Sonntag, 18. Oktober 2015

KFS: Familienfreundliche Gemeinden im Bezirk Bozen

In den vergangenen Monaten haben die Zweigstellen des Katholischen Familienverbandes Südtirol (KFS) die Familienfreundlichkeit der eigenen Gemeinde bewertet. Die bezirksspezifische Auswertung für Bozen bestätigt die landesweiten Trends: Negativ fallen das Fehlen von Wickelmöglichkeiten, fehlende Angebote zur Integration sowie die Wartelisten für Sozialwohnungen auf. Gelobt werden die Anzahl der Gottesdienste und die Bürgerinformation.

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Foto: © shutterstock

Der Arbeitskreis Familienpolitik im KFS hatte einen mehr als 60 Fragen umfassenden Katalog erarbeitet und die Zweigstellenausschüsse (114) mit der Beantwortung beauftragt. Der Bezirk Bozen im KFS umfasst Zweigstellen in Blumau, Bozner Boden, St. Michael/ Eppan, Girlan, Kaltern, Karneid, Kastelruth, Lengmoos/ Klobenstein, Mölten, Oberbozen, Perdonig/ Gaid, Sarnthein, Seis, St. Pauls/ Missian, Steinegg, Tiers, Unterinn und Welschnofen. Knapp 80 % der Zweigstellen haben an der Befragung teilgenommen. Bezirksleiterin Inge Weiss freut sich über die rege Teilnahme: „Durch die hohe Teilnahme haben wir ein klares Bild erhalten. Gerade im Bezirk Bozen, wo durch die Stadtnähe der Anteil an ausländischen Bürgern höher ist, wünschen sich die Befragten mehr Angebote zur Integration. Es wird bemängelt, dass das Thema zwar in der Schule angesprochen wird, aber ansonsten passiert wenig. Das Angebot sollte über Sprachkurse hinausgehen.“

Bezirk Bozen: Als besonders positiv wird die Anzahl der Gottesdienste und der Kindergottesdienste bewertet.

Mit einer Zufriedenheit von über 90% werden auch die Beratungsdienste, das Gemeindeblatt - Bürgerinformation und die Jungschargruppen - Ministranten bewertet. Der Windelbonus wurde mit der Note 9 von möglichen 10 bewertet. Die Zweigstellen im Bezirk Bozen geben ein klares Statement bzgl. Räume für Wickelmöglichkeiten ab: Es wird die Durchschnittsnote 3 vergeben. Weiteres werden die Angebote zur Integration und die Wartelisten für Sozialwohnungen als wenig zufriedenstellend mit Angaben unter 40% Zufriedenheit bewertet. Verbesserungswürdig sind das Sommerangebot für Oberschüler, die Nachmittagsbetreuung in der Schulzeit sowie die öffentlichen Toiletten.

Vereinspräsidentin Angelika Mitterrutzner sagt: „Die Zweigstellen haben somit eine Diskussionsgrundlage für Vorschläge und Verbesserungen. Die territoriale Aufschlüsselung und der landesweite Vergleich, geben Aufschluss darüber, was wo verbessert werden muss.“ Valentin Mair, der Leiter des Arbeitskreises Familienpolitik, befürwortet die mittlerweile beschlossene GiS-Befreiung für Erstwohnung: „Zusätzliche Vergünstigungen bei der GiS wurden auch im Fragebogen immer wieder erwähnt. Wir begrüßen, dass durch die Umsetzung dieser Maßnahme die Familien unterstützt werden.“

Notwendige Maßnahmen und Forderungen des KFS zur Verbesserung:

Auf Orts- bzw. Zweigstellenebene: 1. Bildungsangebote für Familien schaffen 2. Sommerangebote für Grund-, Mittel- und Oberschüler verbessern 3. wo nicht vorhanden, Schülerlotsendienst

Gemeindeebene: 1. zusätzliche GIS-Vergünstigungen für Familien 2. kein IRPEF Gemeindezuschlag

3. Windelbonus für Kinder von 0-4 Jahren und pflegebedürftige Angehörige 4. angemessene Kindergartengebühren 5. familienfreundliche Mensagebühren

Auf Landesebene: 1. allgemein gültige Regelungen für familienfreundliche Gebühren und Tarife schaffen 2. familienfreundliche Steuerbedingungen (z.B. IRPEF, KFZ Steuer usw.) 3. Maßnahmen zur Integration

4. verbesserte Angebote für Kinderbetreuung (KiTas, Tagesmütter usw.) 5. (finanzielle) Anerkennung der Elternarbeit, Schaffung von Wahlfreiheit.

AUSWERTUNG

Der Fragebogen war in die Kapitel Betreuungsangebote, Bildung, Öffentliche Angebote, Mobilität, Wohnsituation, Kirche, Gebühren und Anderes unterteilt. In der Bewertung konnten Noten zwischen eins (schlechtestes) und zehn (bestes) vergeben werden. Das Ergebnis wurde nun in Form eines Infoblattes veröffentlicht.

Landesweit positiv bewerten wurden: Bibliotheken, Nahversorgung, Bürgerinformation, Bildungsangebote für Erwachsene, öffentlicher Verkehr, Anzahl der Gottesdienst und das Vereinsleben. Handlungsbedarf besteht bei: Räumen für Wickelmöglichkeiten, Angeboten zur Integration, Nachmittagsbetreuung in der Schulzeit, Sommerangeboten für Oberschüler, Bildungsangeboten für Jugendliche, Windelbonus und der barrierefreien Mobilität.

Im Kapitel Betreuungsangebote kann man bei der Nachmittagsbetreuung in der Schulzeit sowie beim Sommerangebot für Oberschüler markante Noten feststellen. Vor allem beim Sommerangebot für Oberschüler werden durchschnittliche Werte im unteren und mittleren Bereich vergeben wie z.B. Bozen (5) und Pustertal (6,5) oder Vinschgau (7). Bei der Nachmittagsbetreuung in der Schulzeit können große Unterschiede festgestellt werden, beginnend mit einer Durchschnittsnote von 5,25 in Bozen und 5,4 im Pustertal bis hin zu 8,57 im Burggrafenamt und 9 im Vinschgau. Eine Teilnehmerin merkte an, dass bei der Sommerbetreuung noch mehr der Altersunterschied bei den Kindern zu berücksichtigen ist.

Im Sektor Bildung wurden die Bildungsangebote für Erwachsene durchwegs als besonders gut bewertet mit Werten zwischen 7,29 in Bozen und 8,5 im Unterland. Die Bildungsangebote für Jugendliche werden mit einer Durchschnittsnote von 6,85 weniger zufriedenstellend bewertet.

Im sehr breit gefächerten Bereich der öffentlichen Angebote stechen negativ die fehlenden Räume für Wickelmöglichkeiten (4,61) sowie die fehlenden Angebote zur Integration (5,95) heraus. Überaus positiv werden die Bibliotheken im Land, die Nahversorgung und die Bürgerinformation über Gemeindeblätter bewertet (8,5).

Im Bereich Mobilität wird der öffentliche Verkehr mit einer landesweiten Durchschnittsnote von 8,29 positiv bewertet - das Eisacktal erzielt mit 9 die höchste Bewertung. Die barrierefreie Mobilität ist durchaus verbesserungswürdig: Die Werte liegen im unteren - Pustertal 5,33 - bzw. mittleren Bereich: Raum Bozen bei 7.

Durchwegs positiv werden die Fragen im Bereich Kirche bewertet. Und auch das reichhaltige Vereinsleben wird in den Gemeinden gelobt.

Katholischer Familienverband Südtirol, Bozen

stol