Donnerstag, 04. Februar 2016

„Leihmutterschaft ist Prostitution“

Die italienische Gesundheitsministerin, Beatrice Lorenzin, hat mit der Behauptung, Leihmutterschaft sei eine Form von Prostitution, für Aufregung gesorgt.

Beatrice Lorenzin, Italiens Gesundheitsministerin, hat mit einer krassen Aussage für Aufregung gesorgt.
Beatrice Lorenzin, Italiens Gesundheitsministerin, hat mit einer krassen Aussage für Aufregung gesorgt. - Foto: © LaPresse

„Der Markt ergreift den Besitz über das Leben der Menschen. Jegliche Ethik geht in Brüche. Leihmutterschaft geht noch weiter als Prostitution. Jede Form ihrer Regelung muss bekämpft werden“, sagte Lorenzin am Donnerstag in Rom.

Die Ministerin richtete einen Appell an die italienischen Parlamentarierinnen, im Senat gegen einen Gesetzentwurf zu stimmen, mit dem eheähnliche Lebenspartnerschaften für Hetero- und Homosexuelle eingeführt werden sollen.

Das als „Cirinna“ bekannte Gesetz, über das diese Woche im Senat debattiert wird, schlägt nämlich auch die Stiefkindadoption vor: Ein Partner soll das Kind, das der Lebensgefährte in die Beziehung mitbringt, adoptieren dürfen. Kritiker des Gesetzentwurfs befürchten dadurch eine Schädigung des Kindeswohls und eine schleichende Zunahme von Leihmutterschaften, die in Italien verboten sind.

"Ärmere Frauen könnten als Ware benutzt werden"

Leihmutterschaft sei eine schwere Beeinträchtigung der Rechte der Frauen. Die Gefahr sei, dass Körper ärmerer Frauen und ihre reproduktiven Funktionen dadurch als Ware genutzt werden, argumentierte Lorenzin. Sie gehört der konservativen Regierungspartei NCD (Neue Rechte Mitte) an.

„Der Körper der Frau ist kein Ofen, in dem man die Torte eines anderen backen kann. Es gibt nichts Schlimmeres für eine Frau, als dass ihr das Kind weggerissen wird, das sie zur Welt gebracht hat. Die Frau ist heute immer noch eine Sklavin, die ihren Herren ihre Kinder geben muss und sie nicht mehr sehen kann. Heute nennt man das Leihmutterschaft, doch es ist immer Sklaverei“, erklärte Lorenzin.

Das katholisch geprägte Italien ist eines der wenigen EU-Länder, in denen gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt sind. Die Regierung will keine Homo-Ehe, dafür aber die eingetragene Lebenspartnerschaft für hetero- und homosexuelle Paare durchsetzen. Das Gesetz enthält einige umstrittene Neuerungen. So sollen hetero- und homosexuelle Partner vor Gericht, am Finanzamt oder im Krankenhaus wie Eheleute behandelt werden. Sie können auch den Namen des anderen annehmen. Im Todesfall gehen Pensionsbezüge auf den Hinterbliebenen über.

apa

stol