Ihr Bühnenjubiläum feierten die Südtiroler Musiker bei der „20 Jahre Frei.Wild Jubiläumsshow“ mit 30.000 Fans im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Und es gab für Frontmann Philipp Burger einen ganz besonderen Moment. <BR /><b><BR /><BR />1000 Prozent Emotion beim Alpen Flair, Zigtausende Fans bei der „20 Jahre Frei.Wild Jubiläumsshow“ in Dresden. Blieb da die Zeit zum Runterkommen?<BR /></b>Philipp Burger: Vielen Dank. Auch wenn uns das viele nicht glauben, aber Zeit für unsere Familien, für Ausgleich durch Freunde, Sport und selbst mal wirklich reine Zeit für Muse nehmen wir uns alle. Wir möchten auch niemandem was vormachen, aber wir sind trotz all unserer Gewerke eine ziemlich disziplinierte und auch ziemlich gut organisierte Band, die mittlerweile auch gut delegieren kann. Wir alle kennen aber auch die Momente, an denen unsere Akkus leer waren und steuern genau diesen Gefühlen durch Auszeiten und persönliche Freiräume dagegen.<BR /><BR /><b>Wie hat die Band das Konzert in Dresden erlebt? Welche waren die bewegendsten Momente für euch?<BR /></b>Burger: Jeder hat wie immer eigentlich seinen für sich persönlichsten Moment, das ist in dieser Band auffällig und in den Nachbesprechungen im Backstage auch immer wieder interessant zu erfahren. Der für mich fast schon magischste Moment war, und da hat es mir tatsächlich Tränen in die Augen getrieben, dieses unfassbar mächtige Händemeer beim Song „Trotzdem weitergehen“. <BR />Die Geschichte dahinter ist die, dass ich den Song im vergangenen Jahr schrieb und mir beim Komponieren tatsächlich meine Finger verrutscht sind, ich somit also die in meinem Kopf abgedachte Melodie auf einem zu tiefen Akkord startete. Plötzlich war da diese für mich echt so bezeichnete Stadionhymne da und siehe da. 30.000 Menschen, alles Leute die den Song noch nie live gehört haben, sangen ihn mit einer dermaßen beeindruckenden Inbrunst, dass ich wusste, hier hat mir der liebe Gott wirklich genau diesen einen Stadion-Hit zugeschanzt, den wir unbedingt brauchten. Solche Lieder und Momente sind nicht erzwingbar, sie kommen oder kommen eben nicht. Und Dresden lieferte den Beweis. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="786434_image" /></div> <BR /><BR /><b>Von Garagenband zu Superstars – Was waren eurer Meinung nach die ganz großen „Eckpfeiler“ eurer außergewöhnlichen Karriere?<BR /></b>Burger: Unsere wirklich immer an uns glaubenden Familien, aber auch unsere Freunde, unsere Crew und unsere Fans, gaben uns wirklich zu jeder Sekunde das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Egal, wie stark die Angriffe gegen uns waren und egal, wie tief auch manche Enttäuschung über manche Kollegen und Veranstalter bei uns saß, wir hatten nie das Gefühl alleine zu sein und strengten uns dann noch mehr an. Auch aus Genugtuung allen zu beweisen, dass uns solche Affronts nicht aufhalten können. Und wir spürten schon immer diese ungemeine Kraft unserer Liebsten im Nacken, die uns wahrlich immer stärkte und immer wieder neu motivierte. <BR />Ich glaube auch, dass wir alle ziemlich bodenständige Menschen sind, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Wir ließen die Hände von Drogen, achteten immer auf gegenseitigen Respekt und hatten bis heute immer große Freude dran, unserem Traum gemeinsam entgegen zu schreiten. Ich denke, das alles und noch vieles mehr sind die Eckpfeiler, wenn auch wir um den großen Segen wissen, das Glück und manchen Schutzengel an unserer Seite zu wissen.<BR /><BR /><b>Seid ihr in den vergangenen Jahren zu Platten-Millionären geworden?<BR /></b>Burger: Naja, sagen wir es wie es ist, die Musik hat uns sicher viele Möglichkeiten gegeben, die wir als klassische Angestellte im Handwerk nicht bekommen hätten. Allerdings hätten dort auch weniger graue Haare bekommen (lacht). <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="786437_image" /></div> <BR /><BR /><b>Euer Stichwort war stets „Gegenkultur“. In den vergangenen 2 Jahrzehnten scheint ihr aber zu „Kultur“ geworden zu sein. Ein gutes Gefühl?<BR /></b>Burger: Wenn ich ehrlich bin, empfinden wir es grad auch als etwas ruhiger, manchmal auch schon fast zu ruhig, daran mussten wir uns auch erst gewöhnen. Jetzt kann man sich natürlich fragen, ob wir bereits zu den Altherren mit Altersbonus gehören, ich hoffe nicht (lacht), oder ob die mediale „Schlachtbank“ nach neuen Kriterien selektiert. Damit könnten wir sehr gut leben.<BR /><BR /><b>Wie wurdet ihr „salonfähig“? Habt Ihr euch angepasst?<BR /></b>Burger: Das ist das Schöne, wir machen heute eigentlich nichts anderes als schon vor 20 Jahren. Wir machen keinen Bogen um irgendwelche Tabuthemen, die in der Branche sicher auch als heiße Eisen gehandelt werden, wir spielen Lieder aus dem Leben und nutzen DAS Rock’n’Roll-Werkzeug schlechthin, eine laute, unangepasste, spitze Zunge.<BR /><BR /><b>Was ist als nächstes geplant?<BR /></b>Burger: Sehr viel. Erstmal fahren wir die kommenden Festival- Konzerte in den Hafen und genießen dieses unbeschreibliche Live-Gefühl, das uns jetzt 2,5 Jahre verwehrt blieb. Danach steht die Finalisierung unseres Films an und danach stürzen wir uns in die größte Frei.Wild-Tour, die wir je gespielt haben – die „Wir schaffen Deutsch.Land“-Tour. Bis dahin ist es aber noch eine Weile hin und somit sind wir jetzt erstmal im Festival- und Urlaubsfeeling.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55077913_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>In den 20 Jahren seid ihr (um es mit dem STS-Song „Kalt und kälter“ zu sagen) „abgebrüht“ und „älter“ geworden. „Beitelt's“ die Band eigentlich noch, wenn sie vor so vielen Leuten auftritt? Kennt ihr noch Lampenfieber?<BR /></b>Burger: Und wie, es „beitelt“ alle. Lustig, denn genau über exakt diesen STS-Song haben wir neulich gesprochen. Es gibt bei uns aber in der Tat keinen einzigen, der nicht unter einer gewissen Stärke an Lampenfieber leidet. Und das ist auch gut so, Routine macht den besonderen Live-Spirit kaputt. Der eine spürt die Anspannung vor der Show in den Knien, der andere rennt nervös von A nach B und wieder ein anderer kapselt sich ab, schließt die Augen und geht das Konzert noch mal in seinem geistigen Auge durch, um sich so seine Ruhe zu holen. Auch ein Zeichen dafür, dass das Lampenfieber um sich greift, ist die Tatsache, dass wir vor wirklich jedem Konzert eine ungeheuer große Lust auf das Bier und seine entspannende Wirkung bekommen. Hier reißen wir uns aber zusammen, in den letzten Jahren zumindest (lacht).<BR /><BR /><b>Ihr könntet einmal im Jahr ein Album herausgeben und davon gut leben. Was bewegt euch dennoch, die Koffer zu packen, wie zuletzt 800 Kilometer weit zu fahren, zu proben… und dann vor so vielen Leuten aufzutreten?<BR /></b>Burger: Ganz einfach, die Liebe, die von uns geschaffene Musik auch mit anderen Menschen zu teilen.<BR />