Dienstag, 13. Januar 2015

"König Napolitano" verlässt das "Gefängnis"

Nach neun Jahren im Sattel reicht Präsident Giorgio Napolitano am Mittwoch seinen Rücktritt ein. Am Dienstag traf der 89-Jährige noch die Mitarbeiter im Quirinal und dankte ihnen für die gute Zusammenarbeit. "Ich freue mich, nach Hause zurückzukehren. Es geht einem gut hier, es ist alles sehr schön. Aber es ist ein wenig wie im Gefängnis", sagte Napolitano.

Giorgio Napolitanos Amtszeit hat ein Ende.
Giorgio Napolitanos Amtszeit hat ein Ende. - Foto: © LaPresse

In Italien wird er respektvoll „Re Giorgio“ genannt, „König Giorgio“. Der erste Ex-Kommunist, der zum Staatschef aufgerückt ist, kehrt wieder in seine Wohnung in der zentralen Via dei Serpenti unweit des Kolosseums zurück, in der er mit seiner Ehefrau Clio bis zur Wahl zum Staatspräsidenten 2006 gewohnt hatte.

Das Staatsoberhaupt wird sich voraussichtlich einen kurzen Urlaub gönnen, bleibt jedoch der Politik erhalten. Als ehemaliger Staatschef zieht Napolitano als Senator auf Lebenszeit wieder ins Parlament ein. Er wird das Büro besetzen, das sein vor drei Jahren verstorbener Vorgänger Oscar Luigi Scalfaro innehatte.

Neun Jahre im Amt

Der 89-Jährige war in den vergangenen Jahren die Schlüsselfigur in der italienischen Politik. Er steuerte das Land in seiner fast neunjährigen Amtszeit als Staatspräsident durch vier turbulente Regierungswechsel und durch die Finanzkrise 2011, die Europas drittgrößte Volkswirtschaft fast in den Abgrund gerissen hätte.

Auch im Ausland ist der europafreundliche Napolitano äußerst angesehen.

Suche nach Nachfolger

Mit Napolitanos Demission beginnt offiziell die Suche nach einem Nachfolger. In Italien läuft das "Toto Quirinale", das Präsidentenraten, schon seit mehreren Wochen auf Hochtouren. Gehandelt werden 20 bis 30 Personen, darunter politische Schwergewichte wie die Ex-Premiers Romano Prodi, Massimo D'Alema und Giuliano Amato.

Für möglich gehalten wird auch eine Kandidatur eines Technokraten. Häufig fällt der Name von Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan. Er steht hoch in der Gunst von Napolitano. Aber auch Ignazio Visco, dem Gouverneur der Banca d'Italia, und Antikorruptionskämpfer Raffaele Cantone werden Chancen eingeräumt.

stol/mit/ker

stol