Pünktlich zu ihrem 80. Geburtstag ist Pattie Boyd, Topmodel der 1960er Jahre und Fotografin, bereit loszulassen. „Ich habe diese Dinge viele, viele Jahre um mich gehabt“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in London. „Und ich dachte: Wenn ich sterbe, was passiert dann damit? Denn meine Nichten und Neffen sind nicht wirklich interessiert.“ <BR /><BR />Zu Patties „Dingen“, die sie nun bei Christie's in London anbietet (die Online-Auktion geht heute zu Ende), gehören Gemälde, Postkarten, Telegramme, kleine Notizen, Kleidungsstücke, viele Fotos. Und Briefe. Liebesbriefe, die von einer der ungewöhnlichsten Lovestorys der Show-Branche erzählen. Aber der Reihe nach. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009370_image" /></div> <BR />Die Britin Patricia Anne Boyd war 1964 ein sehr gefragtes Model mit regelmäßigen Aufträgen für „Vogue“, „Vanity Fair“ und „Elle“, als ihr ihre Agentin eine Statistenrolle im Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ beschaffte. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009373_image" /></div> <BR />In einer Drehpause setzte sich Beatles-Gitarrist George Harrison neben sie. Ihre Erinnerung: „Er war einer der schönsten Männer, die ich bis dahin gesehen hatte.“ Auch der „Stille Beatle“, der stets im Schatten von John Lennon und Paul McCartney (81) gestanden hatte (tatsächlich hatte Harrison bei etwa 40 Beatles-Songs den Part des Leadsängers übernommen), war begeistert. Einer seiner ersten Sätze an Pattie war angeblich: „Willst du mich heiraten?“ Kurz nach dem Dreh begannen die beiden eine Liaison; 2 Jahre später heirateten sie. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009376_image" /></div> <BR />Pattie inspirierte den Musiker zu Songs wie „I Need You“ und „Something“; die beiden gehörten zu Aushängeschildern der „Swinging London“-Ära.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009379_image" /></div> <BR /><BR />Doch dann mischte sich Georges Kumpel Eric „Slowhand“ Clapton (78) ein. Er war oft zu Gast bei den Harrisons in Friar Park (Oxfordshire), suchte immer mehr Patties Nähe. Schließlich fragte er sie in einem Brief sehr direkt: „Was ich dich fragen möchte, ist, ob du deinen Mann noch liebst, oder ob du einen anderen Liebhaber hast?“ Auch dieser Brief aus dem Jahr 1970 ist nun unter den Hammer gekommen. Clapton habe ihr dafür seinen Segen gegeben, sagte Pattie dem „Telegraph“. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009382_image" /></div> <BR />Claptons Interesse schmeichelte Pattie, aber sie wollte ihren Mann nicht verlassen. Sie liebte Harrisons Feinfühligkeit: Er malte ihr Weihnachtskarten, schrieb Liebesschwüre. Den werbenden Clapton vermittelte Pattie an ihre jüngere Schwester. Doch der blieb unglücklich verliebt in Pattie. Seinen Kummer verarbeitete er im Welthit „Layla“, sein Spitzname für Pattie.<BR /><BR /><BR />Die Ehe mit Harrison kriselte schließlich, weil Pattie keine Kinder bekommen konnte, hinzu kam der Kokain-Konsum des Musikers. Als er sie schließlich auch noch mit Ringo Starrs (83) Ehefrau Maureen betrog, trennte sich Pattie 1974 – und kam mit Clapton zusammen. Der schrieb einen weiteren Welt-Hit für sie, „Wonderful Tonight“. Sie heirateten 1979, waren glücklich, bis Claptons Alkoholsucht nach 10 Jahren auch dieses Ehe-Aus einläutete...<BR /><BR />Das teuerste Objekt der aktuellen Auktion ist zugleich der wohl größte Schatz von Pattie Boyd – Kunst gewordener Ausdruck ihrer Dreiecksbeziehung mit Harrison und Clapton: das Originalbild zum Albumcover von Claptons „Layla and Other Assorted Love Songs“. Aktuelles Gebot: 186.624 Euro (Stand gestern, 18 Uhr). <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009385_image" /></div> <BR /><BR />Clapton kaufte das Gemälde „La Jeune Fille au Bouquet“ 1970 in Frankreich vom Sohn des Künstlers Emile Théodore Frandsen<b>de Schomberg</b>. Pattie Boyd: „Er liebte dieses spezielle Bild und beschloss, es Layla zu nennen. Als ich George verließ und begann, mich mit Eric zu treffen, gab Eric es an George, sodass der es lange Zeit besaß. Und als Eric und ich uns dann trennten, gab George es mir. So hat dieses schöne Gemälde die Runde zwischen uns dreien gemacht.“<BR /><BR /><BR />Harrison und Clapton blieben trotzdem bis zu Harrisons Tod im Jahr 2001 Freunde – „weil Musiker auf einer anderen Ebene kommunizieren“, meinte Boyd. „Sie kommunizieren durch die Musik. Und das ist eine Ebene, die man nicht versteht, wenn man nicht selbst Musiker ist. Wenn man mit jemandem auf diese Weise kommunizieren kann, dann bleibt das, egal was im Leben oder was dir als menschliches Wesen passiert.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009388_image" /></div> <BR />Auch Songtexte und Set-Listen werden nun versteigert. Zum Schmunzeln ist eine Notiz, in der Clapton seine damalige Frau bittet, ihm eine Fernsehsendung auf Video aufzuzeichnen, falls er nicht rechtzeitig zu Hause sein sollte. Außerdem trennt sich Boyd von einer Standuhr, die Beatles-Manager Brian Epstein ihr und Harrison einst schenkte; und auch von Schmuckstücken und alten Kleidern aus den Swinging Sixties. Bei Christie's freut man sich. Mit der Ausstellung „The Pattie Boyd Collection“ wurde ein Fenster in die goldene Zeit des Rock'n' Roll geöffnet. <BR /><BR />Seit den 1980er-Jahren ist Ruhe in Patties Leben eingekehrt. Mehrfach stellte sie weltweit die Fotos, die sie von ihren Musiker-Freunden gemacht hatte, aus. 1991 lernte sie den Immobilien-Entwickler Rod Weston kennen, 2015 heiratete das Paar, seither lebt es in der britischen Grafschaft Sussex. Berichten zufolge hat Boyd Jahre vor dessen Tod Frieden mit Harrison geschlossen, und der inzwischen nüchterne Clapton ist ein guter Freund.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1009391_image" /></div> <BR />Pattie engagiert sich auch ehrenamtlich für die Organisation SHARP (Self Help Addiction Recovery Program), die Menschen mit Drogenproblemen hilft.<BR /><BR /><BR />