Freitag, 17. Juni 2016

Ladinische Einheit 1946 - 2016

Am 14. Juli 1946 forderten gut 3000 Ladiner am Sellajoch die Vereinigung aller ladinischen Täler mit Südtirol. Sie ist bis heute nicht geschehen. 70 Jahre später wird die Forderung erneuert.

Die Ladiner 1946 am Sellajoch.
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Die Ladiner 1946 am Sellajoch.

Am 16. und 17. Juli werden die Ladiner erneut am Jeuf de Sela/Sellajoch zusammenkommen und die Forderung nach der Einheit aller Ladiner erneuern. Am Samstagabend werden 165 Bergfeuer den ganzen Sellastock erleuchten. Am Sonntag findet eine große Feier statt mit Enthüllung eines neuen Denkmals.

 

5 aktuelle Forderungen hat der Dachverband der ladinischen Kulturvereinigungen, die Union Generela di Ladins dla Dolomites zusammengestellt. Sie werden den Landeshauptleuten von Südtirol und Trentino, Arno Kompatscher und Ugo Rossi, und dem Südtiroler Autonomiekonvent übergeben werden. Die Forderungen basieren auf einem Memorandum von Lois Trebo und Erwin Valentini; sie wurden von dem Fassaner Juristen Andy Rossi überarbeitet. Im Folgenden die Forderungen im Wortlaut:

 

 

Erklärung der Union Generela di Ladins dla Dolomites (UGLD) hinsichtlich der Überarbeitung des Autonomiestatutes der Region Trentino - Südtirol

Die Union Generela di Ladins dla Dolomites UGLD und deren fünf autonomen Sektionen von Gherdëina/Gröden, Val Badia/Gadertal, Fascia/Fassatal, Fodom/Buchenstein, Anpezo/Ampezzo, unterbreitet folgende Vorschläge im Zuge der Reform des Dritten Autonomiestatutes der Region Trentino - Südtirol

  1.  

     Die Notwendigkeit einer Koordinierung zwischen dem Südtiroler  Konvent und Forum und dem Beirat der Provinz Trient:
    Die Unterzeichner betrachten den Reformprozess, der die Region betrifft und zweigleisig vorangetrieben wird, mit großer Sorge. Die Bevölkerung der Region sollte den Vorschlag für ein neues Statut  einheitlich ausarbeiten. Eine gemeinsame Vorgangsweise ist unumgänglich. Die UGLD ersucht deshalb um Koordinierung des Südtiroler Konvents und Forums und dem Beirat der Provinz Trient, vor allem in der „Quaestio Ladina“, der Ladinerfrage, um einer ungleichen Behandlung der Sellaladiner vorzubeugen.

     

     

  2.  

     Das Referendum vom 28. und 29. Oktober 2007, in Fodom/Buchenstein, Col/Colle Santa Lucia und Anpezo/Ampezzo soll umgesetzt werden

     

    Die Region ist die politisch-verwaltungstechnische Einheit, die die ladinische Minderheit rund um den Sellastock zusammenhält. Daher verlangt die UGLD die notwendigen Garantien für eine einheitliche und gleichwertige rechtliche Behandlung der Ladiner, die immer noch auf drei Provinzen und zwei Regionen aufgeteilt sind. Innerhalb des Reformprozesses des Autonomiestatutes fordern wir die Umsetzung des im Jahre 2007 in Fodom/Buchenstein, Col/Colle Santa Lucia und Anpezo/Ampezzo durchgeführten Referendums. Wegen der Trägheit des italienischen Parlaments hinsichtlich des Referendums und der Eingliederung dieser Gemeinden in die Region Trentino-Südtirol, ersuchen wir die Regionalratsabgeordneten und Landtagsabgeordneten, die zwei Präsidenten der Provinzen, Arno Kompatscher und Ugo Rossi, und die in der Region Trentino-Südtirol gewählten Parlamentarier, sich der Ladinerfrage anzunehmen, um sie politisch voranzutreiben. Diese Forderung gilt nicht nur für die vom Referendum betroffenen Ladiner, sondern für die ganze ladinische Minderheit, da eine solche Vorgangsweise eine ernsthafte Gefahr für die Einheit der Ladiner darstellt.

     

    Die UGLD fordert die Durchführung des Integrationsprozesses der drei ladinischen Gemeinden noch vor dem Ende des regionalen Reformprozesses, für eine rechtlich einheitliche Berücksichtigung der ladinischen Minderheit in ihrer Einheit und Gesamtheit.

     

     

  3.  

     Anerkennung der einheitlichen ladinischen Schriftsprache

     

    Die UGLD fordert, dass das neue Autonomiestatut die einheitliche ladinische Schriftsprache anerkennt, damit sie innerhalb der öffentlichen Verwaltung die offizielle Sprache wird. Dies wird den Ladinern gestatten, sich untereinander in der selben Sprache zu verständigen. Darüber hinaus würde diese Anerkennung zu einem höheren Prestige und einer allgemeinen Aufwertung der ladinischen Sprache führen.
     

     

  4.  

    Die Notwendigkeit einer einheitlichen rechtlichen Behandlung der ladinischen Minderheit
    Die gegenwärtige Trennung der ladinischen Sprachminderheit ist ein großes Hindernis für die sprachliche, kulturelle und politische Gleichbehandlung der Ladiner.
    In Südtirol gilt gegenwärtig das Proporzsystem zwischen den drei Sprachgruppen, deren Schutz mittels Durchführungsverordnungen zum Statut gesichert werden. Neben ebendiesen sichern in der Provinz Trient allfällige Landesgesetze den Schutz der Ladiner im Fassatal. In Fodom/Buchenstein, Col/Colle Santa Lucia und Anpezo/Ampezzo wird der Schutz der Minderheit lediglich durch das Regionalgesetz Nr. 3/1994 und das Staatsgesetz Nr. 482/1999 geregelt, zudem auch noch mit weniger Ressourcen. Dies führt zu einer erhöhten Ungleichheit in der Behandlung der Mitglieder ein und der selben ladinischen Minderheit. Als Fallbeispiel dient die Tatsache, dass sogar zwischen den Autonomen Provinzen Bozen und Trient jegliche Koordinierung und Kooperation in den Bereichen Schule und Weiterbildung der Ladiner.
     

     

  5.  

    Die Notwendigkeit einer Stärkung der politischen Vertretung der Ladiner in den zwei Provinzen, der Region und im Staat.
    Die Sellaladiner sollen bei politischen Entscheidungen in der Region, den zwei Provinzen und im Staat stärker berücksichtigt werden, weil sich die ladinischen Täler im Herz der „Dolomiten Unesco Weltnaturerbe“ befinden, einem für den Tourismus und die Wirtschaft der gesamten Region sehr wertvollen Gebiet, sowohl vom naturalistischen und vor allem vom kulturellen Gesichtspunkt.
     

     

    Urtijëi/St. Ulrich, ai 11.04.2016

     

     

     

 

stol