Freitag, 10. März 2017

KVW Ortsgruppe Latsch: Der christliche Umgang mit Fremden

Südtirol wird bunter. Das ist Fakt. Doch wie geht man mit dem Fremden um? Eine Frage, auf die der KVW eine klare Antwort hat: es geht um einen christlichen Umgang. Und so war auch das Thema bei der diesjährigen KVW-Jahresversammlung in Latsch gewählt.

v.l.n.r.: KVW-Ortsobfram Margit Hillebrand, Referent Josef Stricker und Ortspfarrer Johann Lanpacher
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v.l.n.r.: KVW-Ortsobfram Margit Hillebrand, Referent Josef Stricker und Ortspfarrer Johann Lanpacher

An die vierzig KVW-Mitglieder und Interessierte hatten sich am Nachmittag des Samstag, 11. März 2017 in den Fraktionssaal des CulturForum Latsch eingefunden. Eingeladen hatte der Ortsausschuss mit Obfrau Margit Hillebrand. Sie zeigte sich sichtlich erfreut über die rege Teilnahme und stelle gleich zu Beginn die Tagungsordnung vor. Ortspfarrer Johann Lanpacher sprach in seinem besinnlichen Einstieg von der Wichtigkeit, Beziehungen aufzubauen, vor allem für Menschen aus der Fremde. Ganz im Sinne des bald seligen Vinzensbruders Josef Mayr-Nusser gehe es darum, das Leben vom Glauben her zu gestalten.

Im Mittelpunkt der Jahresversammlung stand der Vortrag von Josef Stricker, seines Zeichens Geistlicher Assistent des KVW. Seine Ausführungen basierten auf solidem Zahlenmaterial. Derzeit leben in Südtirol laut offizieller Statistik 48.000 Ausländer, viele schon über Jahrzehnte und meist aus Arbeitsgründen. Zu je einem Drittel stammen diese aus der EU, aus Nicht-EU-Staaten oder aus außereuropäischen Ländern. Zahlreiche Personen sind in der Landwirtschaft tätig, in der Bauindustrie, in der Gastronomie, als Reinigungskräfte oder in der Pflege, vor allem im städtischen Umfeld und hier sowohl in öffentlichen als auch privaten Strukturen.

Ca. 1.500 Menschen sind vor Bürgerkriegen geflohen oder weil sie in ihrer Heimat aus religiösen, politischen oder anderen Gründen verfolgt werden. Die Kriegsschauplätze in Syrien oder Eritrea haben zu einer akuten Verschärfung des Problems beigetragen. Weltweit sind 65 Millionen Menschen auf der Flucht, meist um dem Tod zu entrinnen und nur ein geringer Teil kommt oder schafft es überhaupt nach Europa. In Italien sind im vergangenen Jahr 180.000 Flüchtlinge gestrandet, über 5.000 bereits im Meer ertrunken. Die Herausforderung sei die Aufteilung der Flüchtlinge auf die europäischen Länder. Die Wanderungsbewegungen im 21. Jahrhundert sind nicht das einzige Problem, so Josef Stricker abschließend, denn hinzu kämen der demographische Wandel und die Veränderung der Arbeit im digitalen Zeitalter. Sein Plädoyer: „Wir lösen diese Herausforderungen, wenn wir den Frieden erhalten, zufrieden sind und mit beiden Füßen am Boden bleiben.“

Vize-Bürgermeisterin und Sozialreferentin Sonja Platzer zeigte sich angetan von den Ausführungen des Geistlichen Assistenten und bekräftige den Willen der Gemeinde, gemeinsam nach umsetzbaren Lösungen vor Ort zu suchen. Wichtig seien persönliche Kontakte und das unvoreingenommene Gespräch. Für den KVW Bezirk Vinschgau war der stellvertretende Vorsitzende gekommen und ging vor allem auf die Aktion „Ein Herz für die Peripherie“ ein, bei der es um den Erhalt und die Stärkung des Krankenhausen Schlanders geht. Am 21. Mai 2017 findet zudem unter dem Motto „Tu’s einfach“ ein Gesundheitstag in der Matscher Au in Schlanders statt, der von der EURAC initiiert und vom KVW auf Bezirksebene mitgetragen wird.

Zum Abschluss der Jahresversammlung ehrte die KVW Ortsgruppe Latsch ihre langjährigen Mitglieder und lud alle Anwesenden zu einem kleinen Imbiss bei musikalischer Umrahmung.

Josef Bernhart, KVW Latsch/Morter

stol