Freitag, 04. August 2017

Luther und Tirol. Religion zwischen Reform, Ausgrenzung und Akzeptanz

Im Landesmuseum Schloss Tirol ist bis zum 26. November 2017 eine beeindruckende Schau zur Reformation zu sehen, ein Thema, das bislang in Tirol unbeachtet blieb.

Hans Baldung Grien - Martin Luther mit Heiliggeisttaube 1521 - Holzschnitt, Universitäts- und Landesbibliothek Tirol
Hans Baldung Grien - Martin Luther mit Heiliggeisttaube 1521 - Holzschnitt, Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Anlass bietet das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation, die traditionell mit dem „Thesenanschlag“ Martin Luthers am 31. Oktober 1517 an der Schlosskirche von Wittenberg begann und als Symbolhandlung einer Zeitenwende gilt. Die Ausstellung „Luther und Tirol. Religion zwischen Reform, Ausgrenzung und Akzeptanz“ macht sichtbar, inwieweit Luthers theologische und gesellschaftstheoretische Grundsätze auch in Tirol Verbreitung gefunden haben. Die Ausstellung zeigt aber nicht nur die Verbreitung der Lutherischen Lehre, sondern auch die politische, kirchliche und gesellschaftliche Antwort darauf. Damit wird ein Kapitel der Landesgeschichte mit neuer Sichtbarkeit ausgestattet.

In der Reformation geht es um eine grundsätzliche Neuausrichtung theologischer Positionen, in die gerade auch das neue Medium Buchdruck fördernd hineinwirkt, was zu einer raschen Verbreitung der neuen Lehren führt. Die Anfänge dieser „neuen Lehre“ werden in Tirol aufgespürt, wo es beispielsweise mit Urbanus Rhegius und Jakob Strauß prominente Prediger in Hall gab, die Luthers Lehre anhingen. Die Bilderkultur des 16. Jahrhunderts bleibt durchdrungen von neuen Bildinhalten, die aus der intensiven Beschäftigung mit der Heiligen Schrift erwuchsen. Im 17. Jahrhundert folgte die Ausweisung der Defregger Protestanten. Geradezu unwirklich mutet das Faktum an, dass selbst nach dem Toleranzpatent Kaiser Josephs II., 1837 protestantische Splittergruppen aus dem Zillertal zur Auswanderung gezwungen wurden. Mit dem Protestantenpatent Kaiser Franz Josephs 1861 beginnt eine neue Ära, die nun, nicht ohne Widerspruch, zu ersten Kirchen- und Gemeindegründungen in Meran, Bozen, Arco und Innsbruck führt.

Zur Ausstellung ist auch ein umfassender Katalog erschienen.

stol