wir loslegen dürfen. <h3> Klarheit kommt auf dem Weg</h3>In Wahrheit jedoch ist es gerade diese falsche Vorstellung, die uns die besten Chancen und Möglichkeiten nimmt. Der Startschuss für etwas Neues ist keine logische Folge aus der zuvor erlangten Gewissheit. Viel eher entsteht Klarheit, wenn wir beginnen, etwas zu tun. Erst dadurch sammeln wir Erfahrungen und neue Informationen, die uns dann und wann sogar alte Überzeugungen überdenken lassen. <BR /><BR />Eine Entscheidung ist nämlich in den seltensten Fällen ein unauflöslicher Vertrag mit der Zukunft. Sie ist zunächst einmal eine Richtung – und manchmal ist eine falsche Abzweigung sogar wertvoller als jahrelanges Stehenbleiben. <BR /><BR />Versuchen Sie deshalb einmal, sich an der nächsten Kreuzung, an der Sie sich wiederfinden, nicht nur zu fragen: „Was passiert, wenn ich diesen oder den anderen Weg einschlage?“, sondern auch: „Was passiert, wenn ich mich weiterhin nicht entscheide?“ Die Antwort darauf ist oft überraschend eindeutig.<h3> Zur Person</h3><div class="img-embed"><embed id="1172901_image" /></div> <BR />Doris Ebner ist diplomierte Neuromentaltrainerin. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie ihre Faszination für die Gehirnforschung und die Kraft der Gedanken entdeckt und erfahren, welche Möglichkeiten darin verborgen liegen. Ihre besondere Begeisterung gilt dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb sie mit Leidenschaft ihr Wissen an andere Menschen weitergibt und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Zudem hat Doris Ebner Germanistik und Musik studiert und arbeitet als Redakteurin.