Montag, 12. Januar 2015

"Landspitäler braucht es in Zukunft erst recht"

„Die Bedeutung der Kleinspitäler für die Gesundheitsversorgung heute und morgen“ stand im Mittelpunkt eines Vortragsabends am Freitag im Stadttheater Sterzing. Zahlreiche Zuhörer, darunter viele Vertreter der Politik, verfolgten die Ausführungen des renommierten Schweizer Gesundheitsökonoms Willy Oggier.

Gesundheitsökonom Willy Oggier plädierte nicht nur für den Erhalt von Kleinkrankenhäusern, sondern auch für deren Ausbau.
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Gesundheitsökonom Willy Oggier plädierte nicht nur für den Erhalt von Kleinkrankenhäusern, sondern auch für deren Ausbau.

Er legte seine Sichtweise zur Bedeutung der Kleinspitäler im Gesundheitssystem und vor allem zum Versorgungsauftrag der ländlichen Bevölkerung dar.

Im ersten Teil seines Referates ging er auf die Wertschöpfung des Gesundheitswesens und der Kleinspitäler auf die regionale Wirtschaft ein.

Seiner Ansicht nach dürfe bei der Bewertung von Krankenhäusern nicht nur das Heilen der Patienten allein betrachtet werden, sondern es müssten auch die Auswirkungen von deren Funktion als Ausbildungs-, Beschäftigungs- und Innovationsstätte auf die lokale Wirtschaft mit beurteilt werden.

An der Wertschöpfungsstudie des Kreiskrankenhauses Oberengadin als ländliche Region zeigte er den positiven Effekt auf die lokale Wirtschaft auf.

Im zweiten Teil ging Oggier auf die sich anbahnenden Gefahren in der Versorgung der ländlichen Bevölkerung ein, die durch die Schwierigkeiten entstünden, in Hausarztpraxen Ärzte nachzubesetzen.

So finden sich laut Oggier sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland und Österreich kaum noch Hausärzte, die in ländlichen Regionen Arztpraxen übernehmen oder eröffnen. Gerade aus diesem Grund müssten die Kleinspitäler die dezentrale Krankenversorgung der Bevölkerungen übernehmen.

Ihm zufolge sollten die Kleinkrankenhäuser in Zukunft die institutionellen Leistungserbringer in allen Gesundheitsbereichen – von der integrierten Krankenversorgung bis zur Betreuung von Wohnheimen – werden.

Aus diesem Grund müssten die Kleinspitäler ihr Leistungsangebot ausbauen und nicht reduzieren, so sein Credo.

Die medizinische Betreuung und das medizinische Know-How müssten zum älter werdenden Patienten in die Peripherie gebracht werden, der in der gewohnten Umgebung verbleiben soll, und nicht umgekehrt.

Im dritten Teil seines Vortrags zeigte Oggier die zukünftigen Aufgaben der Kleinspitäler auf. So müssten sie die erste Anlaufstelle in einem 24-Stunden-Dienst für die wichtigen Fachgebiete (Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie/Geburtshilfe und Pädiatrie) auf dem Land mit guter Diagnostik sein.

Am Ende seines Vortrags plädierte Oggier dafür primär den Nutzen der Kleinspitäler für die Gesellschaft und nicht nur die Kosten zu sehen. Dies bedeute, dass bedarfsorientiete Politik für das Gesundheitswesen in Zukunft mehr ausgeben müsse und nicht weniger und dass die verschiedenen geografischen Bereiche (Land oder Stadt) verschiedener Lösungen bedürfen.

Aus diesem Grund könne die Wirtschaftlichkeit nicht losgelöst vom sogenannten Versorgungsziel diskutiert werden.

Landspitäler brauche es in Zukunft erst recht. Diese auf Tageskliniken zu reduzieren, bedeute den Tod dieser Krankenhäuser, betonte er.

stol