Donnerstag, 28. Juli 2016

Kuba: Ein Jahrzehnt ohne „Fidel“

Vor zehn Jahren hat sich der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro offiziell aus der Politik zurückgezogen. Seitdem kommentiert er das Weltgeschehen nur noch hin und wieder in Leitartikeln oder empfängt politische Weggefährten. Trotzdem ist er noch immer von Bedeutung.

Fidel Cast
Fidel Cast - Foto: © APA/EPA

Kubas Politik ist seit Fidel Castros Rückzug weniger personalisiert. Unter Fidel war die gesamte Regierungsführung auf seine Person zugeschnitten. Raul Castro handelt wesentlich pragmatischer als sein Bruder. Er hat wieder Beziehungen zum einstigen Erzfeind USA aufgenommen, weil es wirtschaftlich notwendig war. Fidel Castro legitimiert diese Annäherung als Galionsfigur der Revolution. Politische Freiheiten genießen die Kubaner aber weiterhin nicht.

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Fidel und Raul Castro beim Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas im April 2016. - Foto: AFP

Was ist das politische Erbe Fidel Castros?

Fidel Castro hat den Kubanern ihre Würde wiedergegeben. Auch nach der Unabhängigkeit von Spanien 1898 blieb die Karibikinsel zunächst ein Spielball der Großmächte. Unter Diktator Fulgencio Batista war Kuba in der Hand amerikanischer Mafiosi – mancher sprach abfällig vom „Bordell der USA“. Mit der Revolution 1959 gab Fidel Castro den Kubanern ihre nationale Identität zurück. Als sozialistisches Bollwerk vor der Küste der USA war Kuba während des Kalten Krieges die Aufmerksamkeit der Welt stets gewiss.

Wie geht es weiter, wenn Raul Castro 2018 zurücktritt und die Ära der Familie Castro endet?

Wie sich die nächste Generation der kommunistischen Kader verhält, ist schwer einzuschätzen. Radikale Brüche sind allerdings zunächst nicht zu erwarten. Auf Raul Castro könnte Vizepräsident Miguel Diaz-Canel folgen, der sich schon seit Jahren auf das Amt vorbereitet. Auch wenn sich viele Kubaner mehr wirtschaftliche Öffnung und größere Freiheiten wünschen, gibt es wenig Druck für einen massiven Kurswechsel. Viele haben Angst vor dem Raubtierkapitalismus, wie er nach dem Zusammenbruch des Ostblocks in Osteuropa und Russland zu beobachten war.

apa/dpa

stol