Gerade bei wichtigen Entscheidungen wird die Intuition deshalb gerne zum persönlichen Navigationssystem erklärt. Doch kann man sich tatsächlich auf sie verlassen?<BR /><BR /><b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Es ist eine Schlüsselfrage, die simpel klingt, aber keineswegs einfach beantwortet werden kann. Unser Bauchgefühl ist nämlich keine geheimnisvolle Instanz, die unabhängig von unserem Denken arbeitet. Im Gegenteil. Häufig handelt es sich dabei um eine blitzschnelle Bewertung unseres Gehirns, die auf Erfahrungen, Erinnerungen und bereits bekannten Mustern beruht. Was wir bewusst wahrnehmen, ist nur das Ergebnis – ein gutes oder ungutes Gefühl –, während die vielen kleinen Informationen, die zu dieser Einschätzung geführt haben, im Verborgenen bleiben. <BR /><BR />In manchen Situationen kann dies ausgesprochen hilfreich sein. Wer schon seit Jahren mit Menschen arbeitet, erkennt unter Umständen innerhalb weniger Sekunden, dass bei einem Gespräch etwas nicht stimmt. Zwar zeigt sich kein konkreter Fehler, jedoch werden im Hintergrund blitzschnell unzählige Erfahrungen miteinander verglichen, die den Alarm auslösen. Unser Denkorgan erkennt die Zusammenhänge, bevor wir sie in Worte fassen können.<BR /><BR />Gleichzeitig liegt hier jedoch auch eine Crux vergraben – denn nicht jedes starke Gefühl ist automatisch Intuition. Angst kann sich beispielsweise ebenso überzeugend anfühlen wie eine innere Gewissheit.<BR /><BR /> Wer einmal schlechte Erfahrungen mit einer bestimmten Person gemacht hat, kann bei einer späteren Begegnung unbewusst ähnliche Merkmale wahrnehmen und sofort auf Distanz gehen, obwohl die neue Situation objektiv gesehen eine völlig andere ist. Ebenso hinters Licht führen kann uns übermäßige Euphorie. <BR /><BR />Ist der Wunsch nach einer Veränderung so stark, dass wir den entsprechenden Beschluss unbedingt fassen möchten, scheint plötzlich alles darauf hinzudeuten, dass dies der richtige Weg ist – unabhängig davon, ob es eine nachvollziehbare Grundlage für die Tendenz gibt oder nicht. <BR /><BR />Anstatt überstürzt zu handeln, ist es deshalb oft sinnvoll, zwischen dem ersten Impuls und einer tatsächlichen Entscheidung einen Moment verstreichen zu lassen, um dem aufkommenden Gefühl auf den Grund zu gehen: Was spricht objektiv gesehen wofür? Welche Erfahrungen könnten die Wahrnehmung beeinflussen? Und gibt es tatsächlich Anhaltspunkte für das, was ich gerade empfinde?<BR /><BR /> Der Verstand hilft uns, Fakten zu ordnen und Konsequenzen abzuwägen, während die Intuition Erfahrungen und Wahrnehmungen einbringen kann, die sich nicht immer sofort in Worte fassen lassen. Beides hat seine Berechtigung. Entscheidend ist lediglich, dass weder das eine noch das andere alleine das Kommando übernimmt. <BR /><BR />Denn nur wer die beiden Komponenten in den Dialog treten lässt, legt sich bewusst fest. Und meistens ist genau das die beste Voraussetzung dafür, mit einer Entscheidung auch dann gut leben zu können, wenn sich ihr Ergebnis erst später zeigt.<BR /><h3> Zur Person</h3><div class="img-embed"><embed id="1172901_image" /></div> <BR />Doris Ebner ist diplomierte Neuromentaltrainerin. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie ihre Faszination für die Gehirnforschung und die Kraft der Gedanken entdeckt und erfahren, welche Möglichkeiten darin verborgen liegen. Ihre besondere Begeisterung gilt dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb sie mit Leidenschaft ihr Wissen an andere Menschen weitergibt und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Zudem hat Doris Ebner Germanistik und Musik studiert und arbeitet als Redakteurin.