Noriker sind ein echtes Spektakel. Der Kopf: von herbem Adel, mit ausdrucksvollen Augen und weiten Nüstern. Der Körperbau: kompakt, mit kräftigen Muskeln und gut gelagerten Schultern. Der Schweif: gut angesetzt. Die Fellfarbe: wunderbar vielfältig. Charakterliche Kapriolen sind den Kaltblütern fremd, sie sind dennoch interessiert, wach und agil im Geist. Noriker denken mit und bringen sich ein, bleiben jedoch in der Regel gehorsam. Kurz: Europas älteste Pferderasse (gemeinsam mit den Ardennern) verkörpert Harmonie. <BR /><BR />Die Norikerrasse ist vermutlich weit über 2000 Jahre alt. Sie entstand aus der Kreuzung von schweren Warmblutpferderassen der römischen Legionäre und in den Alpen heimischen Rassen der Provinz Noricum (ungefähr die heutigen österreichischen Bundesländer Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark sowie Südostoberbayern mit dem Chiemgau). Nach dem Ende der Römerherrschaft gingen Zucht und Verwendung stark zurück und konzentrierten sich lediglich auf die Bergtäler der Provinz.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1094466_image" /></div> <BR /><BR />Heute gilt das Land Salzburg als Stammheimat der Noriker. Denn ab 1565 kontrollierten Salzburger Erzbischöfe die Zucht, sie sicherten durch besondere Maßnahmen den Erhalt der Rasse. Anfangs wurden noch durch spanische und englische Hengste Größe und Eleganz in die Rasse gebracht, zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dann die Reinzucht der Noriker erklärtes Ziel.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1094469_image" /></div> <BR /><BR />Die heutige Norikerrasse gründet sich auf 5 Hengstlinien: Vulkan (seit 1887; leichter Ramskopf; etwa 50 Prozent der Hengste stammen von dieser Linie ab), Nero (seit 1933; mehr Gangvermögen, leichtere Pferde), Diamant (seit 1903; leichter Noriker, ausdrucksstarke Augen und besondere Trittsicherheit), Schaunitz (seit 1888; großer und arbeitseifriger Noriker) und Elmar (seit 1896; bunte Tigerschecken, noch immer andalusisches Blut; Ramskopf). Eine Besonderheit des Norikers liegt in der Vielfalt der vorkommenden Farben, neben den am stärksten vertretenen Rappen, Braunen und Füchsen sind die Mohrenköpfe, Tiger und Plattschecken immer wieder ein Blickfang.<h3> Vom Arbeitstier zum Paradepferd</h3>In Südtirol werden Noriker seit Jahrhunderten gezüchtet, vor allem im Pustertal und seinen Seitentälern, insbesondere im Abteital. Jedes Tal hat seine Besonderheiten. Historisch gewachsen ist der Noriker als Wagen- und Wirtschaftspferd für den schweren Zug. Die Kaltblüter wurden zur Feld- und Waldarbeit eingesetzt, zur täglichen Arbeit am Hof. Doch dann wurden die Tiere vom Traktor ersetzt, was dazu führte, dass es Ende der 1980-er-Jahre nur noch 90 Tiere in ganz Südtirol gab. Heute ist der Bestand wieder auf fast 400 Tiere angewachsen, weil Noriker nun auch als Sport-, Freizeit- und Paradepferde bei Umzügen eingesetzt werden. <BR /><BR />Als Meilenstein gilt die Einführung eines Zuchtbuches für die Norikerrasse in Italien im Jahr 2011, die vor allem das Land Südtirol vorangetrieben hat. Zuvor war in Südtirol jedes Tier dieser Pferderasse registriert und ab dem dritten Lebensjahr einer freiwilligen Bewertung auf seine morphologische Korrektheit hin unterzogen worden. Diese Bewertung wurde bei der Führung des Zuchtbuches beibehalten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1094472_image" /></div> <BR /><BR />Knapp 100 Südtiroler Norikerzüchter werden vom Südtiroler Haflinger Pferdezuchtverband betreut. Der Bestand der Tiere hat in den vergangenen Jahren leicht zugenommen. Die Anliegen der Norikerzüchter werden durch eine eigene Vertretung (Edith Obexer) im Verwaltungsrat des Haflinger Pferdezuchtverbandes vorgebracht, und es wird ihnen viel Aufmerksamkeit geschenkt. <h3> Die Pferdezucht im Gadertal</h3>Drehen wir die Uhren aber noch einmal zurück – und zwar zum 17. April 1904. Damals wurde beim Postwirt in Pikolein die Enneberger Pferdezuchtgenossenschaft gegründet. Peter Videsott, Wirt, Hengsthalter und Fuhrunternehmer, hatte die Pferdezüchter des Bezirks zur Gründungsversammlung geladen. Das Ziel – so beschreibt es Erich Messner im Magazin „Haflinger Info“ – war: schöne Fohlen züchten, die sich im ganzen Land und in den Nachbarprovinzen gut verkaufen ließen.<BR /><BR />Im Jahre 1907 gründete Videsott zusammen mit Franz Kosta vom Gasthof Zirm in Corvara ein Pferdetransportunternehmen, mit dem sie mehr als ein Jahrzehnt lang den Personenverkehr und Warentransport im Tal bis Cortina garantierten. 1912 begann im Gadertal offiziell die Haflingerzucht, seither ist das Geschick der beiden Rassen eng miteinander verbunden. <BR /><BR />In den Weltkriegen – so Erich Messner – wurden die Pferde zu Vorspanndiensten verpflichtet. Sie transportierten das Kriegsmaterial durch das Gadertal an die Front. Die Tiere waren harte Winter gewohnt und wurden deshalb mehr eingesetzt als die Militärpferde – und dadurch zu Grunde gerichtet. Mit dem Einzug der Autos auf den ausgebauten Dolomiten-Straßen verschwanden die Pferdefuhrwerke im Gadertal mehr und mehr. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1094475_image" /></div> <BR /> Als der heutige Obmann, Enrico Nagler vom Runch Hof in Pedratsches, 1985 den Verein – er war im Laufe der Jahre in Norikerverein Gadertal umbenannt worden – übernahm, zählte man nur noch 6 ins Stammbuch eingetragene Gadertaler Norikerstuten. <BR /><BR />Nagler und seine Mitstreiter setzten sich beispielhaft für die Pferderasse ein. Zusammen mit Manfred Canins, damals Direktor des Tourismusvereines Abtei und nunmehr Obmann des Südtiroler Haflinger Pferdezuchtverbandes, wurden unter anderem mehrere Veranstaltungen ins Leben gerufen, die die Noriker in Szene setzten – dazu gehörten Pferdeschlittenrennen und Skijörings, die „Ladinische Bauernhochzeit“ (findet alle 2 Jahre statt und wird von Nagler koordiniert) sowie Pferdeschlitten- und -kutschenfahrten für Gäste. <h3> 18 Mitglieder mit über 50 eingetragenen Pferden</h3>Aufschwung erhielt die Norikerzucht im Gadertal auch Dank des Verbandshengstes, der von 1990 bis 2010 von Arcangelo und Richard Pitscheider am Rainèhof in Abtei gehalten wurde. Mittlerweile wird ein Verbandshengst nur noch im Oberen Pustertal gehalten. Wie bei den Haflingern gibt es aber auch viele privat gehaltene Hengste.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1094478_image" /></div> <BR /><BR /> Der Fleiß des Vereins zahlte sich aus. Die Zahl der Züchter und Tiere stieg. Aktuell zählt der Verein 18 Mitglieder mit über 70 eingetragenen Pferden im Herdebuch. „Wir versuchen nun, unsere Noriker ,sportlicher‘ zu machen. Die Tiere werden nicht mehr als schwere Zugpferde in der Landwirtschaft benötigt, sondern in der Freizeitgestaltung“, erklärt Nagler, den vor allem die verschiedenen Fellfarben der Noriker faszinieren. <BR /><BR />Der Norikerverein selbst ist weitaus mehr als nur eine Zuchtorganisation – er ist ein lebendiger Teil der Kultur des Gadertals und ein Symbol für Tradition, Gemeinschaft und Leidenschaft für das Pferd. Durch die Kombination von jahrhundertealtem Wissen und modernen Zuchtmethoden sorgt der Verein dafür, dass die Norikerrasse auch in Zukunft erhalten bleibt und weiterhin eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft und im Leben der Menschen im Gadertal spielt. <BR /><BR />Die Liebe zu diesen majestätischen Tieren verbindet die Mitglieder des Vereins und trägt dazu bei, die kulturelle Identität der Region zu bewahren.<BR /><BR />Zu dieser kulturellen Identität gehört auch der Leonardiritt, der am kommenden Sonntag, 10. November, in Abtei/Badia stattfindet. Auch hier ist Nagler seit Beginn federführend. Hauptakteure der Veranstaltung sind die über 130 Haflinger- und Norikerpferde und Züchter aus dem ganzen Land und den ladinischen Tälern außerhalb von Südtirol. Die diesjährige Ausgabe der Veranstaltung ist der Gründung der Enneberger Pferdezuchtgenossenschaft vor 120 Jahren gewidmet. <h3> Leonardiritt am kommenden Sonntag</h3>Die Veranstaltung beginnt mit der feierlichen Heiligen Messe in der Pfarrkirche von Abtei/Badia, die dem Heiligen Leonhard und dem Heiligen Jakobus geweiht ist. Um 10.45 Uhr findet der Umzug statt, der in der Handwerkerzone des Dorfes beginnt und sich durch das Zentrum schlängelt. Angeführt wird der Umzug vom Wagen des Schutzpatrons, gefolgt von zahlreichen Haflingern und Noriker-Pferden, Trachtenträgern aus den verschiedenen ladinischen Tälern und zahlreichen festlich geschmückten Festwagen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1094481_image" /></div>